Stand: 06.09.2018 09:25 Uhr  | Archiv

Altona 93: 125 Jahre alt und immer noch Kult

von Utz Rehbein, NDR.de

Der Altonaer Fußball-Club von 1893 e.V. feiert in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen. Der Verein hat in seiner langen Geschichte einen Abstieg von der nationalen Spitze in die Bedeutungslosigkeit erlebt - und trägt sein Los mit Würde. Zunehmend wird er zum Rückzugsort für Kommerzialisierungsgegner.

Arm, alt ... und sexy: Für einen der vielen einst großen Clubs, die in die unteren Ligen abtauchten, hat der Hamburger Oberligist Altona 93 ein ungewöhnlich cooles Image. Neben der üblichen örtlichen Gefolgschaft von Amateursport-Enthusiasten und Mecker-Rentnern zieht der Verein seit längerem auch die linken Hardcorefans an, denen ihr einst geliebter FC St. Pauli zu kommerziell geworden ist. Zum Ambiente, in dem sich die Szene sonntagnachmittags wohlfühlt, gehören neben Bier und Bratwurst die marode Tribüne aus dem Jahr 1958, grasbewucherte Stehtraversen und windschiefe Stützlehnen. Hier an der Griegstraße gilt noch die reine Lehre vom aufrechten Amateursport.

Zweitältester Sportplatz Deutschlands

Eine nostalgische Melancholie umweht diesen zweitältesten noch genutzten Sportplatz Deutschlands, der zu Nazizeiten die Bezeichnung Kampfbahn erhielt. Hier werden im kommenden Jahrzehnt 300 Wohneinheiten entstehen, nachdem Altona 93 sein Gelände 2007 für 11,25 Millionen Euro an den Altonaer Spar- und Bauverein eG und die Behrendt Wohnungsbau GmbH verkaufte. Eigentlich sollte das Gelände schon 2016 besenrein übergeben sein, aber Neubau und Umzug gestalteten sich angesichts der Altonaer Großbauprojekte - Stichworte Neue Mitte und Fernbahnhof-Verlegung - schwierig. Nun wird die neue Heimat der Ligamannschaft an der Memellandallee geplant. 2.999 Zuschauer sollen hineinpassen, und kein einziger mehr, weil sonst teure Sicherheitsbestimmungen greifen würden. 2027 endet das Nutzungsrecht der Adolf-Jäger-Kampfbahn.

Bis zu 27.000 Fans an der Griegstraße

Damit wäre der Club platzmäßig auf eine Dimension geschrumpft, die seiner Bedeutung entspricht. In den vergangenen Jahren bewegte sich die Ligamannschaft zwischen viert- und fünfthöchster Spielklasse in Deutschland. Alten Fans wird da wehmütig ums Herz. Altona 93 gehörte mal zur nationalen Fußball-Elite. Den Rekordbesuch verzeichnete die 1908 an der damaligen Brahmsstraße eingeweihte Adolf-Jäger-Kampfbahn 1953, als nicht weniger als 27.000 Besucher ein 1:4 gegen den Stadtrivalen Hamburger SV erlebten. Damals, in der Nachkriegszeit, war der große Nachbar vom Rothenbaum sportlich noch in Schlagdistanz. Vor dem Krieg, in Kaiser- und Weimarer Zeiten, hatte es sogar noch besser ausgesehen - der AFC hatte auf Nord-Ebene zuweilen deutlich die Nase vorn.

Dieses Thema im Programm:

Sportplatz | 29.06.2018 | 16:30 Uhr