DLF-Chef Christian Seifert überreicht Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus einen Blumenstrauß. © Witters

Abpfiff für eine Pionierin: Bibiana Steinhaus hört auf

Stand: 01.10.2020 08:30 Uhr  | Archiv

Der 3:2-Sieg des FC Bayern München im Supercup gegen Borussia Dortmund war ein würdiger Abschied für Bibiana Steinhaus. Die Schiedsrichterin aus Hannover beendet ihre Karriere.

Nach zwölf Jahren ist Schluss für Bibiana Steinhaus. "Wie viele Menschen in der Zeit der Corona-Situation habe ich manches reflektiert und neu bewertet", sagte die Hannoveranerin. Nach einem Gespräch mit Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich habe sie "nach sorgfältiger Abwägung vieler Faktoren" entschieden, ihre Laufbahn zu beenden. "Über die Gründe meines Rückzugs werde ich mich zu gegebener Zeit nochmals etwas ausführlicher äußern", so die 41-Jährige. Mit der Polizistin leitete erstmals eine Frau den Supercup. Die Berufung gilt als Auszeichnung für starke Leistungen.

Steinhaus bleibt als VAR im "Kölner Keller" erhalten

Die Gründe für ihren Abschied liegen anscheinend im Privaten, denn grundsätzlich könnte Steinhaus noch bis 47 weitermachen. Seit vier Jahren ist sie mit Englands früherem Top-Schiedsrichter Howard Webb zusammen, der in New York lebt. Ihn konnte sie in Zeiten von der Corona lange nicht sehen. Ganz vorbei ist die Karriere allerdings nicht: Steinhaus wird künftig als Video-Assistentin im "Kölner Keller" arbeiten. "So kann ich meine sportlichen Ambitionen unter anderen Vorzeichen weiterhin unter Beweis stellen."

Fröhlich: "Ihr gebührt höchste Anerkennung"

"Ihr gebühren höchste Anerkennung für das, was sie erreicht hat, höchster Respekt für ihre Entscheidung und auch ein großer Dank von meiner Seite für die absolut vertrauensvolle Zusammenarbeit", sagte Fröhlich. Steinhaus sei "eine absolute Bereicherung für den Fußball, sowohl von ihrer Art, die Spiele zu leiten, als auch im persönlichen Umgang".

Keller: "Außergewöhnliche Persönlichkeit"

"Der deutsche Fußball muss künftig nicht nur auf eine herausragende Schiedsrichterin verzichten, sondern verliert auch eine außergewöhnliche Persönlichkeit und Pionierin in einer Männerdomäne", sagte DFB-Präsident Fritz Keller. Steinhaus werde ein Vorbild bleiben.

"Immer umsichtig, immer auf Ballhöhe, immer souverän. Und immer auf Augenhöhe auch mit absoluten Weltstars vor Millionen von Menschen, teils im Fokus der Weltöffentlichkeit." Niedersachsens Innen- und Sportminister Boris Pistorius

"Bibiana Steinhaus hat sich in den vergangenen Jahren mit ihren Leistungen Respekt und Anerkennung verdient", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. "Das Ende ihrer Karriere kommt überraschend. Persönlich wünsche ich ihr für die Zukunft alles Gute - und dass ihr der Supercup als würdiger Abschluss ihrer Laufbahn in Erinnerung bleibt."

Erste Schiedsrichterin in der Männer-Bundesliga

Vor drei Jahren war die Norddeutsche auf den Rasen des Berliner Olympiastadions getreten und hatte damit Geschichte geschrieben. Das Debüt der ersten Schiedsrichterin in der Männer-Bundesliga fand weltweit Beachtung. Bereits 2007 hatte Steinhaus in der Zweiten Bundesliga debütiert. Immer noch ist die Hannoveranerin als bislang einzige Frau in der Beletage aktiv gewesen; die Bad Harzburgerin Riem Hussein wird nach wie vor nur in der Dritten Liga eingesetzt.

115 Bundesliga-Einsätze

Siebenmal wurde sie zur deutschen Schiedsrichterin des Jahres gewählt, viermal als beste Schiedsrichterin der Welt ausgezeichnet. Jeweils dreimal vertrat sie Deutschland bei der WM und EM der Frauen. Nach 23 Bundesliga-Einsätzen bei den Männern, 35 bei den Frauen und 92 Männer-Zweitligapartien bildete der Supercup nun den würdigen Rahmen für den letzten Auftritt einer Pionierin.

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 30.09.2020 | 23:03 Uhr

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