Stand: 06.06.2017 20:48 Uhr  | Archiv

Bleibt das Internet auch am Sonntag geöffnet?

Ein neues Paar Schuhe, eine Hose, ein Kleid - im Internet bekommt man das immer. Jeden Tag, rund um die Uhr. Noch, wenn es nach den Grünen geht. Denn nach dem Willen der Partei soll das künftig nicht mehr ganz so einfach sein. Die Grünen haben nämlich einen Änderungsantrag zum Landtagswahlprogramm erarbeitet, über das die Delegierten am Wochenende in Wolfenbüttel abstimmen wollen. Darin: eine Idee zur Einschränkung des Online-Shoppings. Nun ist es aber nicht so, dass die Grünen am Sonntag gleich das Internet abstellen wollen. Nach ihren Vorstellungen können die Kunden weiterhin bestellen. Nur gepackt und verschickt wird nichts. "Es ist ausreichend, wenn die Bearbeitung der Bestellung am Montag passiert. Die Mitarbeiter müssen nicht das ganze Wochenende bereitstehen", sagte Landeschef Stefan Körner am Dienstag. Wie viele Arbeitnehmer davon betroffen sind, ist unklar.

"Den Sonntag verteidigen"

Man wolle damit "den Sonntag verteidigen", so Körner. Schließlich gebe es den vom Bundesverfassungsgericht garantierten Sonntagsschutz. Und abgesehen davon gehe es auch um die Fairness. Der Einzelhandel klage über Wettbewerbsnachteile gegenüber den Online-Versandhäusern. Durch den Vorschlag wollen die Grünen die Bedingungen angleichen. Gleichzeitig lehnen sie eine Ausweitung der Sonntagsöffnungen ab. "Wir halten vier Sonntagsöffnungen im Jahr für ausreichend", heißt es im Änderungsantrag. "Sonn- und Feiertage können von jederfrau und jedermann für die persönliche Lebensqualitätszeit genutzt werden."

Verband: "Initiative 'selbstbestimmter Sonntag' Unsinn"

Beim Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) hat man kein Verständnis für den Vorstoß der niedersächsischen Grünen. Auf Nachfrage von NDR.de sagte bevh-Hauptgeschäftsführer Christoph Wenk-Fischer: Grundsätzlich sei eine Liberalisierung im Sinne der Kunden gut, da diese somit eine größere Flexibilität in ihrem Einkaufsverhalten hätten. Seit Jahren fordere der bevh mehr Selbstbestimmung im Handel, so Wenk-Fischer. Eine Unterbrechung der Serviceleistungen an Sonn- und Feiertagen sei auch für E-Commerce-Unternehmen und Versandhändler keine Option. "Als einen gegen den Onlinehandel gerichteten Vorstoß halten wir die Initiative 'selbstbestimmter Sonntag' allerdings für Unsinn. Aus Kundensicht könne man heutzutage Online- und Offlinehandel nicht mehr gegeneinander ausspielen, sagte der bevh-Hauptgeschäftsführer.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 06.06.2017 | 16:00 Uhr

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