Sonja Beißwenger © Micha Neugebauer Foto: Micha Neugebauer

Blaue Stunde 1: New York

Stand: 09.07.2021 12:00 Uhr

Im Zentrum der Blauen Stunde 1 steht die Stadt New York, mit all den verschiedenen künstlerischen Perspektiven, die diese multikulturelle Metropole zu bieten hat.

New York ist der Inbegriff einer pulsierenden Metropole, eines Schmelztiegels der Künste und Kulturen. Ein höchst lebendiges und ergiebiges Thema also für eine Blaue Stunde. Ausgehend von New York wurden und werden neue Musikrichtungen und -stile entwickelt. Dazu gehört die Minimal Music eines Steve Reich ebenso wie die elegant zwischen Genres changierende Musik von Paul Schoenfield. New Yorker Impulse verarbeitet auch das Stück "Kontraste" von Bartók, der 1940 als ungarischer Emigrant in der Stadt ankam.

Blaue Stunde 1
Di, 12.10.2021 | 20 Uhr
Mi, 13.10.2021 | 18 Uhr
Sprengel Museum Hannover, Calder-Saal (Kurt-Schwitters-Platz)

Mariya Krasnyuk Violine
Nikolai Schneider Violoncello
Susanne Geuer Klarinette
Isabel von Bernstorff Klavier
Sonja Beißwenger Textlesungen

New York

Béla Bartók
Kontraste
für Violine, Klarinette und Klavier Sz 111
Steve Reich
New York Counterpoint
Paul Schoenfield
Cafe Music
für Violine, Violoncello und Klavier

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Für Benny Goodman persönlich

Noch in Budapest erreichte Bartók 1938 ein Auftrag des amerikanischen Jazz-Klarinettisten Benny Goodman: Ein Trio mit zwei Sätzen und viel ungarischem Kolorit. Nicht länger als acht Minuten sollte es bitte sein. Denn so viel passte damals auf eine 78er-Schallplatte. Doch Bartók lieferte mit "Kontraste" mehr: drei Sätze, konzipiert als komplexe kontroverse Zwiegespräche zwischen Klarinette und Violine mit Klavier. Das Werk umfasste fast 20 Minuten Gesamtdauer. Außerdem mischte er in die osteuropäischen Anklänge auch Jazziges. "Kontraste" war das erste Stück, mit dem sich Bartók nach seiner Emigration im New Yorker Musikleben vorstellte.

Am Puls von Manhattan

Die "pochenden Schwingungen Manhattans" einzufangen, das war die Intention von Steve Reich, als er 1985 "New York Counterpoint" kreierte. Bei der Aufführung wird die live gespielte Klarinettenstimme von ihren eigenen Klängen, die vom vorproduzierten Tape kommen, kontrapunktiert. Ein Dialog mit sich selbst im eingängigen Minimal-Music-Sound, der durch Repetition und kleinste Verschiebungen größte Einfachheit in eine faszinierende Vielfalt auffächert.

"Café-Music" - schmissig, mit Tiefgang

Paul Schoenfield, geboren 1947 in Detroit, lebt in den USA und in Israel. Die Idee zu seiner "Café Music" kam ihm 1985 im Restaurant. Dort solle sie auch gespielt werden, wobei ihm eine Aufführung im Konzertsaal auch recht sei. 

"Das Werk … greift auf verschiedenartige Typen von Musik zurück. Zum Beispiel frühes amerikanisches 20. Jahrhundert, Wienerisches, leichte Klassik, Gypsy, Broadway-Stile. Eine Paraphrase einer wunderschönen chassidischen Melodie ist im zweiten Satz enthalten." Paul Schoenfield

Dieses schmissig-virtuose Stück unterhält und berührt mit Witz, leichter Ironie und Melancholie im besten und tiefsten Sinne - und lässt diese Blaue Stunde mit viel New Yorker Spirit enden.

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