Stand: 13.12.2012 17:36 Uhr  | Archiv

Ministerium schickt Mahnbrief an Helios

von Stefan Ludmann
Manager mit Geld in der Brusttasche kombiniert mit dem Helios Logo (Montage)  Foto: Niceshot, ineula
Kritiker werfen der Klinikleitung das Prinzip "Ökonomie statt Ethik" vor.

Der akute Ärztemangel an der Schweriner Helios-Kliniken hat das Schweriner Sozialministerium auf den Plan gerufen: In einem Schreiben an die Klinikleitung verlangt das Ministerium als Aufsichtsbehörde schnelle Lösungen. Anlass ist die Lage in der Augenklinik im größten privaten Krankenhaus des Landes.

 

Team wechselt fast komplett nach Vorpommern

Die Augenklinik steht demnächst nahezu ohne Ärzte da: Fast das komplette zehnköpfige Team um den bisherigen Chefarzt wechselt zum großen Teil in die Region Vorpommern, lässt sich dort privat nieder und deckt eine Versorgungslücke ab. Lediglich eine Assistenzärztin bleibt nach Klinikangaben zurück. Die Notfall-Versorgung vor allem vor dem unfallträchtigen Festtagen und der Silvesternacht ist gefährdet.

Ministerium: Versorgung ist sicherzustellen

In dem Ministeriums-Schreiben, das NDR 1 Radio MV vorliegt, ist von "einer prekären Situation" die Rede. Das Ministerium erinnert den Klinik-Chef Thomas Rupp an die Verpflichtungen aus dem Krankenhausplan - er müsse die augenärztliche Versorgung sicherstellen. Geschieht das nicht, droht das Ministerium mit einer Überprüfung der Fördermittel. Immerhin seien 2,1 Millionen Euro in die neuen Operationssäale der Augenklinik geflossen.

Vorwurf: Ökonomie statt Ethik

Experten der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) führen den Exodus der Augenärzte auf die Situation bei Helios zurück. Die Ärzte - auch die äußerst gut bezahlten Chefärzte - wollen sich dem Druck der Klinikleitung nicht mehr beugen. Es geht darum, immer mehr neue Patienten aufzunehmen, "Fälle zu machen", um Geld zu verdienen. Ökonomie statt Ethik - das ist Prinzip, sagt Fridtjof Matuszewski vom Vorstand der KV in Mecklenburg-Vorpommern.

Dieses Prinzip hatte jüngst auch die AOK angeprangert. Viele Operationen seien gar nicht nötig und würden nur mit Blick auf den finanziellen Nutzen gemacht, hieß es in einem Bericht der Krankenkasse. Die Schweriner Helios-Kliniken sind da in den vergangenen Jahren wiederholt als Beispiel genannt worden - auch als bekannt wurde, das ein Klinikleiter den Chefärzten per E-Mail vorhielt, sie würden nicht genügend Fälle generieren.

Versorgungslücke schwer zu schließen

Die Helios-Klinik erklärte auf Anfrage, möglicherweise gebe es im Januar schon neue Verträge, aber das sei noch nicht spruchreif. Die Klinik ist nach eigenen Angaben bemüht, die Situation durch Honorarverträge mit niedergelassenen Augenärzten in Schwerin in den Griff zu bekommen. Allerdings stehen auch diese Ärzte am Rande ihre Leistungsfähigkeit: Augenarzt-Termine sind nur äußerst schwer zu bekommen.

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung sieht man die Lage bei Helios kritisch: Die Klinik habe sich auch noch nicht gemeldet, um Kassenärzte als Aushilfen in der Augenklinik zu beschäftigen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 13.12.2012 | 18:10 Uhr

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