Bundestrainer Joachim Löw im Hamburger Volksparkstadion © Witters

Kommentar: DFB sollte an Löw festhalten

Stand: 18.11.2020 13:54 Uhr

Nach dem 0:6-Debakel gegen Spanien mehren sich die Stimmen nach einem Wechsel auf der Bundestrainer-Position. Das wäre jedoch der falsche Schritt.

Ein Kommentar von Michael Augustin

Michael Augustin © NDR
Der Bundestrainer soll bleiben, muss sich aber ändern, meint Michael Augustin.

Ja, Joachim Löw ist der Richtige - aus Mangel an Alternativen. Es gibt aktuell keinen Besseren. Klopp? Ist mit Liverpool liiert. Flick ist glücklich bei den Bayern, Nagelsmann in Leipzig. Der Bundestrainer soll bleiben, aber er muss sich ändern und vor allem seine stolze, sture Haltung aufgeben und - endlich - Mats Hummels zurückholen.

Sechs Gegentore gegen Spanien, jeweils drei gegen die Türkei und gegen die Schweiz. Joachim Löw hat in der Abwehr viel probiert- Dreierkette, Viererkette, Fünferkette. Und immer wieder wechselndes Personal ausprobiert. Es hat nichts gebracht. Er muss sofort zum Leistungsprinzip zurückkehren. Und da führt kein Weg an Hummels vorbei. Er spielt eine starke Saison für Borussia Dortmund und ist aktuell der beste deutsche Abwehrspieler. Und der Beste muss für Deutschland spielen.

Und das Alter darf in diesem Fall keine Rolle spielen. Hummels ist nicht 35, sondern 31. Nur vier Jahre älter als Antonio Rüdiger, der in Spanien gesperrt, sonst aber in diesem Jahr bei Löw immer gesetzt war. Hummels ist Stammspieler beim BVB, Rüdiger Reservist beim FC Chelsea.

UMFRAGE
Mögliche Antworten

Ist Joachim Löw noch der richtige Bundestrainer?

Kein Handlungsbedarf in der Offensive

Die deutsche Offensive mit Werner, Gnabry und Sané ist an guten Tagen Weltklasse. Ihr Hochgeschwindigkeitsfußball kann berauschend sein. Und deshalb sehe ich auch keinen Grund, Thomas Müller zurückzuholen. Auch das zentrale Mittelfeld verkörpert Weltklasse. Mit Kroos, der aktuell etwas schwächelt. Mit Gündogan. Mit Goretzka, der immer besser wird. Mit Kimmich, der momentan verletzt, aber schon jetzt der heimliche Anführer der Nationalmannschaft ist.

Löw sollte aus seinen Fehlern lernen

Die Abwehr braucht Weltklasse, sie braucht Hummels. Er ist nicht nur ein guter Verteidiger, sondern auch im Spielaufbau um Längen besser als die, die da sind. Das muss Löw erkennen und ihn neben Niklas Süle im Abwehrzentrum spielen lassen. Egal, was er anderen Spielern möglicherweise versprochen hat. Diese Zusagen müsste er einkassieren und sich nicht genieren. Joachim Löw würde Größe zeigen. Auch mit 60 machen Menschen Fehler. Selbst hochdekorierte Weltmeister-Trainer. Aus diesen Fehlern kann man lernen.

Nicht bei einer heftigen Niederlage gleich einknicken

Und der DFB sollte keine Zweifel aufkommen lassen, dass er an Löw festhält. Die Nationalmannschaft hat zwar zweimal die Nations League versemmelt. Aber da reden wir über einen Wettbewerb, dem außer den Erfindern bei der UEFA niemand etwas abgewinnen kann.

Ganz ehrlich, die harte Währung im Fußball sind Welt- und Europameisterschaften. Und nach dem WM-Debakel vor zwei Jahren hat Löw im deutschen Team den Umbruch eingeleitet. Der Zeitpunkt, ihn zu entlassen, wäre damals perfekt gewesen. Aber nicht jetzt. Der DFB muss ihm eine heftige Niederlage wie in Spanien zugestehen und darf nicht gleich einknicken.

Zumal im Corona-Herbst 2020 die ganze Welt verrückt spielt - und nicht nur der Fußball-Kosmos. Wenn Löw aber nicht zur Einsicht kommt, wird er in sieben Monaten sein nächstes Debakel erleben - bei der EM mit den Vorrundengegnern Frankreich und Portugal.  Noch hat die Nationalmannschaft kein Bundestrainer-, sondern vor allem ein Defensivproblem.

Weitere Informationen
Jogi Löw © picture alliance / Sven Simon Foto: Elmar Kremser/SVEN SIMON

Ist Löw noch der Richtige? Pro und Contra

0:6 in Spanien - ist Joachim Löw noch der richtige Bundestrainer? Ja, sagt Jörg Tegelhütter. Martin Roschitz ist anderer Meinung. mehr

Anmerkung der Redaktion: Liebe Leserin, lieber Leser, die Trennung von Meinung und Information ist uns besonders wichtig. Meinungsbeiträge wie dieser Kommentar geben die persönliche Sicht der Autorin / des Autors wieder. Kommentare können und sollen eine klare Position beziehen. Sie können Zustimmung oder Widerspruch auslösen und auf diese Weise zur Diskussion anregen. Damit unterscheiden sich Kommentare bewusst von Berichten, die über einen Sachverhalt informieren und unterschiedliche Blickwinkel möglichst ausgewogen darstellen sollen.

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 18.11.2020 | 14:25 Uhr

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