Stand: 04.07.2018 20:00 Uhr

Habeck: Literat, Politiker und Familienvater

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Er will freiwillig seinen Traumjob aufgeben. Vorsitzender der Grünen statt Minister in Kiel - das ist Robert Habecks Plan.

Robert Habeck hat einen Traum. Er handelt von der optimalen Gesellschaft, von Gemeinsinn und Zusammenhalt. Und der Kraft des Wortes. In dieser Idealwelt agieren Literaten und Philosophen als die "besseren" Politiker. So wie einst Václav Havel - Schriftsteller, Bürgerrechtler und in den 90er-Jahren Präsident der damaligen Tschechoslowakei. Der sei immer eine Art moralische Instanz gewesen, sagt Habeck.

Václav Havel als politisches Idol

Habeck eifert seinem Rollenideal Havel nach: diskursverliebt, argumentationsstark, wortgewandt, clever, charmant. Das hat dem 1969 Geborenen das Etikett des "Freigeistes" und "Querdenkers" beschert. Er selbst sagt, es sei besser, sich mal zurückzunehmen, statt alles besser zu wissen. Das nehme Menschen stärker mit und führe viel stärker zu den Entschlüssen und Entscheidungen, die er anstrebe, meint Habeck. "Wenn Macht so verstanden wird, ist sie notwendiges Mittel zum Zweck und kein unwillkommenes."

Seit 2012 "Draußenminister"

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Habeck hat das politische Profil seiner Partei erweitert.

Habecks Lebenslauf scheint diese Einstellung zu bestätigen. Er gilt als Senkrechtstarter bei den Nord-Grünen. Fünf Jahre (2004 bis 2009) ist er deren Landesvorsitzender. Vier Jahre später kandidiert er jedoch vergeblich für den Bundesvorsitz der Grünen. 2012 wird er stellvertretender Ministerpräsident und Umweltminister in Schleswig-Holstein - "Draußenminister", wie er sich selbst auf seiner Homepage nennt und "Politiker mit Haut und Haar". In seiner Zeit als Grüner hat er das programmatisches Profil der Partei erweitert, den Generationswechsel ihres politischen Personals beschleunigt und sie in der Mitte des Parteienspektrums justiert. Eine Bilanz, die Niederlagen verblassen lässt und Selbstzweifel vergessen macht. "Ich kann mich erinnern, dass ich als Beisitzer für den Bundesvorstand der Grünen kandidiert habe und - völlig überraschend für mich - nicht gewählt wurde. Da musste ich richtig lange dran knabbern."

Zeit des Herzblutens noch nicht da

Habeck ist gerne Berufspolitiker. "Robert braucht einen größeren Kampfplatz als unseren Schreibtisch", sagt seine Frau Andrea Paluch NDR 1 Welle Nord. Mit ihr hat der promovierte Geisteswissenschaftler nach dem Studium der Germanistik, Philosophie und Philologie in Freiburg im Breisgau mehrere Romane und Kinderbücher geschrieben, bevor er in die Politik wechselte. Das Paar hat vier gemeinsame Söhne und lebt in einem Dorf an der dänischen Grenze. Über private Nebenwirkungen eines Wechsels von Kiel nach Berlin mag Habeck, dessen vier Söhne mit "aus dem Gröbsten" raus sind, noch nicht recht sprechen. "Die Zeit des Herzblutens ist noch nicht gekommen."

Wandern und kein Handy in Sicht

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In seiner Freizeit wandert der Minister gern.

Gestern Autor und Minister und heute Vorsitzender der Grünen. Privat will er jedenfalls hin und wieder die Gelegenheit nutzen, mit seiner Familie wandern zu gehen. Dabei kommt der Minister runter vom Stress der Politik. "Das Entspannendste ist, nach drei Stunden Wanderung in der Sonne zu liegen, das Handy weit wegzulegen und gar nichts zu tun", sagt er.

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Das reizt Habeck am Grünen-Parteivorsitz

Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck möchte Bundesvorsitzender der Grünen werden. In einer Pressekonferenz im Kieler Landeshaus hat er seine Beweggründe erläutert. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 10.12.2017 | 15:00 Uhr

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