Stand: 11.11.2019 15:17 Uhr

VfL Wolfsburg: Pause kommt wie gerufen

Kapitän Josuha Guilavogui (l.) und Trainer Oliver Glasner ratlos: Schafft der VfL die Kehrtwende?

Es ist erst zwölf Tage her, da war der VfL Wolfsburg einmalig im deutschen Fußball: Keines ihrer bis dahin 13 Pflichtspiele hatten die "Wölfe" verloren - europaweit waren sie damit sogar auf einer Stufe mit Juventus Turin. Doch dann folgte die 1:6-Pleite im DFB-Pokal gegen Leipzig, das 0:3 in der Liga beim BVB, ein 1:3 in der Europa League gegen Gent und schließlich am Sonntag wieder in der Bundesliga ein 0:2 gegen Leverkusen. Trotz der vier Niederlagen in Folge will man beim VfL von einer Krise nichts hören. "Eine etwas schwierige Phase", nannte Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke die aktuelle Situation. "Heute kann man uns nichts vorwerfen" erklärte Verteidiger Robin Knoche im NDR Interview. Dennoch dürfte die Länderspielpause wie gerufen kommen, um die Trendwende einzuleiten.

Glasner setzt auf Pause und Rückkehrer

"Wir trainieren noch bis Mittwoch und machen dann auch mal ein paar Tage frei", will VfL-Coach Oliver Glasner seiner Mannschaft die Gelegenheit zum Durchschnaufen geben. Erst am Montag kommender Woche steht dann die nächste Trainingseinheit an. Der Österreicher hofft, dass seine Profis im Spiel bei Eintracht Frankfurt am 23. November wieder den Kopf frei haben. Dabei setzt er auch auf die Rückkehr der seit Wochen fehlenden Stammspieler Admir Mehmedi (Muskelfaserriss), Daniel Ginczek (Rücken-OP), Koen Casteels (Haarriss im Wadenbein) und Xaver Schlager (Knöchelbruch). "Wenn drei deiner vier Langzeitverletzten Nationalspieler sind, tut das jeder Mannschaft weh", sagte Glasner, "ich habe schon die Hoffnung, dass der eine oder andere in Frankfurt im Kader stehen kann."

Spielstil zu behäbig

Gleichwohl weiß auch der VfL-Trainer, dass nicht allein die Verletztenmisere ausschlaggebend für den sportlichen Absturz ist. Ein weiterer Hauptgrund dürfte der neue Spielstil der Niedersachsen sein. Glasner hat seiner Mannschaft ein 3-4-3 verordnet und setzt auf eine stabile Defensive.

Auf der einen Seite mit Erfolg: Erst zehn Gegentore schlagen in der Bundesliga zu Buche, in den letzten elf Spieltagen der Vorsaison waren es trotz nur vier Niederlagen mit 20 fast doppelt so viele. Zugleich bremst das neue System die Mannschaft aber aus. "Ich habe nicht mehr so viele Möglichkeiten, nach vorn zu spielen. Ich habe mein Spiel noch nicht so sehr gefunden", erklärte beispielsweise Jérôme Roussillon dem "sportbuzzer". Der französische Linksverteidiger sorgte unter Labbadia mit seinen Außenbahn-Läufen für viel Offensivwirbel, erzielte drei Tore.

Insgesamt entwickelt der VfL unter Glasner noch nicht die Wucht, die sich der Österreicher versprochen hat. "Sehr aktiv", wolle man sein. "Wenn wir den Ball haben, wollen wir ihn schnell vors Tor bringen. Wenn nicht, wollen wir ihn möglichst schnell zurückerobern." Das gelang bislang selbst gegen vermeintlich schwächere Teams kaum: Gegen Paderborn und Augsburg reichte es im eigenen Stadion nur zu Unentschieden, gegen Union Berlin und in Mainz gab es nur knappe 1:0-Erfolge.

Mit lediglich elf erzielten Toren stellt der VfL die zweitschlechteste Offensive der Liga. Und geraten die Wolfsburger gegen offensive Mannschaften in Rückstand, gelingt es nicht, sich vom Druck zu befreien. Im Gegenteil: Die ansonsten stabile Abwehr bricht auseinander, wie die 14 Gegentore in den jüngsten vier Partien zeigen.

Glasner sieht Aufwärtstrend

Doch den Kopf in den Sand stecken will beim VfL niemand. "Physis und Fitness der Mannschaft sind absolut intakt, jeder hat gesehen, wie wir in der zweiten Halbzeit gelaufen und gerannt sind", sagte Knoche nach dem Leverkusen-Spiel. Glasner fand ebenso lobende Worte und sprach gar von einem Aufwärtstrend: Im Gegensatz zu den Partien gegen Leipzig und beim BVB habe man "die Köpfe nach dem Rückstand nicht hängen gelassen und bis zum Schluss an den Ausgleich geglaubt". Vielleicht hat ja auch Torwart Pavao Pervan Recht, in dem er sagt: "Uns fehlt derzeit einfach das Quäntchen Glück."

Spielplan kam dem VfL entgegen

Bislang hatte es der Bundesliga-Spielplan gut gemeint mit den Wolfsburgern.

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Spielplan VfL Wolfsburg

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Der VfL hatte alle drei Bundesliga-Aufsteiger bei sich zu Gast, spielte zudem unter anderem gegen Hertha BSC, Düsseldorf, Mainz und Augsburg. Musste Wolfsburg gegen Top-Teams ran, war es mit der Herrlichkeit vorbei: Gegen Hoffenheim, Leipzig, Dortmund und Leverkusen blieben die Niedersachsen bei zwei Remis sieglos. Der Blick auf die verbleibenden Gegner bis zur Winterpause sorgt deshalb nicht gerade für Hoffnung: Bis auf Werder Bremen geht es ausnahmslos gegen Mannschaften, die derzeit vor Wolfsburg platziert sind: Frankfurt (9.), Freiburg (4.), Mönchengladbach (1.), Schalke (7.) und kurz vor Weihnachten der FC Bayern (3.).

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 11.11.2019 | 16:25 Uhr