Stand: 13.05.2014 15:30 Uhr  | Archiv

"Krautreporter": Online-Journalismus neu denken

Wie lässt sich guter Journalismus im Internet finanzieren? Ein Team von Reportern will beweisen, dass bisher einzig ein gutes Konzept fehlt - und den großen Verlagen zeigen, wie es richtig geht. Dafür wollen die Journalisten 900.000 Euro von ihren künftigen Lesern einsammeln. Einer der "Krautreporter" ist der Journalist Stefan Niggemeier.

"Krautreporter", ein Magazin, das nicht nur auf Klickzahlen zielt und die Qualität nach ganz vorne stellt - finanziert von den Lesern. Kann das funktionieren?

Stefan Niggemeier: Wir glauben schon. Es ist ein Versuch, den es so in dieser Größe in Deutschland noch nicht gegeben hat. Wir versuchen ein leserfinanziertes Online-Magazin aufzubauen und verzichten ganz auf Werbung. Wir brauchen dafür aber insgesamt 15.000 Menschen, die jeweils 60 Euro für unser Angebot bezahlen. Das reicht dann für ein Jahr. Ich hoffe, dass es funktioniert - aber ehrlich gesagt: Das weiß natürlich niemand.

Sie ziehen den Vergleich zu der viel gelobten US-Serie "True Detective", bei der Macher und Sender nicht unbedingt auf Top-Quoten, dafür aber auf Qualität gesetzt haben...

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Stefan Niggemeier, Medienjournalist und BILDblog Mitgründer will mit knapp 30 Kolleginnen und Kollegen die Zukunft des Online-Journalismus verändern.

Niggemeier: Genau. Man sieht an vielen Stellen im Online-Journalismus, dass es ein Problem ist, wenn er zu sehr davon getrieben ist, hohe Klickzahlen zu produzieren. Das muss er, weil er zum großen Teil werbefinanziert ist und die Werbung Online wirklich schlecht bezahlt ist. Das führt dann dazu, dass viele Medien damit beschäftigt sind, um die Aufmerksamkeit der Leser zu buhlen: Klick hier nochmal hin, da ist was Tolles, hier ist was Aufregendes! Das ist eine Optimierung, die in der ökonomischen Logik zwingend ist, die aber nicht dazu führt, dass wir besser informiert werden. Es lohnt sich für diese Seiten, Geschichten aufzubauschen, immer eine Spur interessanter zu erzählen als die Konkurrenz - und dann auch zu übertreiben. Um aus dieser Logik herauszukommen und eine Alternative zu schaffen, haben wir gesagt, wir starten jetzt diesen Versuch, uns nur von unseren Lesern abhängig zu machen, die uns direkt bezahlen. So dass wir uns erlauben können, ausgeruht auf die Dinge zu schauen und nicht danach zu buhlen, dass die Leute von Google zu uns gespült werden.

Wie kommt es zu dem Namen "Krautreporter"?

Niggemeier: Kraut ist eine Anspielung auf das englische Wort "Crowd", die Masse. Crowdfunding ist das Prinzip, mit dem wir versuchen das Geld zusammenzukriegen. Wir wollen 15.000 Mitglieder finden, die in guten Journalismus investieren.

Wie setzt sich die Redaktion zusammen?

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Die Journalistinnen und Journalisten von "Krautreporter".

Niggemeier: Wir haben jetzt knapp 30 Leute. Das sind ganz unterschiedliche Journalistinnen und Journalisten, die alle gestandene, erfahrene und oft auch preisgekrönte Journalisten sind, von denen viele in etablierten Redaktionen gearbeitet haben. Bei manchen gibt es einen sehr konkreten Frust darüber, wie die Zusammenarbeit mit den Redaktionen ist und wie da auch aus Geld-, Zeit-, und Interessenmangel ein bisschen die Sitten verkommen sind. Andere sagen einfach, das ist ein spannendes Projekt, und sie wollen mitmachen. Es gibt eine breite Vielfalt von unterschiedlichen Themen und Interessen. Es wird keine klassischen Ressorts geben, wir werden einfach schauen, was passiert, wenn knapp 30 gute Leute sich da reinstürzen. Da sind so viele spannende Leute dabei, dass es eigentlich nur gut werden kann.

Das Gespräch führte Philipp Cavert

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 13.05.2014 | 18:20 Uhr

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