Stand: 16.05.2019 15:00 Uhr

Labbadia: "Sehe meine Zukunft eher im Ausland"

Bruno Labbadia sitzt am Sonnabend (15.30 Uhr / im NDR Livecenter) gegen den FC Augsburg zum letzten Mal auf der Trainerbank des VfL Wolfsburg. Mit einem Sieg würden sich die Niedersachsen erstmals seit 2015 wieder für den Europacup qualifizieren. Im NDR Interview spricht Labbadia über seinen Abschied, die erfolgreiche Saison und seine Zukunftspläne.

Welchen Stellenwert hätte die Qualifikation des VfL Wolfsburg für die Europa League?

Bruno Labbadia: Nimmt man die Ausgangssituation vor der Saison, dann hätte dies natürlich einen hohen Stellenwert. Wir mussten im letzten Jahr in die Relegation. In dieser Saison haben wir aber den Clubslogan "Arbeit, Fußball, Leidenschaft" auch verkörpert. Das war in diesem Maße nicht zu erwarten. Deswegen ist es etwas ganz Besonderes.

Wie haben Sie aus einem Abstiegskandidaten einen Europacup-Aspiranten geformt, trotz atmosphärischer Störungen in der Führungsebene?

Labbadia: Wir haben überlegt: Was hat gefehlt? Dann haben wir der Mannschaft einen klaren Plan vorgelegt. Das Team ist diesen Weg bedingungslos mitgegangen. Wir hatten eine sehr intensive Vorbereitung, in der wir vor allem am Positionsspiel gearbeitet haben, um mehr Ballbesitz zu haben. Außerdem haben viel am Teamgedanken gefeilt.

Eine Frage zur allgemeinen Situation in der Bundesliga: Haben Sie den Eindruck, dass der Respekt vor den Trainern weiter schwindet?

Labbadia: Insgesamt werden die Trainer zu schnell ausgetauscht. Das Umfeld wird immer schwieriger, weil zu viel Geld im Umlauf ist. Es wird viel Politik betrieben. Heutzutage reicht es, wenn man drei oder vier Wochen keine guten Ergebnisse erzielt, dann wird man schon in Frage gestellt. Da sind wir auf einem falschen Weg.

Stimmt es, dass der HSV vorgefühlt hat, ob Sie zur Verfügung stünden?

Labbadia: Nein.

Könnten Sie es sich vorstellen, noch einmal beim HSV zu arbeiten? Wo sehen Sie Ihre Zukunft?

Labbadia: Ich mag den HSV, bin aber noch in Wolfsburg Trainer. Auch der HSV hat noch einen Trainer. Außerdem sehe ich meine Zukunft derzeit eher im Ausland, weil es die eine oder andere konkrete Anfrage gibt. Ich kann noch nicht sagen, wo ich im Sommer sein werde. Ich muss das Gefühl haben, als wäre es die größte Aufgabe, landes- und ligaunabhängig. Wenn das nicht da ist, werde ich viel Zeit mit meiner Familie verbringen.

Vor einigen Jahren hätte ich mir nie vorstellen können, ein Abenteuer einzugehen, weil ich sehr auf die Bundesliga fixiert war. Sie hat immer noch ihren besonderen Reiz. Da ich aber inzwischen freier in meinem Kopf bin, weiß ich, dass auch ein Abenteuer etwas Besonderes sein kann.

Zurzeit lasse ich aber viel liegen, weil ich total auf den VfL Wolfsburg fixiert bin. Wir haben ein Riesenspiel vor uns, in dem wir uns für die Saison belohnen können. Ich möchte hier einen tollen Abschluss haben.

Das Interview führte Martin Roschitz, NDR Hörfunk

Mögliche Aufstellung VfL Wolfsburg

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 18.05.2019 | 22:30 Uhr