Stand: 04.04.2020 13:08 Uhr

"Geisterspiele" erlauben? Politik ist sich uneins

Wird die Fußball-Bundesliga vor leeren Stadionrängen fortgesetzt?

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hofft darauf, trotz der Corona-Pandemie die Saison mit "Geisterspielen" zu Ende bringen zu können. Ob allerdings tatsächlich ab Mai ein Spielbetrieb in der Ersten und Zweiten Liga möglich sein wird, hängt davon ab, wie Bund und Länder die Infektionslage bewerten und ob sie Trainingsplätze und Stadien für die Proficlubs freigeben. Einigkeit herrscht jedoch darüber in der Politik noch nicht.

Niedersachsens Weil: Saisonfortsetzung möglich

In Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hat ein erster Politiker aus dem Norden positive Signale ausgesandt. Der SPD-Mann hält eine Fortsetzung der Saison zumindest für möglich.

Dies sei aber abhängig von den Infektionszahlen und einer Lockerung der derzeitigen Einschränkungen, erklärte Weil im Interview mit dem NDR Sportclub: "Der Gedanke an 'Geisterspiele' gefällt mir als Fan zwar überhaupt nicht, aber natürlich kann ich verstehen, dass die Vereine auch aus wirtschaftlichen Gründen überlegen, wie das jetzt weitergehen kann."

Weil rät dazu, noch abzuwarten: "Wir haben alle das große gemeinsame Interesse, so schnell wie möglich wieder zum normalen Fußball zurückzukehren. Aber wir müssen auch so lange bei den Einschränkungen bleiben, wie es nötig ist. Deswegen brauchen wir im Moment die Zeit, mit den Zahlen herunterzukommen. Diese Zeit braucht die Politik - aber die DFL sicher auch."

Bremen: Trainingsverbot für Werder

Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote ("Für das Philosophieren über Fußballspiele ist jetzt der falsche Zeitpunkt") äußerte sich abwartend, eine klare Linie hingegen fährt Bremen.

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"Ich habe große Zweifel daran, dass es jemals zur Durchführung von 'Geisterspielen' kommt", sagte Innensenator Ulrich Mäurer. Der SPD-Politiker zeigte sich überhaupt nicht erfreut über den Vorstoß der Proficlubs: Der Senat sei sich einig, "dass die Botschaft der DFL keine gute Botschaft war", sagte Mäurer. Den Plänen von Bundesligist Werder Bremen, ab Montag wieder in Kleingruppen am Weserstadion trainieren zu wollen, erteilte er eine Absage. Ab wann die Bundesligavereine das Training wieder aufnehmen können, müsse unter den den Ländern abgestimmt werden. "Das ist kein Thema, bei dem es einen Flickenteppich geben darf", so Mäurer.

Hamburg erteilt Ausnahmegenehmigung

Der "Flickenteppich" ist allerdings schon vorhanden: In Hamburg haben die Zweitligisten HSV und der FC St. Pauli eine Ausnahmegenehmigung erhalten, auch Bundesligist VfL Wolfsburg lässt bereits Einheiten in Kleingruppen absolvieren. Der FC Augsburg ging zum Beispiel sogar schon länger einen Sonderweg: Die Profis waren von Coach Heiko Herrlich überhaupt nicht ins "Homeoffice" geschickt worden: "Wir haben in Gruppen Training und achten darauf, so wenig Kontakt wie möglich zu haben. Wir haben noch keine intensiven Zweikämpfe. Solange es nicht verboten ist, ist es auch legitim", erklärte Mittelfeldspieler Daniel Baier.

Werder teilt Mäurers Pessimismus nicht

Schon vor der Saisonunterbrechung war der Umgang mit der Corona-Krise alles andere als einheitlich. Während Wolfsburg in der Europa League am 12. März noch vor leeren Rängen antrat, sagte Bremen einen Tag später das für den 16. März bereits als Spiel ohne Zuschauer geplante Duell zwischen Werder und Leverkusen kurzfristig ab. Er befürchtete, dass sich eine größere Menschenmasse vor dem Stadion versammelt.

Werder-Sportchef Frank Baumann teilt den Pessimismus Mäurers indes nicht: Zum Zeitpunkt des Leverkusen-Spiels sei die Dramatik um das Coronavirus "noch nicht so verankert" gewesen. Er gehe davon aus, "dass bei all unseren Fans das Verständnis dafür gewachsen ist, sich bei einem Heimspiel nicht vor dem Stadion zu versammeln". Baumann setzt darauf, dass Mäurer bei einer anderen "Gefährdungslage" auch eine andere Entscheidung treffen werde. 

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Sportclub | 05.04.2020 | 22:30 Uhr