Stand: 04.03.2020 16:36 Uhr

Friedhelm Ptok liest Voltaire

Am Abend vorgelesen: "Über die Toleranz"

Voltaire ist der berühmteste Schriftsteller aus der Epoche, die man bei uns die "Aufklärung" nennt: "der Mann, der einst Europa war", wie Dieter Hildebrandt ihn genannt hat. Aber Voltaire ist auch der Inbegriff des französischen Schriftstellers, gemäß Goethes Satz, "in Voltaire sei der höchste unter den Franzosen denkbare, der Nation gemäßeste Schriftsteller entstanden".

Porträt von Voltaire © imago
Voltaire hat ein ganzes Zeitalter als Agent der Aufklärung geprägt.
Genie der Allgegenwart

Das Leben des Mannes, der eigentlich François-Marie Arouet hieß und 1693 geboren wurde, war abenteuerlich, seine Tätigkeit universal, seine Wirkung immens und kaum messbar. Er hat ein ganzes Zeitalter geprägt als Agent der Aufklärung, der gegen Aberglauben und soziale Missstände, Heuchelei und Engstirnigkeit, gegen den Bruch des Rechtes zu Feld zog, bewaffnet allein mit seiner Feder.

Später wurde er der Ratgeber von Königen. Friedrich der Große zog ihn an seinen Hof, doch der Aufenthalt in Potsdam wurde für Voltaire eine bittere Lektion. Damals war er schon alles geworden, was man schreibend werden kann: Philosoph, Dramatiker, Pamphletist, Naturforscher, ein weitverzweigter Briefschreiber, dann aber auch Kaufmann, Schiffsunternehmer, Diplomat in hochpolitischen Missionen, der eleganteste aller Spione. Voltaire war ein Genie der Allgegenwart - das will im 18. Jahrhundert mit seiner langsamen Nachrichtenübermittlung Außergewöhnliches bedeuten. Er war seiner Zeit nicht voraus, aber er war überall in ihr, intensiver als irgendein anderer nahm er an ihr teil.

Vorkämpfer der Toleranz-Idee

Vor allem war er ein Vorkämpfer der Toleranz-Idee, und so soll hier aus seinem gewaltigen Werk ein Auszug aus seiner Schrift "Über die Toleranz" zu hören sein, die eigentlich eine Streitschrift war, veranlasst durch einen damals, dank Voltaire, vieldiskutierten Justizskandal, die Hinrichtung des Handelsmannes Jean Calas in Toulouse 1762. Voltaire ließ diesem Opfer der Justiz posthum Gerechtigkeit zuteil werden, aber der "Traktat über die Toleranz" wurde mit seiner rhetorischen Emphase zu einem Markstein der Aufklärungsliteratur. Hanjo Kesting hat aus dieser fast 200 Seiten langen Schrift die zentralen Passagen für diese Lesung zusammengestellt. Der Sprecher ist Friedhelm Ptok.

Die Lesung steht nach der Ausstrahlung für sieben Tage - von 22 Uhr bis 22 Uhr des Folgetages - zum Nachhören bereit.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Am Abend vorgelesen | 06.03.2020 | 22:00 Uhr

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