Kommentar: Mehr Macht für Frauen im deutschen Fußball

Stand: 22.05.2021 08:40 Uhr

"Fußball kann mehr" - unter diesem Titel haben neun prominente Frauen aus dem deutschen Sport einen Forderungskatalog an den Deutschen Fußball Bund (DFB) veröffentlicht. Es geht um eine Frauenquote und mehr Mitspracherecht für Frauen im Fußball. Matthias Steiner kommentiert.

von Matthias Steiner

Die alten weißen Männer im DFB müssen sich warm anziehen. Das Forderungspapier der früheren HSV-Funktionärin Katja Kraus und ihrer Mitstreiterinnen hat für mächtig Wirbel gesorgt. Der aufgeschreckte Verband reagierte sofort und lud die Frauen zum Dialog ein - um "sich gemeinsam für Vielfalt im Fußball stark zu machen". Das klingt wie das Pfeifen im Walde. Die Riege der mächtigen Männer im DFB hat ganz einfach Angst, Einfluss zu verlieren. Dabei wissen auch die aktuellen DFB-Funktionäre, dass die Forderungen nach mehr Frauen in Führungspositionen vollkommen gerechtfertigt und längst überfällig sind.

Keine Gleichberechtigung in 121 Jahren DFB

"Nachhaltige Veränderungen benötigten aber Zeit" heißt es aus dem Verband. Das ist eine lächerliche Ausrede, denn der 121 Jahre alte DFB hätte alle Zeit der Welt gehabt, die Rahmenbedingungen für mehr Gleichberechtigung zu schaffen. Die Hamburgerin Hannelore Ratzeburg kämpft als einzige DFB-Vorstandsfrau seit Jahren für ihr Geschlecht, stand bisher aber immer auf verlorenem Posten.

Gut gewählter Zeitpunkt

Doch nun könnte es schnell gehen. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung der Forderungen ist perfekt gewählt. Nicht erst seit dem Rücktritt des DFB-Präsidenten Fritz Keller herrscht in der Führungsetage des weltgrößten Sportverbandes nacktes Chaos. Und mit Katja Kraus hat eine kompetente Frau ihren Hut in den Ring geworfen - natürlich mit den üblichen Formulierungen wie "ich habe 'eigentlich keine Ambitionen'" und "wenn man Forderungen aufstellt, dann gehört es dazu, an einer Stelle auch die Verantwortung zu übernehmen". Ich fänd's klasse, wenn eine Frau die Machtfrage beim DFB gewinnen würde.

Andere Netzwerke werden nicht wahrgenommen

Was mich in der längst fälligen Diskussion nervt, ist etwas ganz anderes. Wir haben hier bei uns schon seit Längerem das Netzwerk der Sportsfrauen Hamburg. Da haben sich Frauen aus verschiedenen Bereichen des Sports im regelmäßigen Austausch organisiert - aber das nimmt die Öffentlichkeit kaum war. Nur wenn im Fußball öffentlich Veränderungen angemahnt werden, reagiert sofort die halbe Nation.

Sei's drum, die geforderte Frauenquote von mindestens 30 Prozent in den Führungspositionen der Verbände und Vereine ergibt absolut Sinn. Die nächsten Wochen werden spannend.

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