Stand: 30.08.2019 10:47 Uhr

Hannover setzt vor Nordduell Zeichen im Fall Jatta

Vor dem Zweitliga-Nordduell am Sonntag zwischen dem Hamburger SV und Hannover 96 (13.30 Uhr im Livecenter bei NDR.de) haben die Niedersachsen abseits des sportlichen Geschehens ein Zeichen gesetzt. Der unabhängige Fan-Dachverband von 96 rief am Donnerstag die Anhänger der "Roten" dazu auf, Bakéry Jatta beim Gastspiel im Volksparkstadion nicht auszupfeifen oder zu beleidigen - wie zuletzt in Karlsruhe geschehen. "Solange keine Rechtsprechung erfolgt und der Ausgang des Verfahrens somit offen ist, gilt wie sonst auch die Unschuldsvermutung", hieß es in dem Appell der "Roten Kurve" an die Fans. 96-Trainer Mirko Slomka schloss sich diesem Aufruf an: "Mir persönlich würde es gefallen, wenn wir unseren eigenen Weg gehen und in diesem Fall den Sportsgeist in den Mittelpunkt unseres Handelns stellen."

Anhörungen beim DFB und beim Bezirksamt

Nach einem Bericht der "Sport Bild" soll es Zweifel an der Identität des HSV-Spielers Jatta geben. Vor Jattas Verpflichtung hatte der HSV offenbar selbst bereits Nachforschungen angestellt. Der Fall beschäftigt das Bezirksamt Mitte in Hamburg ebenso wie das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes. Der aus Gambia stammende Profi war am 15. August beim DFB angehört worden. Beim Bezirksamt Mitte hat sein Anwalt Thomas Bliwier Anfang dieser Woche eine schriftliche Stellungnahme eingereicht. Nach NDR Informationen wurde dabei nicht nur ein Reisepass, sondern auch eine in Gambia beglaubigte Geburtsurkunde vorgelegt. Werden diese Dokumente, die seinen Namen und sein Alter bestätigen, anerkannt und für echt befunden, wäre das wohl der Durchbruch für Jatta.

Kind empfiehlt, auf Protest zu verzichten

Der 1. FC Nürnberg (0:4), der VfL Bochum (0:1) und der Karlsruher SC (2:4) hatten zuletzt Protest gegen die Wertung ihrer Niederlagen gegen den Tabellenführer eingelegt. Sollte 96 in Hamburg verlieren, werden die Niedersachsen wohl auf einen Einspruch verzichten - jedenfalls wenn man den Worten von 96-Hauptgesellschafter Martin Kind im Vorfeld der Partie Glauben schenken darf. "Meine Empfehlung wäre es zurzeit, keinen Protest einzulegen", sagte Kind der "Hamburger Morgenpost". Man werde die formal-juristische Seite zwar noch prüfen, aber: "Was da gerade vor allem mit dem Menschen Bakéry Jatta geschieht, ist sehr bedauerlich." Von den bisherigen vier HSV-Gegnern hat nur Darmstadt 98 (1:1) auf einen Einspruch verzichtet. Stadtrivale FC St. Pauli, der übernächste HSV-Gegner, und der VfL Osnabrück haben bereits ihr Unverständnis über die Einsprüche zum Ausdruck gebracht.

Prüfung des Falls kann dauern

Jattas Anwalt hat unterdessen bestätigt, dass er bei den Behörden alle Zweifel an der Identität seines Mandanten ausräumen will. "Natürlich weisen wir die Vorwürfe mit aller Entschiedenheit zurück. Und das ist Gegenstand der Stellungnahme", sagte Bliwier. Die Behörden haben allerdings bereits angekündigt, dass die Prüfung des Falles länger dauern könnte. "Gewisse Dinge brauchen ihre Zeit", sagte eine Sprecherin des Bezirksamts Mitte. "Zum Ablauf und Inhalt eines laufenden Verfahrens können wir uns nicht öffentlich äußern."

Der HSV und Jatta werden wohl noch einige Zeit mit dieser ungeklärten Situation leben müssen. Für gegnerische Fans sollte das kein Grund sein, sich respektlos gegenüber dem Spieler zu verhalten, findet auch die "Rote Kurve" von Hannover 96: "Vor allem rassistische Beleidigungen haben bei uns keinen Platz!"

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Sportclub | 01.09.2019 | 22:55 Uhr