Das Gespräch

Gast: Thomas Kerstan

Samstag, 11. August 2018, 18:00 bis 18:30 Uhr

Thomas Kerstan © Thomas Kerstan

Thomas Kerstan im Gespräch

NDR Kultur - Das Gespräch -

Sollten Abiturienten den "Faust" kennen? Ja, meint Bildungsexperte Thomas Kerstan und hat einen "Kanon für das 21. Jahrhundert" verfasst. Auf NDR Kultur spricht er darüber.

3,75 bei 4 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download
Bild vergrößern
Thomas Kerstans "Was unsere Kinder wissen müssen. Ein Kanon für das 21. Jahrhundert" ist in der Edition Körber erschienen und kostet 20 Euro.

So ein Kanon kann eine Zumutung sein: Legt er doch aus der luftigen Höhe des Expertentums fest, was einer können soll, gelesen haben muss, gehört, gesehen, verstanden - und tut dabei so, als wisse er haargenau, was in zehn oder 50 Jahren noch Bedeutung hat. Goethes "Faust" zum Beispiel: Ja, das Drama steht im Zentrum einer deutschen Identität, ja, vieles von dem, was Menschen unseres Kulturkreises über die Liebe, das Gute, die Jugend, den Teufel und das Alter wissen, beruht darauf - aber kann man wirklich nach 200 Jahren noch sagen, wer hierzulande Abitur macht und den "Faust" nicht gelesen hat, der solle sich was schämen?

Von der Doppelhelix bis zu Chuck Berry

Thomas Kerstan tut es. Der Bildungsexperte der Wochenzeitung "Die Zeit" hat mehr als 20 Jahre Erfahrung im Umgang mit Bildungsforschung, Bildungspolitik und Bildungspraxis zusammengefasst in einer Liste mit 100 Positionen, die in seinen Augen den Grundstock von Bildung definieren. Der große Gelehrte Wilhelm von Humboldt stand Pate, aber auf der Liste stehen auch Alice Schwarzer und die Doppelhelix, die "Venus" von Botticelli und der Rock’n'Roll von Chuck Berry sowie die "Sendung mit der Maus".

"Was unsere Kinder wissen müssen", heißt Kerstans soeben erschienenes Buch - "ein Kanon für das 21. Jahrhundert". Der Autor versteht seine Sammlung als Diskussionsvorlage - auf den Widerspruch wartet er schon. Im Gespräch mit Martin Tschechne erläutert Kerstan, warum nach seiner Auffassung viel mehr Naturwissenschaften und Mathematik zum Kanon des Wissens für unsere Zeit gehören, welche Rolle die Handschrift noch spielt und weshalb auch Filme, Fernsehserien und Computerspiele auf seiner Liste stehen.