VIDEO: HSV-Matchwinner Leibold: "Glücklich, wie es gelaufen ist" (1 Min)

Auch dank Schlager-Fan Leibold: So ist der HSV ein Hit

Stand: 21.03.2021 12:33 Uhr

Der HSV ist nach seinem zwischenzeitlichen Tief zurück in der Erfolgsspur. Beim 2:0-Erfolg gegen den 1. FC Heidenheim zeigte der Hamburger Fußball-Zweitligist eine aufstiegsreife Leistung.

von Hanno Bode

Tim Leibold ist vor Spielen seines Teams dann mal kurz weg. Wobei es auch schon einmal ein bisschen länger dauern kann, wenn sich der Linksverteidiger ein paar Stunden vor dem Anpfiff ins Badezimmer verkrümelt. Bis zu zwei Stunden habe "Leibe", wie der 27-Jährige von seinen Teamkameraden gerufen wird, zuweilen im WC verbracht, verriet Lukas Hinterseer einst im Podcast "Pur der HSV". Der Angreifer teilte vor seinem Abgang im Winter nach Südkorea vor Partien der Hanseaten das Hotelzimmer mit Leibold. Was genau sein Mitspieler da so hinter verschlossener Tür trieb, bekam der Österreicher nie heraus.

Der Lärm vom stillen Örtchen ließ ihn allerdings erahnen, dass Leibold dort vermutlich nicht meditiert: "Er hat dort immer sehr laut Schlagerlieder auf seinem Handy gehört."

Leibold mit Doppelpack nach abgesessener Sperre

Welche Songs der HSV-Kapitän vor der Begegnung am Sonnabend gegen Heidenheim auf seinem Mobilfunkgerät abgespielt hat, ist nicht überliefert. Möglicherweise war es ja in Dauerschleife die vom Hamburger Anhang immer noch gerne angestimmte Hymne "Wer ist Deutscher Meister? HSV" von Stefan Hallberg aus dem Jahr 1979. Leibold präsentierte sich gegen die Ostwürttemberger nach abgesessener Rot-Sperre jedenfalls in Gala-Form, erzielte beide Treffer zum 2:0-Erfolg und sorgte so dafür, dass die Hanseaten weiter gute Chancen haben, in ein paar Wochen einen Meisterschaftssong anzustimmen.

Denn zumindest bis Montag, wenn der VfL Bochum bei Fortuna Düsseldorf antritt, sind Schlager-Fan Leibold und Co. Tabellenführer.

Heidenheim-Coach Schmidt lobt den HSV

Getreu dem Udo Jürgensschen Evergreen "Und immer wieder geht die Sonne auf" hat sich der HSV zum zweiten Mal in dieser Saison auf beeindruckende Art und Weise aus einer Krise befreit. War der 2:0-Triumph am vorausgegangenen Spieltag bei Aufstiegsmitanwärter Bochum - der erste Erfolg nach zuvor fünf Partien ohne dreifachen Punktgewinn - noch in die Rubrik "Arbeitssieg" gefallen, wussten die Norddeutschen gegen Heidenheim über 90 Minuten auch fußballerisch zu gefallen. "Der Gegner hat es heute richtig gut gemacht", lobte sogar FCH-Coach Frank Schmidt die nahezu perfekte Hamburger Vorstellung.

Leibolds Doppelpack übertüncht Chancenwucher

Gab es etwas zu bemängeln bei den Hausherren, dann war es ihr etwas schludriger Umgang mit den Torchancen, die sie fast allesamt sehr gut herausspielten. Ein 4:0- oder 5:0-Erfolg wäre möglich gewesen. In Abwesenheit des sich in Quarantäne befindlichen Top-Torjägers Simon Terodde hatte jedoch nur Leibold Zielwasser getrunken. Zunächst verlängerte der Kapitän eine butterweiche Hereingabe von Aaron Hunt mit den Haarspitzen zum 1:0 ins Gehäuse (15.). Nach dem Seitenwechsel war der 27-Jährige dann nach mustergültiger Vorarbeit von Manuel Wintzheimer aus Mittelstürmer-Position zum Endstand erfolgreich (50.). Es waren seine Saisontreffer zwei und drei.

