Stand: 08.08.2016 06:00 Uhr  | Archiv

Cyberangriffe: Unternehmen müssen sich wappnen

von Katja Scherer, NDR Info Wirtschaftsredaktion

Die Zahl der Hackerangriffe auf Unternehmen steigt stetig. Meist sind sensible Kundendaten oder Produktionsgeheimnisse das Ziel der Angreifer. Dabei gehen die Täter immer professioneller vor.

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Jedes dritte Unternehmen in Deutschland war bereits Opfer einer Cyber-Attacke.

Der Angriff kam ohne Vorwarnung: Im Februar diesen Jahres schleusten Hacker einen Virus in das IT-System des Lukas-Krankenhauses im nordrhein-westfälischen Neuss ein. Alle Daten wurden verschlüsselt, das Krankenhaus lahmgelegt. So etwas sei kein Einzelfall, sagt Thorsten Urbanski vom Softwarehaus G-Data: "Jedes dritte Unternehmen in Deutschland ist bereits erfolgreich angegriffen und geschädigt worden. Seien es Ausfälle im Produktionsprozess oder Diebstahl von Daten."

500 Milliarden Dollar Schaden pro Jahr

Die Gesamtschäden lägen weltweit bei bis zu 500 Milliarden Dollar pro Jahr, schätzt der Sicherheitssoftware-Hersteller McAfee. Die Vermögensverwaltung Merrill Lynch geht davon aus, dass sich der Markt für Cybersicherheit von 75 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr auf 170 Milliarden Dollar im Jahr 2020 mehr als verdoppeln wird. Dabei müssen die Angreifer gar keine Profis mehr sein, sondern können ihre Schadsoftware einsatzfertig im Internet kaufen. Sie ähnele Baukästen aus dem Baumarkt und müsse nicht mehr programmiert werden, sagt Urbanski.

Angriffe werden immer ausgefeilter

Meist erfolgen die Angriffe ganz einfach über verseuchte E-Mail-Anhänge oder aber über infizierte USB-Sticks. Gleichzeitig werden sie, ähnlich wie im privaten Bereich, immer ausgefeilter. Thorsten Holz, Professor für IT-Sicherheit an der Universität Bochum nennt ein Beispiel aus jüngster Zeit: "Kurz nachdem eine Rechnung rausgeschickt wurde, kam eine E-Mail vom Angreifer mit der Bitte, den Betrag auf ein anderes Konto zu überweisen, da es Probleme mit der Bank gebe. Auf diese Weise haben kriminelle Banden einige Millionen Euro in Europa erbeuten können." Oft sind die Angriffe extrem gut getarnt, es wird hinterher telefoniert und Zeitdruck ausgeübt.

Erpressung mittels eingeschleustem Trojaner

Eine andere Art, Unternehmen unter Druck zu setzen, ist die sogenannte Ransomware - wie bei dem Krankenhaus in Neuss: "Die Idee hinter Ransomware ist, dass man einen Erpressungstrojaner einsetzt. Auf einem infizierten Rechner werden alle Daten verschlüsselt, und den Schlüssel dafür bekommt der Nutzer nur, wenn er einen bestimmten Beitrag bezahlt. Das kam in letzter Zeit sehr häufig bei Einzelpersonen vor, aber auch bei Institutionen und Unternehmen."

IT-Sicherheit ernst nehmen

Selbst kleine und mittelständische Unternehmen seien von solchen Angriffen bedroht. Es sei daher wichtig, dass sich die Unternehmen der zentralen Bedeutung ihres IT-Systems bewusst würden. Sie sollten sich vor allem eine Frage stellen, sagt Steffen Hahn, Leiter der Ermittlungsstelle Cybercrime beim Landeskriminalamt Hamburg: "'Welche Bedrohungen sind für mich so existenzbedrohend, dass ich mich auf jeden Fall dagegen absichern muss?' Und dazu gehört dann auch Personal, das das absichert und wartet."

Besonders gut geschützt sind bereits heute kritische Infrastrukturen wie Kraftwerke. Diese sind meist komplett vom normalen Internet abgekoppelt. Zudem gibt es weitere gesetzliche Richtlinien, die die Betreiber befolgen müssen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 10.08.2016 | 10:41 Uhr

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