Stand: 29.11.2016 15:59 Uhr  | Archiv

Internetsicherheit: Hersteller müssen mehr tun

Nach dem mutmaßlichen Hackerangriff auf das Netz der Deutschen Telekom ermittelt die Staatsanwaltschaft - und Forderungen nach besseren Sicherheitsstandards werden lauter. Wie könnten die aussehen? Uns interessiert auch Ihre Meinung: Schreiben Sie uns unten auf dieser Seite.

Ein Kommentar von Fiete Stegers, NDR Netzwelt Redakteur

Fiete Stegers hinter Computer-Bildschirmen © NDR Foto: AR
In der digiatalisierten Welt von heute können die Hersteller die Verantwortung für Sicherheitsmaßnahmen nicht dem Verbraucher aufbürden, meint Fiete Stegers.

War auch ihr Internetanschluss plötzlich tot, das Festnetz-Telefon stumm? Willkommen in einem Szenario, vor dem Experten seit Jahren warnen. Und wahrscheinlich ist es dieses Mal noch glimpflich ausgegangen, auch wenn Hunderttausende Telekom-Kunden eine Zeit lang zurückgeworfen waren ins vordigitale Zeitalter.

Die Router der Kunden - die kleinen Kästen im Haushalt, die die Schnittstelle zum Telekom-Netz sind - waren offenbar zum Opfer eines Angriffs aus der Ferne geworden. Und das nicht nur bei der Telekom: Laut dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik versuchten die unbekannten Angreifer weltweit ähnliche Geräte zu knacken.

Fahrlässiges Handeln ist nicht hinnehmbar

Sollte die Telekom hier - und so wird in Experten-Foren schon gemutmaßt - eine bekannte Sicherheitslücke nicht ausreichend geschlossen haben, ist das nicht nur ein Problem, das das Unternehmen seinen Kunden erklären muss. Denn gekaperte Geräte können missbraucht werden und dann auch anderen schaden.

Erst vor wenigen Wochen wurden bekannte Internetseiten großflächig lahmgelegt - über ein sogenanntes Bot-Netz. Das sind in diesem Fall Tausende von heimlich gekaperten Geräten, die ohne Wissen der Besitzer ferngesteuert und zu anderen Angriffen missbraucht wurden. So sollten wohl auch die Telekom-Router eingesetzt werden.

Technische Spielereien sind sehr verlockend

Doch nicht nur diese sind verletzlich: Mit jedem Haushaltsgerät, das plötzlich smart wird, jeder ferngesteuerten Heizung und jeder vernetzten Webcam mit Online-Zugang können sich Kriminellen neue Einfallstore öffnen. So verlockend solche technischen Spielereien sind - die wenigsten von uns können die Folgen überblicken. Und im Internet sind jederzeit Hacker unterwegs, die automatisiert austesten, wo sich ihnen Sicherheitslücken bieten.

Sichere Starteinstellungen müssen her

Die Verantwortung für vernetzte Geräte können die Hersteller nicht dem Endkunden aufbürden, wie sie es hier und da tun. Natürlich ist es fahrlässig, wenn Kunden niemals die Standard-Passwörter ändern - doch sie sind eben Verbraucher und keine Sicherheitsexperten, die sich ständig um neue Lücken und Konfigurationen kümmern können.

Hier sind die Hersteller in der Pflicht, neben dem Versprechen digitaler Bequemlichkeit auch möglichst sichere Starteinstellungen für Verbraucher einzubauen - und ihre eigenen Systeme sicher zu halten, siehe Telekom.

Sicherheit kostet viel Geld

Im Netzwerk der Bundesregierung konnte der gleiche Angriff übrigens entdeckt und abgewehrt werden, aber das ist in abgegrenzten Netzwerken auch sicher einfacher als im Fall der Telekom-Kunden.

Die Bundesregierung hat eben erst eine Cyber-Sicherheitsstrategie auf den Weg gebracht, die unter anderem Notfallteams zur Bekämpfung von Hackerangriffen auf Bundesbehörden vorsieht. Hier ist auch mehr Zusammenarbeit mit der Wirtschaft geplant. Fachleute kritisieren, dass hinter all den hehren Zielen konkrete Zahlen fehlten, wie viel Geld die einzelnen Ministerien aus ihren Budgets für die Cybersicherheit zur Verfügung stellen.

Zum Vergleich: Die britische Regierung will in den nächsten fünf Jahren rund zwei Milliarden Euro investieren. Hier muss die Bunderegierung noch ein deutliches Zeichen setzen, denn das Gefahrenpotenzial der Angriffe wächst stetig.

Tagesschau.de
Ein Frau tippt auf ihr Smartphone, auf dem ein Telekom-Logo zu sehen ist. © dpa-Bildfunk Foto: Oliver Berg, dpa

Telekom wurde Opfer eines IT-Angriffs

Die massiven Störungen bei der Telekom gehen nach Einschätzung des Bundesamtes für IT-Sicherheit auf eine gezielte Attacke zurück. Mehr bei tagesschau.de. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 29.11.2016 | 17:08 Uhr

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