Stand: 13.06.2018 08:40 Uhr

Cebit: Es ist so schwer, gutes Personal zu finden

Ganz entspannt sehen sie aus, die heiß umworbenen Fachkräfte (von links): René und Carmen Mermet sowie Aljoscha Thielen.

Sie sind die Rohdiamanten des 21. Jahrhundert - und die meisten von ihnen sind sich ihres Wertes durchaus bewusst: IT-Fachkräfte werden von vielen Unternehmen und Behörden verzweifelt gesucht. 42 Prozent der Unternehmen sehen einer Studie des Branchenverbands Bitkom zufolge fehlende Fachkräfte als Problem beim Einsatz neuer Technik an. Auf der Cebit ist Job und Karriere ein großer Bereich mit vielen prominenten Ausstellern gewidmet, und nicht zuletzt ist die viel diskutierte Neukonzeption der Messe auch ein Versuch, Hochschulabsolventen und Berufsanfänger wieder verstärkt nach Hannover zu locken. Die große Frage lautet dann: Welches Unternehmen hat die besten Karten beim Nachwuchs?

Jan Starkebaum berichtet von der Cebit.

Cebit: Halbzeitbilanz für das neue Konzept

Hallo Niedersachsen -

Jünger, kreativer und hipper sollte die "neue" Cebit sein. Ist das gelungen? Jan Starkebaum hat sich auf dem Messegelände umgehört.

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Eine komfortable Situation selbst für Berufsanfänger

Mehr als 50.000 Jobs sind in der IT-Branche laut Bitkom unbesetzt. Für Carmen Mermet und Aljoscha Thielen ist das eine überaus komfortable Situation: Die beiden gelernten Software-Entwickler wissen um die Attraktivität ihres Job-Titels. "Als ich meine Ausbildung beendet hatte, wollte ich zu einem anderen Unternehmen wechseln", sagte die 24-jährige Carmen Mermet im Gespräch mit NDR.de. "Da habe ich zehn Kilometer rund um meinen Wohnort mehr als 150 Stellen gefunden." Inzwischen arbeitet die Fachinformatikerin bei einem Hersteller von Augenimplantaten in ihrer Heimatregion zwischen Köln und Bonn. Und weiß ihre berufliche Lage sehr zu schätzen: "Die Konditionen sind schon echt gut, nicht nur finanziell", sagte sie. "Auch die Zahl der Urlaubstage ist hoch, und für eine junge Fachkraft ist der Zugriff auf einen Dienstwagen auch nicht normal. Da merkt man dann schon, dass man gefragt ist."

Unterwegs im Fachkräfte-Mekka Cebit

Auch Aldi, Audi und Hugo Boss brauchen IT-Fachkräfte

Auch Aljoscha Thielen ist fest angestellt. Der 25-Jährige arbeitet bei einem Unternehmen, das Software für Datenbank vertreibt. Er ist nicht aktiv auf Jobsuche, findet es aber schon spannend, welche Unternehmen sich auf der Cebit präsentieren: "Dass auch Hugo Boss oder New Yorker um IT-Fachkräfte werben, hätte ich nicht gedacht." Knapp 60 Unternehmen werfen in Halle 27 bei "job&career" ihre Angeln aus - von BASF und Bayer über Audi, Lufthansa und Daimler bis hin zu Vodafone und ProSiebenSat1. Neben den Großunternehmen mit meist futuristischen Ständen gibt es auch staatliche Anbieter mit eher biederem Auftritt, die aber umso dringenderen Bedarf an Programmierern, Web-Entwicklern und anderen IT-Profis haben: Bundeswehr, Bundesnachrichtendienst und das Bundesamt für Verfassungsschutz sind "Premiumpartner" der Messe. Und auch andere Behörden buhlen um die Nerds von morgen.

Programmieren für Bundeswehr und Nachrichtendienst?

"Natürlich ist das Gehalt bei uns nicht vergleichbar mit der Privatwirtschaft", sagt Isabel Matheis, die als zivile Mitarbeiterin den Bundeswehr-Auftritt verantwortet. "Aber wir bieten einen sicheren, spannenden Arbeitsplatz, im Zweifel ein bezahltes Studium und weitere Vorteile." Dass man auch als ziviler Mitarbeiter zu Auslandseinsätzen bereit sein sollte, ist allerdings eine Hürde, die manchem zu hoch ist. Genau wie die Auflage des Bundesnachrichtendienstes, nicht über Inhalte des Jobs zu reden. Diskretion gehöre eben zu dem Berufsbild, sagte ein Mitarbeiter, dessen Name nicht genannt werden darf, im Gespräch mit NDR.de. Dafür biete man umgekehrt viele reizvolle Aufgaben für ITler, etwa die Recherche in ausländischen Netzwerken. Auch für Hobbies und Privatleben habe man neben der Arbeit noch Zeit, was in manchem Konzern nicht unbedingt der Fall sei.

"Im Verborgenen Gutes tun", das verspricht der Verfassungsschutz Informatik-Experten.
1.300 Jobs im IT-Bereich allein auf Cebit-Portal

Mehr als 1.300 Jobs lassen sich auf dem zugehörigen Portal der Cebit finden, vom "Systemingenieur" über den "Cloud Architect" bis hin zum "Mobile Developer". Die Idee: Bewerber können zu Hause in Ruhe stöbern, bewerben sich dann online und können auf der Messe direkt mit mehreren Unternehmen Gespräche führen. "Das machen wir schon seit vielen Jahren sehr erfolgreich", sagte Christoph Kuhlemann, der den Bereich als Geschäftsführer einer Tochter der Messe AG leitet. "Dass alle händeringend suchen, ist ja lange bekannt. Wir wollen hier dafür sorgen, dass die Barriere möglichst gering ist und Unternehmen und Bewerber sich beschnuppern können." Dafür organisiere man Speed-Datings, zeige möglichst konkrete Videos von Arbeitssituationen. Und biete einen Lebenslaufcheck und eine Stilberatung. Es müsse auch nicht immer beim ersten Kontakt bleiben, sagte Kuhlemann: "Wenn es perfekt passt, ziehen die Firmen hier auch direkt den Arbeitsvertrag aus der Schublade. Dann werden Nägel mit Köpfen gemacht."

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 12.06.2018 | 19:30 Uhr

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