Stand: 05.04.2018 11:19 Uhr

Herbert von Karajan - der Dirigent

Kaum ein anderer klassischer Musiker war in Deutschland so populär, aber auch so umstritten wie Herbert von Karajan. Für viele gilt er noch heute als größter Dirigent aller Zeiten; andere kritisieren ihn als eitel und überschätzt. Am 5. April jährt sich nun sein Geburtstag zum 110. Mal. Erinnerungen an den österreichischen Maestro.

"Was mir zutiefst notwendig ist: die Freude am Schönen, die Freude an der Harmonie und das Glauben an eine positive Einstellung der Welt." Musik war für Herbert von Karajan vor allem ein Ausdruck des Guten und Schönen. Mit dieser Haltung und diesem Klangideal traf er nach dem Zweiten Weltkrieg ein elementares Bedürfnis der Menschen nach einer heileren Welt. Auch deshalb erlebten ihn so viele Hörer als Lichtgestalt des Vergessens.

Ein Leben in Bildern

Karajan: Machtmensch mit Willen zum Erfolg

Die steile Karriere des hochbegabten Musikers begann beim Mozarteumorchester seiner Heimatstadt Salzburg und führte ihn 1935 als jüngsten Generalmusikdirektor Deutschlands nach Aachen. Dass Karajan nicht erst für diesen Posten in die NSDAP eintrat und die Mitgliedschaft später vertuschte und verharmloste, gehört zu den unangenehmen Seiten seiner Persönlichkeit.

Durch Orchester-Notlage zum Chefdirigent bei Berliner Philharmonikern

Der charismatische Machtmensch Herbert von Karajan trieb seine Karriere gezielt voran. Nach dem Tod des Chefdirigenten Wilhelm Furtwängler nutzte er die dadurch entstandene Notlage der Berliner Philharmoniker geschickt aus, um sich dauerhaft beim besten deutschen Orchester zu installieren. Er übernahm die Leitung der Amerika-Tournee unter der Bedingung, dass ihn das Orchester auf Lebenszeit als Chefdirigent verpflichten würde.

Von Berlin aus zu Weltruhm: Als "Klangmagier" verehrt

Der Posten bei den Berliner Philharmonikern war der Ausgangspunkt für Karajans Weltruhm. Er dirigierte bei den bedeutendsten Orchestern, leitete die Salzburger Festspiele und die Wiener Staatsoper und prägte das Zeitalter der Schallplatte mit rund 800 Aufnahmen. Seine Einspielung von Wagners "Ring des Nibelungen" galt als Sensation und setzte ebenso Maßstäbe wie seine drei Gesamtaufnahmen aller Beethoven-Sinfonien. Der runde, absolut homogen gemischte Orchesterklang war sein Markenzeichen. Deshalb verehrten ihn die Fans als Klangmagier - und Kritiker empfanden vor allem die späteren Produktionen oft als zu glatt und schön, um wahr zu sein.

Herrisches Gebaren führte zum Bruch mit Philharmonikern

Die Perfektion passte zur äußeren Erscheinung Karajans, der sich selbst als silberhaariger Pultstar inszenierte und immer mehr Kontrolle an sich riss - etwa als sein eigener Opernregisseur und -beleuchter und mit peniblen Vorgaben bezüglich der Klangtechnik. Das herrische Gebaren führte auch zum Bruch mit den Berliner Philharmonikern und ließ Karajan in den letzten Jahren zusehends einsamer werden. Privat erholte sich der begeisterte Porschefahrer und Flugpilot, der dreimal verheiratet war, am liebsten in den Bergen: "Ich kann eine Stunde lang einem Falken zuschauen, wie der sich in Harmonie setzt mit den Strömungen, die ihn umgeben. Das ist dasselbe, was Sie trägt bei einem Orchester, das harmonisch mit Ihnen fühlt."

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Karajan in der Digital Concert Hall

Aufnahmen des legendären Unitel-Katalogs von Herbert von Karajan mit den Berliner Philharmoniker sind auf der Seite der Philharmoniker in High Definition zu erleben. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 05.04.2018 | 06:40 Uhr