Stürmer Eric Maxim Choupo-Moting beim Training des FC Bayern München © picture alliance / SvenSimon

Plötzlich Bayern-Star: Wie Choupo-Moting beim FCB landete

Stand: 14.10.2020 13:07 Uhr

Eric Maxim Choupo-Moting stieg mit Stoke City ab und war bei Paris Saint-Germain überwiegend Bankdrücker. Dennoch wurde der Hamburger vom FC Bayern München verpflichtet.

Irgendwo im Nirgendwo des Hamburger Großstadtdschungels gibt es diesen winzig kleinen Bolzplatz. Ein hoher Zaun umgrenzt das nur ein paar Quadratmeter große Feld im Stadtteil Altona. Nach Schulschluss ist auf dem schon recht fahlen Plastikgrün immer mächtig Betrieb. Auch der heutige Fußball-Star Eric Maxim Choupo-Moting hat hier, wo früher noch auf Schlacke gekickt wurde, unzählige Stunden seiner Kindheit und Jugend verbracht. Vor einigen Wochen kehrte der Angreifer zurück zu seinen Wurzeln. Er trainerte mit seinem Vater Just Moting auf dem Mini-Spielfeld, um sich für einen neuen Arbeitgeber fitzuhalten. Denn nach dem Auslaufen seines Vertrags bei Paris Saint-Germain war der 31-Jährige erwerbslos.

Als Backup für Lewandowski verpflichtet

Im Starensemble des französischen Champions-League-Finalisten hatte der "Hamburger Jung" zwei Jahre lang nur eine Nebenrolle gespielt. Ganze neun Ligapartien absolvierte der Stürmer in der vergangenen Serie für PSG. Zuvor war Choupo-Moting mit Stoke City aus der englischen Premier League abgestiegen. Was sich auf den ersten Blick nicht unbedingt wie ein überzeugendes Bewerbungszeugnis für den derzeit besten Verein der Welt liest, hielt den FC Bayern München nicht davon ab, den 31-Jährigen zu verpflichten. "Er gibt unserem Kader in der Offensive, vor allem im Zentrum eine Tiefe, die wir brauchen werden", erklärte Sportvorstand Hasan Salihamidžić den für Außenstehende doch sehr überraschenden Transfer.

Was das "Bürschchen", wie der frühere HSV-Profi gerufen wird, mit "Tiefe" eigentlich meinte: Choupo-Moting wurde als Ersatzspieler verpflichtet, oder wie es heutzutage heißt: als "Backup". Er soll dann in die Bresche springen, wenn Ausnahme-Stürmer Robert Lewandowski mal verletzt ist oder eine Verschnaufpause braucht.

"Interessante Angebote" abgelehnt

Die Rolle als Teilzeitarbeiter nahm Choupo-Moting trotz "anderer interessanter Angebote" an. Denn: "Wer würde nicht gerne für den FC Bayern auflaufen? Es ist eine Ehre, für diesen Verein zu spielen. Beim FC Bayern ist es der Anspruch, immer alles zu gewinnen, und um diese Ziele zu erreichen, bin ich hochmotiviert." Für den Stürmer schließt sich mit seinem Engagement an der Säbener Straße gewissermaßen der Kreis. Gegen den deutschen Rekordmeister erzielte er am 19. September 2009 im Trikot des 1. FC Nürnberg seinen ersten Bundesliga-Treffer. Elf Jahre später geht Choupo-Moting nun selbst für den Branchenprimus auf Torejagd. Das Engagement bei den Münchnern ist fraglos der Höhepunkt einer bewegten Karriere.

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Stürmer Eric Maxim Choupo-Moting bei seiner Vorstellung als Neuzugang des FC Bayern München © picture alliance / SvenSimon

FC Bayern bestätigt: Eric Maxim Choupo-Moting kommt

Der FC Bayern München hat ein Backup für Stürmer Robert Lewandowski gefunden: Eric Maxim Choupo-Moting, zuletzt bei Paris St. Germain, unterschrieb einen Einjahresvertrag beim deutschen Rekordmeister. extern

Nach Faxpanne beim HSV aussortiert

Seine ersten Schritte im Profifußball hatte Choupo-Moting beim HSV gemacht. Der Durchbruch beim sechsmaligen deutschen Meister blieb dem Angreifer wie vielen anderen Talenten vor und nach ihm verwehrt. Aus seiner Zeit beim einstigen Bundesliga-Dino, der ihn zwischenzeitlich nach Nürnberg auslieh, blieb primär ein geplatzer Wechsel in Erinnerung. Zur Rückrunde der Saison 2010/2011 sollte Choupo-Moting zum 1. FC Köln transferiert werden. Der Deal scheiterte, weil ein Fax aufgrund von technischen Problemen 13 Minuten zu spät bei der Deutschen Fußball Liga eintraf. Der HSV verbannte ihn daraufhin in die U23 und ließ den Stürmer wenige Monate später ablösefrei zum 1. FSV Mainz 05 ziehen.

Erst Schalke und Stoke, dann an die Seine

Bei den Rheinhessen schaffte Choupo-Moting den Durchbruch, erzielte in seiner ersten Saison gleich zehn Treffer. Auch später beim FC Schalke (2014 bis 2017) wusste der 49-malige Nationalspieler Kameruns zumeist zu überzeugen. Choupo-Moting war zwar kein herausragender, aber allemal ein gestandener Bundesliga-Spieler, als er 2017 erstmals ins Ausland zu Stoke City wechselte. Nach dem Abstieg der "Potters" erinnerte sich sein früherer Coach in Mainz, Thomas Tuchel, an den Angreifer und holte ihn nach Paris. An der Seine fristete der Hamburger ein gut bezahltes Reservistendasein. Er kam an Neymar, Kylian Mbappé, Ángel Di María, Edinson Cavani oder Mauro Icardi nicht vorbei, klagte darüber aber nicht. "Er war ein wichtiger Teil unserer Gruppe, weil er perfekt seine Rolle kannte", erklärte Tuchel.

Salihamidžić: "Passt alles sehr gut zusammen"

Auf eine weitere Zusammenarbeit konnten sich beide Seiten trotz gegenseitiger Wertschätzung nicht einigen. Nach 31 Ligue-1-Einsätzen (sechs Tore) in zwei Jahren war das Kapitel PSG für Choupo-Moting beendet. Elbstrand statt Eiffelturm hieß es daraufhin für den Stürmer. Einsam zog der vereinslose Fußballer in seiner Heimatstadt seine Runden, schaute bei seinem Jugendclub Teutonia 05 vorbei und trainierte auf besagtem Mini-Spielfeld. In der Gerüchteküche tauchte sein Name kaum auf, bis ein französischer Journalist vom Interesse der Bayern berichtete. Was zunächst wie eine Ente klang, bewahrheitete sich bald darauf: Choupo-Moting unterschrieb für ein Jahr beim Rekordmeister. "Eric hat bei Paris Saint-Germain internationale Erfahrung gesammelt, er kennt die Bundesliga, Eric kommt ablösefrei. Das passt alles sehr gut zusammen", begründete Salihamidžić den bisher überraschendsten Transfer dieser Saison.

Dieses Thema im Programm:

Die NDR 2 Bundesligashow | 17.10.2020 | 15:00 Uhr

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