Stand: 21.06.2012 16:36 Uhr  | Archiv

Ibrahim Sunday: Nur 45 Minuten Bundesliga

Mannschaftsfoto von Werder Bremen für die Saison 1976. © imago/Schumann Foto: Schumann
Ibrahim Sunday (vordere Reihe, 2.v.r.) mit der Mannschaft von Werder Bremen zur Bundesligasaison 1976/77.

Am 12. Juni 1976 schreibt Werder Bremen Bundesligageschichte. Mit Ibrahim Sunday kommt in der Partie bei Rot-Weiss Essen erstmals ein Afrikaner zum Einsatz. Der 25-Jährige wird von Trainer Otto Rehhagel am 34. Spieltag der Saison in der 46. Minute eingewechselt. Doch die Freude des Mittelfeldspielers hält sich in Grenzen: "Ich hätte glücklich sein sollen, ich weiß. Aber ich war leer, zermürbt nach diesem einsamen Jahr in Bremen. Und was sind 45 Minuten gegen Essen für jemanden, der die afrikanische Champions League gewonnen hat? Der Afrikas Fußballer des Jahres gewesen ist?"

"Ich habe zu Recht auf der Bank gesessen"

Vor seinem Wechsel nach Deutschland war Sunday afrikanischer Champions-League-Sieger mit seinem Club Asante Kotoko. In Bremen hingegen ist sein Spiel kaputt, wie er sagt. "Du kannst nicht mit gebrochenem Herzen spielen, nicht als Nummer zehn. Das schafft der stärkste Fußballer der Welt nicht." Einsam fühlt er sich, obwohl er sich mit Klaus Matischak eine Wohnung teilt. Das Heimweh nach Ghana ist groß. Dennoch beklagt Sunday sein Reservistendasein auf der Bank nicht: "Ich habe dort oft zu Recht gesessen", sagt er in der Rückschau. In der Saison 1976/1977 darf er einmal im DFB-Pokal ran: Im Erstrundenspiel gegen Südwest Ludwigshafen ersetzt er beim Stand von 4:0 in der 72. Minute Stürmer Werner Görts. Das war's. In den zwei Jahren in Bremen kommt Sunday gerade einmal auf 63 Minuten Einsatzeit.

Mit DFB-Trainerschein zurück nach Ghana

Die Ghana-Legenden Ibrahim Sunday, Anthony Yeboah, Tony Baffoe und Sammy Kuffour (v.l.n.r.) bei einem Freundschaftsspiel 2009 in Accra. © picture-alliance / africamediaonline Foto: Emmanuel Quaye
Ibrahim Sunday (l.) mit den Ghana-Legenden Anthony Yeboah, Tony Baffoe und Sammy Kuffour (v.l.n.r.) bei einer Fußball-Gala 2009 in Accra.

Als sein Vertrag in Bremen ausläuft und nicht verlängert wird, bleibt Sunday in Deutschland: "Ich wollte nicht zurück in die Heimat - nicht ohne etwas mitzunehmen. Ich wollte einen kleinen Triumph, einen Beweis, dass ich doch etwas verstehe von Fußball. In Barsinghausen, Hennef und Köln habe ich Trainerlehrgänge besucht und nebenbei für VSK Osterholz-Scharmbeck in der Bezirksliga gekickt, als Spielertrainer. Es war eine schöne Zeit, ich schaffte die Prüfungen, und in Osterholz-Scharmbeck schätzten sie mich." 1981 kehrt Sunday schließlich als Fußballllehrer mit dem A-Schein, der höchsten DFB-Lizenz, nach Ghana zurück. Mit Asante Kotoko wird er als Trainer erneut Champions-League-Sieger und leitet später in Accra eine Fußballakademie. Sein Fazit: "Deutschland hat mich zerstört als Spieler und groß gemacht als Trainer. Ich weiß nicht: Soll ich dafür dankbar sein?"

Ibrahim Sundays einziges Bundesligaspiel im Stenogramm:

Rot-Weiss Essen - Werder Bremen 2:0 (1:0)
1:0 Bast (25.), 2:0 Lindner (63.)
Zuschauer: 12.500
Essen: Blasey - Neues, Wieczorkowski, Wörmer, Huhse - Dörre, Strauch, Burgsmüller, Lindner - Bast, Lippens
Bremen: Burdenski - Kamp, Röntved, Hiller, Müllner - Kontny, Röber (46. Sunday), Bracht, Ohling - Aslund, Görts (80. Schlief)

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 12.06.2011 | 09:25 Uhr

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