Stand: 20.06.2016 14:38 Uhr  | Archiv

Wenn im Live-Video auf Facebook Schüsse fallen

von Nils Kinkel, NDR Info

Nachdem der Hype um das Selfie nachlässt, setzen soziale Netzwerke wie Facebook, Snapchat oder Twitter verstärkt auf die Verbreitung von Videos. Das können schöne Bilder vom Sonnenaufgang oder einer schwimmenden Ente im Park sein, manchmal aber auch ungefilterte Live-Videos von Terror und Verbrechen. Genau das hatten Kritiker bei der Einführung der neuen Funktionen befürchtet.

Ein defektes Mobiltelefon liegt am Boden © picture alliance / dpa
Den Mord am 28 Jahre alten Antonio Perkins erlebten Zuschauer via Live-Video mit. (Symbolbild)

Sechs Schüsse unterbrechen den Auftritt von Antonio Perkins. Er steht unter einem Baum und filmt sich dabei, bis seine Kamera schlagartig auf den Boden fällt. Danach ist nur noch Geschrei zu hören. Der 28-Jährige stirbt. Er war gerade dabei, seinen Freunden die schöne Nachbarschaft mit einem Live-Video zu zeigen, als die Zuschauer auf Facebook plötzlich Zeugen eines Mordes wurden. Die Polizei in Chicago wertet das Videomaterial inzwischen aus.

Attentäter nutzt Facebook während der Tat

Zwei Tage vorher streamt ein IS-Anhänger live aus dem Wohnzimmer einer Familie in einem Vorort von Paris und zeigt ein dreijähriges Kind. Die Eltern hatte der Attentäter gerade ermordet. Nachträglich kann Facebook die Videos zwar löschen, die Liveübertragung ist in beiden Fällen aber nicht rechtzeitig zu stoppen. Genauso wenig wie seinerzeit beim Mord auf den Kennedy-Attentäter Lee Harvey Oswald, als dessen Festnahme von Fernsehkameras live begleitet wurde. Der Unterschied: Facebook hat potenziell über eine Milliarde Sender und jeder Nutzer führt dabei Regie.

Ist Filter-Software die Lösung?

Eine Software, die das Problem lösen könnte, ist wohl kaum zu programmieren. Das zeigt bereits der Versuch, die Verbreitung von Videos mit Enthauptungen und Folter zu verhindern. Dies ist mit einer Bilderkennung theoretisch möglich, die auch beim Kampf gegen Kinderpornografie eingesetzt wird. Allerdings streiten die Konzerne darüber, ob sie diese Technik im Fall von Extremismus überhaupt einsetzen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 20.06.2016 | 15:38 Uhr

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