Stand: 16.03.2020 16:54 Uhr

DFL beschließt Bundesliga-Stopp bis 2. April

Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) © picture-alliance/dpa Foto: Arne Dedert
"Schwierigste Phase unseres Berufslebens": Christian Seifert am Montag.

In der Bundesliga und der Zweiten Liga ruht wie erwartet bis mindestens 2. April der Ball. Einen entsprechenden Vorschlag des DFL-Präsidiums beschloss am Montag die Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) bei ihrem außerordentlichen Treffen in Frankfurt/Main. "Ich möchte ausdrücklich betonen, dass wir nicht davon ausgehen, ab dem 3. April wieder zu spielen", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert.

In der Woche ab dem 30. März wollen sich die Vereine erneut abstimmen. Geisterspiele seien "in naher Zukunft die einzige Überlebenschance", erklärte Seifert: "Deshalb bitte ich um Verständnis und Unterstützung, dass wir darüber nachdenken müssen." Die Eindämmung des Coronavirus habe Vorrang vor allem.

"Wenn jemand sagt, Geisterspiele kommen nicht infrage, der muss sich keine Gedanken mehr machen, ob wir mit 18 oder 20 Profi-Clubs spielen. Denn dann wird es keine 20 Profi-Clubs mehr geben." DFL-Geschäftsführer Christian Seifert

Seifert: "Unsicherheit unser zweitgrößter Feind"

Der 50-Jährige sprach von der "schwierigsten Phase unseres ganzen Berufslebens". Es gebe mehr offene Fragen als Antworten. "Wir wissen auch nicht, was morgen auf uns wartet", sagte Seifert: "Wenn der Coronavirus unser größter Feind ist, ist die Unsicherheit unser zweitgrößter Feind."

Seit vergangenen Freitag ist der Spielbetrieb in der Bundesliga und der Zweiten Liga erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg ausgesetzt, der 26. Spieltag war nach langem Hin und Her abgesagt worden. Von der nun beschlossenen Unterbrechung ist wegen der angedachten Länderspielpause nur der 27. Spieltag (20. bis 22. März) betroffen.

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Die Branchengrößen hatten das zunächst zögerliche Krisenmanagement auch mit finanziellen Zwängen begründet. Hintergrund sind Zahlungen aus dem milliardenschweren TV-Vertrag, die nur fällig werden, wenn auch tatsächlich gespielt wird. "Mir ist bewusst, dass der Profifußball von außen oft als reines Milliardengeschäft gesehen wird", sagte Seifert. "Aber es steht mehr auf dem Spiel als nur ein paar Fußballspiele. Es geht auch um 56.000 Arbeitsstellen. Dazu kommen 10.000 weitere Jobs in angrenzenden Bereichen."

"Es geht um Zehntausende Arbeitsplätze. Und vielleicht kommen wir nun an einen Punkt, an dem wir uns eingestehen müssen, dass wir ein Produkt herstellen. Und wenn es dieses Produkt nicht gibt, gibt es uns nicht mehr." DFL-Geschäftsführer Christian Seifert

Göttlich: Soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern

"Wir sind keine freiwillige Veranstaltung, sondern ein Geschäftsbetrieb, an den mehrere hundert Mitarbeiter*innen hängen. Deren Wohl und unserer sozialen Verantwortung ihnen gegenüber wollen wir auch zukünftig gerecht werden, weswegen wir dem Antrag des DFL-Präsidiums zugestimmt haben", teilte St.-Pauli-Präsident Oke Göttlich auf der vereinseigenen Homepage mit.

Über staatliche Hilfen wurde am Montag nicht gesprochen. "Wie müssen erst einmal einen Überblick bekommen, wer wie lange ohne Spiele durchhält", äußerte Seifert, der auch auf freiwillige Gehalts-Verzichte bei den Profis baut: "Es wird eine gewisse Solidarität geben, wie sie uns bereits bei anderen Sportarten vorgemacht wird."

Viel hängt von der UEFA und der EM ab

Thematisiert wurde dagegen ein möglicher Komplett-Abbruch der Saison, konkrete Szenarien dafür gibt es aber laut Seifert noch nicht. "Alle Clubs haben klar zum Ausdruck gebracht, dass diese Saison zu Ende gespielt werden soll, hierbei sind Spiele ohne Zuschauer mehr als wahrscheinlich", sagte Werder Bremens Geschäftsführer Klaus Filbry.

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Frauen-Bundesliga bis 19. April ausgesetzt

Im Frauenfußball wurden die Partien der Ersten und Zweiten Liga sowie die DFB-Pokalspiele vorerst bis zum 19. April ausgesetzt, wie der DFB mitteilte. Zuvor war der 26. März als vorläufiger Termin genannt worden. Damit sind auch die nächsten beiden Liga-Spieltage, die Viertelfinal-Partien im DFB-Pokal am kommenden Wochenende und das anschließende Halbfinale erst einmal abgesagt.

"Die Entscheidung ist aus meiner Sicht alternativlos", sagte Tim Schumacher, der Geschäftsführer des deutschen Meisters und Bundesliga-Tabellenführers VfL Wolfsburg. "Der Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus ist eine große gesellschaftliche Herausforderung, die sich nicht mit der Aufrechterhaltung eines geordneten Trainings- und Spielbetriebs vereinbaren lässt." Wie und wann der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird, ist offen.

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 15.03.2020 | 22:30 Uhr

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