Stand: 17.02.2019 10:12 Uhr

Hannover 96 nach Totalversagen schockiert

Um wortreiche Erklärungen ist Thomas Doll nie verlegen. Und fast immer fällt bei Niederlagen seiner Mannschaften dann der Satz "Das war einfach zu wenig." Doch nach dem 0:3 von Hannover 96 bei der TSG Hoffenheim, das viel schlimmer war, als es das Ergebnis ausdrückt, war der Coach zunächst einfach nur "schockiert", wie er selbst sagte: "So kannst du keinen Blumentopf gewinnen. Wir haben als Mannschaft versagt", unterstrich der Coach nach dem nicht-bundesligatauglichen Auftritt seiner Mannschaft.

Trainer Doll redet sich in Rage

"Wir hätten auch sieben Stück kriegen können. Das war eine Vorführung vom Allerfeinsten", gab Doll nach dem 23. Bundesliga-Auswärtsspiel in Folge ohne Sieg unumwunden zu und redete sich dann doch noch in Rage: "Wir sind wie die Kaninchen vor der Schlange durch die Gegend gelaufen. Das sah so aus, als ob der ein oder andere die Situation noch nicht erkannt hat. Wir sollten schleunigst ein anderes Gesicht zeigen." Das 2:0 gegen Nürnberg vor einer Woche war nur ein kurzes Strohfeuer - gegen einen Gegner, der zurzeit noch schlechter ist als Hannover. Doch nur den "Club" hinter sich zu lassen reicht nicht, um den erneuten Abstieg zu verhindern.

Wen soll Hannover 96 hinter sich lassen?

Nach gerade einmal 14 Punkten aus 22 Spielen stellt sich jedoch die Frage: Wen soll diese verunsicherte und personell arg dezimierte 96-Mannschaft noch überholen? In Reichweite sind ohnehin nur noch der VfB Stuttgart und der FC Augsburg. Beide Schwaben-Clubs haben ebenfalls mit massiven Problemen zu kämpfen. Sie sind allerdings individuell besser besetzt als Hannover, auch wenn 96-Manager Horst Heldt vor allem ein mentales Problem ausgemacht haben will. "Das Ganze findet im Kopf statt. Alle Spieler sind für die Erste Liga befähigt. Aber der Druck im Abstiegskampf ist eine psychische Herausforderung. Und das kriegen wir momentan nicht hin." Das Hinzuziehen eines Psychologen ist für ihn dennoch keine Option. "Das macht jetzt keinen Sinn mehr. Das ist der falsche Zeitpunkt."

2014 reichten 27 Punkte für die Relegation

Doll nannte die Aufgabe in Hannover den "schwierigsten Job meiner Karriere" und widersprach Heldt ein wenig. "Die Verunsicherung ist schon sehr, sehr groß. Aber alles auf die Tabellensituation zu schieben, ist mir zu einfach. Der ein oder andere hat noch gewaltiges Steigerungspotenzial. Es muss viel mehr Feuer in die Bude." Eine Qualitätsdiskussion lässt sich allerdings nicht umgehen. Keeper Michael Esser hat sich im Laufe der Saison zu einem überdurchschnittlich guten Keeper gesteigert. Aber sonst? Die Abwehr ist brüchig, das Mittelfeld meist ohne Ideen und der Sturm ohne die verletzten Niclas Füllkrug und Ihlas Bebou kaum konkurrenzfähig in der Bundesliga. 96 bleibt wohl nicht viel mehr übrig als zu hoffen, dass die Abstiegskandidaten sich ein ähnliches Schneckenrennen liefern wie in der Saison 2013/2014. Damals rettete sich der HSV mit lediglich 27 Punkten noch in die Relegation und setzte dort gegen Greuther Fürth durch.

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 17.02.2019 | 22:50 Uhr

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