Steno © Katja Bülow Foto: Katja Bülow

Steno: Die ostdeutschen Meisterschaften in Rostock

Stand: 24.03.2023 14:14 Uhr

Steno, die Kurzschrift zum schnellen Mitschreiben, gerät immer mehr in Vergessenheit. Zu Unrecht, findet der Stenografenverband. In Rostock tragen seine Mitglieder gerade die 31. ostdeutschen Meisterschaften aus.

von Katja Bülow

Geheimschrift oder Sauklaue? Wer Christiane Schwark beim Stenografieren über die Schulter schaut, der kann als Laie erst einmal gar nichts entziffern. Die 58-Jährige hat die Kurzschrift schon zu DDR-Zeiten während ihrer Ausbildung zum "Facharbeiter für Schreibtechnik" gelernt. Heute hofft sie, bei den ostdeutschen Meisterschaften mehr als 400 Silben pro Minute aufs Papier zu bringen. Aber die Konkurrenz ist groß, es gibt andere, die die 500er-Grenze überschreiten. Christiane Schwark muss sich anstrengen, um ihren Titel zu halten: Sie hat im vergangenen Jahr zwar keinen der ersten Plätze in den einzelnen Spezial-Disziplinen der Meisterschaft gewonnen, dafür lag sie dann aber in der Gesamtwertung ganz vorne.

Was das Audiogerät nicht leisten kann

Fünf verschiedene Aufgabenstellungen warten bei dem Wettkampf auf die Teilnehmer. Zwanzig Minuten Schnellschreiben und zehn Minuten Perfektionsschreiben an der Computertastatur, Textbearbeitung und Bearbeitung am Computer. Stenografie ist nur eine von fünf Disziplinen, hat es aber in sich. Christiane Schwark liest eine Rede von Bundeskanzler Olaf Scholz vor - in einem Tempo, das in der Meisterklasse der Stenografie obligatorisch ist. Für Otto-Normal-Schreiber ist es schier unmöglich, dabei mitzukommen.

Aber heutzutage könnte man das Gesprochene ja auch ganz einfach aufzeichnen, oder? Die energisch-fröhliche Frau mit dem hellgrauen Kurzhaarputz winkt ab. "Im Bundestag zum Beispiel muss jeder Applaus dokumentiert werden, zu jedem Zwischenruf wird festgehalten, von wem er gekommen ist. Das könnte ein Audiogerät gar nicht leisten." Sie selber hat drei Jahre lang als Schreiberin dort gearbeitet, als Assistentin von einem der 14 Parlamentsstenografen. Heutzutage arbeitet sie im Finanzministerium von Mecklenburg-Vorpommern. Und auch dort möchte sie auf die Kurzschrift nicht verzichten. "Das ist eine so große Arbeitserleichterung!"

Mitstreiter für Vereinsgründung gesucht

Dass Steno und auch das Zehn-Finger-Schreiben auf der Tastatur heutzutage kaum noch gelehrt werden, findet Christiane Schwark sehr schade. In Arbeitsgruppen an Rostocker Schulen gibt sie darum regelmäßig Unterricht. Und sie würde auch gerne einen eigenen Textverarbeitungsverein gründen. Den nämlich gibt es in Mecklenburg-Vorpommern bisher noch nicht, weshalb sie sich der südlich von Berlin gelegenen Luckenwalder Sektion des Stenografen-Verbandes angeschlossen hat. Immer montags übt sie online mit den Kollegen von dort, alle paar Wochen trifft man sich zu Seminaren. Und auch Meisterschaften, wie die in Rostock, gehören zum Programm. Die gebürtige Bad Doberanerin schwärmt: "Da mit dabei zu sein, macht unheimlich viel Spaß. Wenn beim Zehn-Minuten-Schreiben 30 Teilnehmer gleichzeitig auf ihren Tastaturen schreiben, dann ist so ein Flirren in der Luft, eine ganz tolle Atmospähre - und es ist richtig, richtig laut."

Wer Lust hätte, mit dabei zu sein, einen eigenen Verein für Mecklenburg-Vorpommern zu gründen, der erfährt alle Details auf der Internetseite buero-klarschiff.de

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 24.03.2023 | 17:15 Uhr

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