"Ich glaube, ein Doppelpack gelingt mir in meiner Karriere nicht mehr so oft. Es kamen natürlich einige SMS aus der Heimat, in denen es unter anderem hieß, 'du avancierst noch zum Torjäger'. Es wurde mit Spaß betitelt. Ich war natürlich sehr glücklich, wie das Ganze gelaufen ist", sagte Leibold dem NDR.

Hamburger Mittelfeld in Gala-Form

Der Schachzug von Trainer Daniel Thioune, den etatmäßigen Linksverteidiger ins Mittelfeld zu beordern, ging perfekt auf. "Wer Tim kennt, weiß, dass er ordentliche Qualitäten am Spielgerät besitzt, was sein Passspiel betrifft, den ersten Kontakt und auch seine Torabschlüsse", sagte der Coach. In vorgezogener Position hatte Leibold durch seine Ballsicherheit großen Anteil daran, dass der HSV im Mittelfeld ein großes Übergewicht hatte. Die Hamburger Kreativabteilung um die ebenfalls restlos überzeugenden Hunt, Sonny Kittel und Amadou Onana kombinierte sich ein ums andere Mal in den Heidenheimer Strafraum.

Und weil das Quartett nicht nur zauberte, sondern auch konzentriert gegen den Ball arbeitete, blieb Heidenheims Offensive mit ganz wenigen Ausnahmen stumpf. Keeper Sven Ulreich, der im Hinrunden-Duell (2:3) noch böse gepatzt hatte, wurde von den Gästen nicht ernsthaft geprüft.

Thioune lobt Arbeit gegen den Ball

Heidenheims Harmlosigkeit war ein Resultat eines Hamburger Auftritts, mit dem in dieser Form vor einigen Wochen nicht zu rechnen war. Nach dem 0:1 am 1. März im Stadtduell beim FC St. Pauli inklusive Roter Karte für Leibold deutete einiges darauf hin, dass dem HSV auch in seiner dritten Zweitliga-Saison im Aufstiegs-Endspurt die Luft ausgehen würde. Aber bereits zu diesem Zeitpunkt wurde Thioune nicht müde zu betonen, dass er seine Mannschaft auf dem richtigen Weg sieht. Drei Partien später darf sich der 46-Jährige mit dieser Einschätzung bestätigt fühlen.

"Wir haben gezeigt, dass wir in vielen Bereichen da weitergemacht haben, wo wir in Bochum aufgehört haben. Ein großes Lob muss ich in Bezug auf die Arbeit gegen den Ball aussprechen, das sah richtig gut aus. Zusätzlich haben wir die Ballqualität wieder erhöht und das Spiel dominiert", resümierte Thioune zufrieden.

Formkurve, Restprogramm und Kader sprechen für HSV

Nach sieben Punkten aus den vergangenen drei Partien sind die Hamburger wieder auf Aufstiegskurs. In den verbleibenden acht Begegnungen wartet am 21. April mit dem Karlsruher SC lediglich noch ein Spitzenteam auf den HSV. Das Restprogramm, die Formkurve sowie die Tiefe im Kader (gegen Heidenheim fehlten fünf potenzielle Stammkräfte) sprechen dafür, dass die Thioune-Equipe im dritten Anlauf die Bundesliga-Rückkehr schafft. Mit den (rosigen) Zukunftsaussichten wollte sich der Trainer nach dem Duell mit dem FCH aber nicht beschäftigen.

"Kurz durchschnaufen, und dann geht es weiter", kündigte Thioune mit Blick auf die kommende Partie nach der Länderspiel-Pause am 4. April bei Hannover 96 an. Er weiß nach den Hochs und Tiefs dieser Saison nur allzu gut, dass seine Mannschaft eine kleine Wundertüte ist. Oder um es mit einem Hit von Schlagerbarde Roberto Blanco zu sagen (oder zu singen): "Heute so, morgen so."

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 21.03.2021 | 22:50 Uhr

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