Trainer Sofian Chahed von Turbine Potsdam © imago images/Beautiful Sports Foto: Julien Christ

Ex-Profi Chahed: Unverhofftes Trainer-Glück im Frauenfußball

Stand: 28.01.2021 08:55 Uhr

Sofian Chahed absolvierte für Hertha BSC und Hannover 96 über 150 Bundesliga-Partien und spielte in der Europa League. Unverhofft hat seine Trainerkarriere bei Frauen-Bundesligist Turbine Potsdam Fahrt aufgenommen.

von Florian Neuhauss

Viele Berufskollegen mögen zögern, wenn eine Anfrage aus dem Frauenfußball kommt. Sofian Chahed, bis dahin Trainer der U16 der Hertha, erkannte sehr schnell die Chance. "Für mich war das ein Schritt nach oben auf der Karriereleiter, der nächste Entwicklungsschritt", betonte der 37-Jährige im NDR Interview. "Es gehört schon deutlich mehr dazu, Cheftrainer eines Frauen-Bundesligisten zu sein, als bei den Männern im Nachwuchsbereich zu arbeiten."

Bei der Hertha war die Karriere nach der Karriere ins Stocken geraten. Doch auf einen Wechsel in den Frauenfußball wäre der gebürtige Berliner wohl selbst nicht gekommen. Je ein Spiel als Jugendlicher mit der Berliner Auswahl und zu Beginn seiner Zeit als Trainer von Herthas U15 - das war es auch schon mit den Berührungspunkten. Selbst EM und WM hatte er allenfalls "nebenbei" verfolgt. Die Anfrage aus Potsdam kam aus heiterem Himmel.

In die Champions League? Norddeutsche Wochen als Wegweiser

Umso ehrgeiziger und akribischer arbeitete sich Chahed ins neue Metier ein - und das mit Erfolg: Mit einem Sieg im Nachholspiel gegen Werder Bremen am Sonntag (14 Uhr) würde Potsdam mit den drittplatzierten Hoffenheimerinnen punktemäßig gleichziehen. Rang drei ist das große Ziel, berechtigt dieser doch in diesem Jahr erstmals zur Teilnahme an der Champions League. Danach geht es beim VfL Wolfsburg und gegen den SV Meppen (5. und 14. Februar) weiter.

Nicht der einzige Ex-Profi, aber der erfolgreichste

Sofian Chahed von Hannover 96 © imago/DeFodi
Sofian Chahed spielte unter anderem für Hannover 96 und Hertha BSC.

Chahed ist nicht der erste männliche Fußball-Profi, der nach der Karriere Chefcoach in der Frauen-Bundesliga wird. Da gab es zum Beispiel Thomas Wörle, der mit dem FC Bayern München 2015 und 2016 die Meisterschaft feierte. Aktuell stehen auch in Essen (Markus Högner), Freiburg (Daniel Kraus) und Duisburg (Thomas Gerstner) Ex-Profis an der Seitenlinie.

Aber dass ein Spieler wie Sofian Chahed, der es in seiner Karriere auf 152 Spiele in der Bundesliga und 20 weitere im Europapokal gebracht hat, diesen Schritt macht, ist schon besonders.

Lerch hofft auf Nachahmer aus dem Männerfußball

Wolfsburgs Erfolgscoach Stephan Lerch hat sich mit dem neuen Kollegen schon einige Male ausgetauscht und ihn als "sehr offenen, ehrgeizigen und engagierten Trainer wahrgenommen, der großen Gefallen am Frauenfußball gefunden hat". Lerch hofft zudem, dass Chaheds Beispiel Schule macht.

"Es ist auf jeden Fall ein Signal und könnte auch ein interessanter Trend werden, dass Ex-Profis aus dem Männerbereich in den Frauenfußball kommen. Die allgemeine Qualität dürfte das anheben." Trainer Stephan Lerch vom VfL Wolfsburg

Turbine kooperiert bereits mit der Hertha

Chaheds Vertrag läuft bis 2022. Am liebsten schon in dieser Zeit würde der A-Lizenzinhaber seinen Fußball-Lehrer beim DFB machen. Ob das in Corona-Zeiten gelingt, ist allerdings offener denn je. Der nächste Kurs ist bereits verschoben worden und Plätze sind ohnehin rar. Chahed hofft auf die Unterstützung seines Clubs - und vielleicht auch von der Hertha? Der Hauptstadt-Club kooperiert seit dieser Saison mit den Potsdamerinnen.

"Die Hertha greift uns finanziell ein bisschen unter die Arme", erklärt Chahed. Auch deshalb konnte Turbine im Winter drei neue Spielerinnen verpflichten. "Ohne dieses Geld wäre es noch schwieriger, in der Liga mitzuhalten."

Für die Zukunft "in alle Richtungen offen - 360 Grad"

Wohin es ihn in den kommenden Jahren zieht, weiß der Familienvater nicht. Auf den Frauenfußball festlegen mag sich Chahed nicht: "Eine langfristige Planung habe ich nicht. Ich bin in alle Richtungen offen - 360 Grad. Ich versuche einfach, durch meine Arbeit zu überzeugen." Allerdings haben sich die Glückwünsche seiner ehemaligen Mitspieler wie Steven Cherundolo oder Malik Fathi im vergangenen Sommer als angemessen herausgestellt. Ein halbes Jahr nach dem auch für ihn unerwarteten Schritt nach Potsdam konstatiert Chahed: "Ich bin glücklich und habe meinen Wechsel nicht bereut."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 31.01.2021 | 23:03 Uhr

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