Stand: 17.11.2011 08:00 Uhr  | Archiv

E-Government kommt nur langsam voran

von Christoph Heinzle, NDR Info
Kfz-Kennzeichen © dpa
Die Zulassung des eigenen Autos: Hier könnte die Anmeldung auch vom heimischen Computer den Behördengang ersetzen.

Dass uns das Internet manchen Gang erspart, sind wir lange schon gewohnt. Eine der populärsten Anwendungen ist das Online-Banking. Warum sollte Ähnliches nicht auch bei Ämtern und Behörden funktionieren? Vieles ist dort auch schon in Gang gekommen. Doch bis aus der klassischen eine wirkliche Online-Verwaltung wird, dauert es noch. Das ist das Thema in den NDR Info Netzwelten in dieser Woche.

Gemütlich zu Hause sitzen statt Schlange stehen

Sitzen im Warteraum, Schlange stehen an den Schaltern der Kfz-Zulassung, das ist Alltag beim Landesbetrieb Verkehr Hamburg Mitte. 300 bis 600 Hamburger wollen hier täglich Motorräder, Autos oder Lastwagen anmelden, ummelden und abmelden. Doch in einigen Jahren soll alles schneller und leichter gehen - nämlich online. Für "eine ganz gute Maßnahme" hält das ein junger Mann, "weil man sich dann Urlaubstage sparen könnte und das zu Hause ganz in Ruhe machen könnte." "Keine schlechte Lösung", meint auch eine ältere Frau, "weil man dann nicht stundenlang hier sitzen und warten müsste. Und in zehn Jahren werden wir es sowieso so haben, ob wir es möchten oder nicht." Nur wenige sagen, sie würden lieber weiter in die Behörde kommen, weil sie vom Internet keine Ahnung hätten.

Umsetzung dauert noch

Dauern wird die Entwicklung aber noch. Heute gibt es lediglich Informationen und Formulare im Internet, 2013 wird ein Teil der Kfz-Zulassungen online möglich sein, 2015 soll alles hier über das Internet laufen. Damit ist Hamburg Teil eines bundesweiten Pilotprojekts für E-Government. Natürlich sei auch ein Treiber, dass die Verwaltung Kosten sparen will, so der zuständige Staatsrat der Hamburger Finanzbehörde, Jens Lattmann. "Aber gerade beim Kfz-Wesen zeigt es sich, dass es vor allem für die Bürger eine enorme Erleichterung ist. Und das wollen wir auch."  

"Nice to have"

In Hamburg gibt es zudem einen populären Behördenfinder, die elektronische Steuererklärung und eine Onlineanmeldung für Hunde. Anderswo bekommt man auch schon die Gewerbeanmeldung per Knopfdruck. Doch vielfach bekommt man nur Informationen statt die komplette Dienstleistung. Weil die Bürger es noch nicht verlangen und die Verwaltung gesetzlich noch nicht dazu gezwungen sei, meint der Hamburger Wirtschaftsinformatiker Markus Nüttgens. "Wir sehen heute die E-Government-Umsetzungen noch als sozusagen 'nice to have' an und gehen davon aus, dass Papier und die mündliche Kommunikation der Standard sind", so Nüttgens. Das werde sich in Zukunft aber wahrscheinlich ändern: "Die digitalen Prozessabläufe werden der Standard sein und die anderen Geschichten werden eher zusätzlich angeboten werden." Kostendruck und EU-Vorschriften könnten dafür sorgen, so Nüttgens.

Hürden überwinden

Behördenschreibtisch © dpa-Fotoreport
Die Arbeit für die Behördenmitarbeiter könnte verringert werden, wenn mancher Schritt online erledigt wird.

Doch es gilt rechtliche Hürden zu nehmen, technische Schnittstellen zu schaffen und so manchen menschlichen Widerstand zu überwinden. Staatsrat Lattmann räumt auch Hemmnisse in der Verwaltung ein. "Da sind natürlich immer die Befürchtungen da, wenn die Angebote, für die die Bürger jetzt noch zu mir ins Amt kommen müssen, einmal wegfallen, dann verliere ich meinen Arbeitsplatz."          

Akzeptanz bei Nutzern wichtig

Am Ende steht und fällt Verwaltung Online mit der Akzeptanz bei den Bürgern. Deutlich schneller und einfacher als bisher müsse es gehen, sagt Professor Nüttgens: "Wir müssen uns sehr stark damit beschäftigen, dass die Benutzeroberflächen gebrauchsfreundlich sind. Stellen Sie sich vor, dass Sie sich mit dem elektronischen Personalausweis identifizieren. Damit ist klar, wer Sie sind und gewisse Felder werden damit vorausgefüllt."

Vielleicht wird es auch kein Formular im klassischen Sinne mehr geben. Und der Hamburger Wirtschaftsinformatiker ist überzeugt: Wenn erst einmal einige populäre Anwendungen online sind, dann wird der Rest der Verwaltungsabläufe rasch folgen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 17.11.2011 | 08:08 Uhr

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