Sendedatum: 25.03.2014 21:15 Uhr  | Archiv

Pflegenachwuchs muss für Berufsschule zahlen

von Djamila Benkhelouf & Mareike Burgschat

Blutdruck messen, Insulin spritzen, Medikamente verabreichen, einfach mal zuhören und aufmuntern: Die Aufgaben einer Altenpflegerin sind vielfältig - und dringend benötigt. Hochrechnungen haben ergeben, dass in Deutschland in rund 15 Jahren  500.000 Pflegekräfte fehlen werden. Schon jetzt kommen auf 100 freie Stellen für examinierte Altenpfleger nur 39 Bewerber, meldet die Agentur für Arbeit. Dennoch müssen viele Auszubildende  für ihre Ausbildung sogar noch selber Geld mitbringen.

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Schulgeld ist keine Lösung

Professor Michael Isfort vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung
Michael Isfort vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung hält das Schulgeld für nicht sinnvoll.

In Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern ist es noch immer üblich, dass viele Altenpflegeschüler Schulgeld bezahlen müssen. Denn die meisten Auszubildenden gehen an eine Schule in freier Trägerschaft, also eine Privatschule. Und weil die Länder die Kosten eines solchen Schulplatzes nicht vollständig übernehmen, müssen die Schüler selbst bezahlen. "Die Prognosen zum Fachkräftemangel zeigen, dass wir in Mecklenburg- Vorpommern in den nächsten 15 Jahren ungefähr 13.000 Personen in diesem Sektor brauchen. Also das heißt, wir brauchen eine Verdreifachung des Personals in der Altenpflege. Das ist eine Riesenaufgabe und das löst man nicht durch Schulgeld“, sagt Professor Michael Isfort vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung.  

Schulgeldfreiheit an Privatschulen?

Auszubildende Sabrina Finke  lernt in Schwerin auf einer Privatschule. Das kostet sie 160 Euro monatlich - bezahlt vom geringen Lehrlingsgehalt.
Sabrina Finke  lernt in Schwerin auf einer Privatschule. Das kostet sie 160 Euro monatlich - bezahlt vom geringen Lehrlingsgehalt.

Auszubildende Sabrina Finke  lernt in Schwerin. Hier in der Stadt gibt es keine staatliche Schule, die nächste ist in Rostock,  rund eine Stunde entfernt.  160 Euro bezahlt sie deshalb von ihrem kleinen Lehrlingsgehalt für die Schule. "Das ist doch nicht fair! Jemand der im Büro arbeitet, seine Ausbildung als Kauffrau macht, bekommt die Schule vom Staat bezahlt, während wir als Altenpfleger jeden Monat unser Schulgeld abdrücken müssen“, so Sabrina Fink.

Angesichts des großen Bedarfs an Altenpflegern erscheint das Schulgeld nicht mehr zeitgemäß. 2012 wurde das auch in der Runde zur großen "Ausbildungs- und Qualitätsoffensive" erkannt. Teilnehmer: die betroffenen Bundesministerien, die Arbeitgeberverbände, die Arbeitsagentur, Gewerkschaften und auch Vertreter der Bundesländer. Sie sagten zu zu prüfen, ob "Schulgeldfreiheit an Privatschulen eingeführt werden kann." Doch zumindest in Mecklenburg-Vorpommern verspricht die Prüfung den Auszubildenden keine Entlastung. Bildungsminister Mathias Brodkorb teilt auf Anfrage mit, die bisherige Förderung habe sich "als auskömmlich erwiesen" und rechtlich sei eine höhere Förderung auch nicht möglich. In Niedersachsen, und Bremen hingegen hat man das Schulgeld inzwischen abgeschafft, in Schleswig-Holstein wird die Abschaffung gerade vorbereitet.  

 

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 25.03.2014 | 21:15 Uhr

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