Stand: 23.10.2018 12:48 Uhr

Nummer eins der Stadt - Kiezkicker als Genießer

Mit "Auswärtssieg"-Rufen hielten sie sich gar nicht erst auf. Die annähernd 2.000 Fans des Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli dachten nach dem 1:0 beim MSV Duisburg in anderen Kategorien. Und so schallte es nach dem Schlusspfiff aus dem Gästeblock voller Inbrunst: "Die Nummer eins der Stadt sind wir!" Die Kiezkicker mit 19 Punkten auf dem dritten Rang, der große Rivale Hamburger SV mit 18 Zählern auf Platz fünf - diese überraschende Konstellation weist die Tabelle nach dem zehnten Spieltag aus. St. Pauli hatte die günstige Gelegenheit, die sich am Sonntag nach dem 0:0 des HSV gegen den VfL Bochum geboten hatte, erkannt - und am Montagabend durch den Sieg an der Wedau genutzt. "Wir wussten, dass wir mit einem Dreier vorbeiziehen konnten. Und das haben wir gemacht", sagte Defensivspieler Marvin Knoll mit einigem Stolz dem NDR. "Wir sind überglücklich. Es freut mich für die Fans. Die können den Tag genießen. Für die ist es etwas Besonderes."

Kauczinski: "Sind auf dem Weg"

Nach dem starken Saisonstart mit Siegen beim Aufsteiger 1. FC Magdeburg (2:1) und gegen den SV Darmstadt 98 (2:0) ist es bereits das dritte Mal der Fall, dass St. Pauli vor dem HSV steht. Trainer Markus Kauczinski wollte dem Überholvorgang aber nicht zu viel Bedeutung beimessen. "Es ist nur eine Momentaufnahme. Die Fans können sich freuen, für uns ist das nicht so wichtig", behauptete der 48-Jährige im Gespräch mit dem NDR. Ihn freue mehr die Entwicklung seines Teams. "Es ist schön, dass wir uns da oben festbeißen, dass wir es schaffen, konstant zu werden. Da sind wir auf dem Weg", sagte Kauczinski.

Mehr Stabilität in der Defensive

Für ihn, sein Team und die Anhänger ist der Saisonverlauf ein extremer. Dem starken Start mit zwei Siegen folgte eine Niederlagenserie, die auch schon Kauczinski dezent in die öffentliche Kritik gerückt hatte. Nach dem Scheitern im DFB-Pokal beim Drittligisten SV Wehen Wiesbaden folgten Niederlagen in der Liga beim 1. FC Union Berlin (1:4), gegen den 1. FC Köln (3:5) und beim FC Erzgebirge Aue (1:3). Durch ein 1:0 beim FC Ingolstadt glückte die Trendwende. Seitdem gelangen weitere drei Siege sowie ein Remis beim HSV. 13 Punkte wurden eingesammelt. Dies gelang vor allem dank einer größeren Stabilität in der Defensive, die sich nach der Genesung von Christopher Avevor (Schienbeinblessur) einstellte. In den vergangenen fünf Partien kassierten die Kiezkicker nur zwei Gegentore, in den drei Ligaspielen zuvor waren es zwölf.

Allagui: "Im Moment surfen wir"

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Schwer einzufangen ist Sami Allagui (l.) nach seinem Tor in Duisburg.

"Wir haben eine gute Serie hinter uns. Wir sind auf einer Welle, und im Moment surfen wir", sagte Stürmer Sami Allagui, der in Duisburg mit seinem Treffer in der 84. Minute zum Matchwinner avancierte. Der Deutsch-Tunesier hatte schon zuvor gegen Sandhausen in der Rolle des "Jokers" sofort gestochen. "Sami ist einer, der hat halt das Näschen dafür. Der steht dann da und köpft das Ding brutal rein", sagte Knoll. Kapitän Johannes Flum lobte: "Hut ab vor Sami, der wieder reinkommt und das Spiel entscheidet. Es ist Wahnsinn, wie viel Qualität wir auf der Bank haben."

Die "Joker" machen die Elf zu einem Spitzenteam. In allen sechs Spielen, die St. Pauli in dieser Saison gewann, gelang nach der 80. Minute noch mindestens ein Tor. In fünf Fällen handelte es sich um den entscheidenden Treffer. Vier dieser Treffer gingen auf das Konto eines Einwechselspielers.

Keine Überflieger in Liga zwei

Stellt sich nur die Frage, was für die Braun-Weißen in dieser Saison möglich ist. Die beiden Bundesliga-Absteiger Köln und der HSV sind (noch) weit weniger souverän, als viele Beobachter erwartet und befürchtet hatten. St. Pauli ist zuzutrauen, nachhaltig die Rolle des Überraschungsteams einzunehmen. Platz drei scheint möglich, vielleicht sogar mehr. Davon will Kauczinski allerdings noch nichts wissen. Am Morgen nach dem Erfolg in Duisburg zeigte er sich bemüht, die Euphorie zu dämpfen: "Vor ein paar Wochen waren noch alle unzufrieden und haben sich Sorgen um uns gemacht. Wir haben noch viel Arbeit vor uns und sich gut beraten, ruhig zu bleiben." Mit dem Derby gegen Holstein Kiel (Sonntag, 13.30 Uhr) stehe die nächste Aufgabe schon bevor.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 23.10.2018 | 19:30 Uhr

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