Stand: 14.11.2011 09:24 Uhr  | Archiv

Happel: Visionär, Grantler, Erfolgscoach

Als Spieler ein Star, als Trainer eine Legende: Der Wiener Ernst Happel prägte den Fußball in Europa und führte den Hamburger SV 1983 zum größten Erfolg der Club-Geschichte: dem Sieg im Europapokal der Landesmeister. Happel war als Aktiver ein Weltklasse-Verteidiger bei Rapid Wien. 51 Mal trug er das Trikot der österreichischen Nationalmannschaft und nahm an den Weltmeisterschaften 1954 und 1958 teil. Happel war unglaublich talentiert, aber seine Einstellung als Spieler entsprach nicht einmal in Ansätzen seinem Arbeitseifer als Coach. Hartes Training und Disziplin waren ihm ein Graus. Zigaretten und ein (oder auch mehrere) Gläschen Alkohol gehörten zu Happels Fußballer-Alltag. "König Lungenzug" nannte ihn rückblickend sein ehemaliger Rapid-Trainer Max Merkel.

Abschied aus Österreich 1962

Ernst Happels Karriere in Zahlen

Spieler:
1937 - 1954 und 1956 - 1959 Rapid Wien
1954 - 1956 Racing Paris
Trainer:
1959 - 1962: Rapid Wien
1962 - 1968: ADO Den Haag  
1968 - 1973: Feyenoord Rotterdam  
1973 - 1975: FC Sevilla  
1975 - 1979: FC Brügge  
1978 (WM): Nationaltrainer Niederlande  
1979 - 1981: Standard Lüttich  
1981 - 1987: Hamburger SV  
1987 - 1991: FC Tirol  
1992: Nationaltrainer Österreich
Erfolge als Spieler:
5x Österreichischer Meister
Österreichischer Pokalsieger (1946)
Erfolge als Trainer:
Europacup der Landesmeister (1970/1983)
Weltpokal-Sieger (1971)
9 x Meister / 7x Pokalsieger

Nur drei Wochen nach seinem Karriereende 1959 übernahm Happel das Traineramt bei Rapid - offiziell fungierte er als Sportdirektor - und feierte mit den Hütteldorfern 1960 seine erste Meisterschaft. Bis 1962 blieb Happel in Wien, dann ging er ins Ausland und kehrte erst 25 Jahre später in seine Heimat zurück. Zunächst arbeitete der Österreicher in den Niederlanden. Anfangs bei ADO Den Haag, dann bei Feyenoord Rotterdam. Im aufstrebenden holländischen Fußball konnte Happel ("mir ist ein 5:4 lieber als ein 1:0") seine Idee vom offensiven, attraktiven Fußball entwickeln. Am 6. Mai 1970 hielt der Erfolgstrainer erstmals den Landesmeister-Pokal in den Händen: Feyenoord hatte Celtic Glasgow in Mailand mit 2:1 besiegt. Nach einem glücklosen Engagement beim FC Sevilla (1973 bis 1975) setzte der Österreicher in den Beneluxstaaten seine Erfolgsserie fort. Mit dem FC Brügge wurde Happel dreimal in Folge belgischer Meister (1976 bis 1978). "Nebenbei" führte er die niederländische Nationalmannschaft 1978 zur Vize-Weltmeisterschaft. Im Sommer 1981 wechselte der Coach von Standard Lüttich zum Hamburger SV.

Der HSV als Gegenentwurf zur Nationalmannschaft

Der Jugoslawe Branco Zebec hatte in der Hansestadt eine starke Mannschaft geformt, Happel machte sie zu einem der besten Teams aller Zeiten in der Bundesliga. Die Hamburger spielten das von Happel entwickelte Pressing, deckten im Raum (Happel: "Spielt man Manndeckung, dann hat man elf Esel auf dem Platz.") mit einer perfekt funktionieren Abseitsfalle und begeisterten mit ihrem Offensiv-Fußball die Massen. In Happels erstem Trainerjahr stürmte der HSV durch die Bundesliga, erzielte sagenhafte 95 Treffer und blieb zwischen Januar 1982 und Januar 1983 in 36 Partien ungeschlagen (bis heute Bundesliga-Rekord). Der Meisterschaft 1982 folgte die Titelverteidigung zwölf Monate später. Am 25. Mai 1983 besiegte der Hamburger SV im Europacup-Finale Juventus Turin (1:0.) - dank einer taktischen Meisterleistung Happels. Die Hamburger spielten modern, kreativ und waren damit auch ein Gegenentwurf zur biederen deutschen Nationalmannschaft unter Jupp Derwall. Obwohl der Hamburger SV die Liga beherrschte, hatten seine Spieler einen schweren Stand beim Bundestrainer. Doch laut Kapitän Horst Hrubesch weckte die Nationalmannschaft damals bei den Hanseaten ohnehin nur geringes Interesse: "Von Jupps Truppe spricht bei uns niemand", so der Mittelstürmer.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 29.09.2012 | 22:00 Uhr

Mehr Fußball-Meldungen

Oldenburgs Marten-Heiko Schmidt, Rafael Brand und Robert Zietarski (v.l.) bejubeln einen Treffer. © IMAGO / Nordphoto

VfL Oldenburg vor den Drittliga-Play-offs: "Alles ist drin"

Der Meister der Regionalliga Nord sieht sich gegen den favorisierten BFC Dynamo aus Berlin nicht chancenlos. Der NDR überträgt live. mehr