Stand: 16.09.2020 08:44 Uhr

HSV-Profi Leistner telefoniert mit Fan: "Sache aus der Welt"

HSV-Profi Toni Leistner geht mit gesenktem Kopf vom Platz. © imago images/Jan Huebner
HSV-Profi Toni Leistner erwartet eine Sperre durch den DFB.

Die aufsehenerregende Auseinandersetzung zwischen HSV-Profi Toni Leistner und einem Fan des Drittligisten Dynamo Dresden nach dem Pokal-Aus des Hamburger SV in Sachsen ist offenbar beigelegt. Nachdem HSV-Neuzugang Leistner schon am Montagabend öffentlich Reue für sein Verhalten gezeigt und sich entschuldigt hatte, räumten er und der Dresdner Anhänger den Streit 24 Stunden später persönlich aus. "Wir haben telefoniert und die Sache untereinander geklärt", sagte Leistner laut einer Twitter-Mitteilung seines Vereins am Abend: "Er hat genau wie ich seinen Fehler eingesehen. Ich nehme seine Entschuldigung an, zwischen uns ist die Sache damit aus der Welt."

DFB hat Ermittlungsverfahren eingeleitet

Dieser Schritt könnte einen positiven Einfluss auf das Strafmaß haben, das dem 30-Jährigen vonseiten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) droht. Der Kontrollausschuss hat ein Ermittlungsverfahren gegen Leistner eingeleitet. Dies bestätigte der DFB am Dienstagvormittag. Der Spieler werde zu einer Stellungnahme aufgefordert. Der HSV bezog am Nachmittag auf seiner Homepage Stellung. "Wir haben ihm sehr deutlich mitgeteilt, dass wir den Vorfall nicht tolerieren, gutheißen, dass wir einen internen Umgang damit finden müssen und werden. Wir haben ihm aber auch versichert, dass er aufgrund seiner Handlung jetzt nicht von uns fallen gelassen oder an den Pranger gestellt wird", teilte HSV-Sportvorstand Jonas Boldt mit.

Fan zu Boden gedrückt

Nach der 1:4-Pokalniederlage des Hamburger SV bei Dynamo war Leistner auf die Tribüne geklettert, von wo aus ihn der Dresden-Anhänger offensichtlich lautstark und mit Gesten beleidigt hatte. Er griff sich den Fan und drückte ihn zu Boden, ehe umstehende Zuschauer und schließlich auch Ordner Leistner zurückdrängten, der daraufhin wieder ins Stadioninnere sprang.

Leistner: "Mir sind die Sicherungen durchgebrannt"

"Ich bin nach dem Spiel von der Tribüne meiner Heimatstadt aus massiv beleidigt worden. Es ging extrem und massiv unter die Gürtellinie gegen meine Familie, meine Frau und meine Tochter. In dem Moment sind mir die Sicherungen durchgebrannt", schrieb Leistner bei Instagram und entschuldigte sich gleichzeitig: "So etwas darf mir dennoch niemals passieren. Ich bin Familienvater, der als Vorbild dienen möchte. Ich entschuldige mich in aller Form für mein Verhalten."

Boldt: "Gegen drastische Beschimpfungen vorgehen"

Jonas Boldt © Witters
HSV-Sportvorstand Jonas Boldt: Lassen Leistner nicht fallen.

Leistner sei nach seinem Social-Media-Post auf die HSV-Verantwortlichen und das Team zugekommen und habe sich in aller Form für sein Verhalten entschuldigt, berichtete Boldt. "Das Niveau der Kommentare, die sich Toni aus dem Block anhören musste, ist unsäglich und leider keine Ausnahme mehr", kritisierte der 38-Jährige. "Gegen solch drastische Beschimpfungen, ob beleidigend, homophob oder rassistisch, müssen wir im Fußball und auch in der Gesellschaft vorgehen. Ich bin sehr froh, dass der Großteil der Dresdner Fans und auch der Club selbst eine vernünftige und sachliche Einschätzung der Gesamtlage vorgenommen haben und dies auch kommunizieren."

Verständnis für Leistner von Dynamo-Präsident

Dynamo-Präsident Holger Scholze hatte zuvor gesagt: "Es ist schockierend und beschämend, dass eine Einzelperson im Zuschauerbereich diesen außergewöhnlichen Pokalabend unserer Sportgemeinschaft und das tadellose Verhalten von 99,9 Prozent aller Menschen im Stadion durch sein inakzeptables Benehmen überschattet hat. Tonis Reaktion mag aus professioneller Sicht nicht richtig gewesen sein, aus menschlichen Erwägungen heraus können wir sie jedoch absolut nachvollziehen. Er hat noch am selben Abend für sein Verhalten um Entschuldigung gebeten und zeigte damit auch, dass er sich seiner Vorbildfunktion bewusst ist. Das beweist einmal mehr seinen grundsätzlich feinen Charakter."

Dynamo-Fan widerspricht Leistner zunächst

Der von Leistner angegriffene Fan hatte zunächst der Darstellung des Profis widersprochen. "Er rechtfertigt seinen Ausraster damit, dass ich seine Familie beleidigt haben soll. Das war definitiv nicht der Fall", sagte der Dynamo-Anhänger "Tag24". "Um die Familie ging es mit keinem Wort", sagte der namentlich nicht genannte Mann. Es seien die "üblichen Phrasen, die Fans nach so einem Spiel von sich geben" gewesen.

In der Zwischenzeit hat der Fan, dem von Vereinsseite möglicherweise auch Konsequenzen drohen, seine Meinung aber offenbar geändert. "Der Dynamo-Fan hat seinen Fehler in dem Telefonat eingestanden und glaubhaft bei Toni Leistner für die Provokationen um Verzeihung gebeten", berichtete Scholze. Die Dresdner teilten zudem mit, der Mann habe versichert, dass "ein solches Verhalten seinerseits nicht noch einmal vorkommen wird". Die Vereinsgremien würden zudem über dessen Vorschlag beraten, 20 Sozialstunden für ein gemeinnütziges Projekt der Sportgemeinschaft zu leisten.

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NDR Info | 15.09.2020 | 14:00 Uhr

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