LNG-Terminal in Lubmin: Das Gas strömt ins deutsche Netz

Stand: 15.01.2023 13:22 Uhr

Am Greifswalder Bodden ist das Flüssiggas-Terminal nach seinem Probebetrieb nun offiziell an den Start gegangen. Die Kapazitäten sollen laut Bundeskanzler Olaf Scholz weiter ausgebaut werden. Am Rande der Einweihung gab es Proteste.

In Lubmin (Landkreis Vorpommern-Greifswald) hat das zweite deutsche Importterminal für Flüssigerdgas (LNG) den Betrieb aufgenommen. Damit strömt nun Gas aus Vorpommern in das deutsche Netz. Im Lubminer Hafen läuft der Dauerbetrieb unter Volllast. Das schwimmende Terminal wird privatwirtschaftlich vom französischen Energiekonzern Totalenergies und dem Unternehmen Deutsche ReGas betrieben. Die Anlage soll vor allem Ostdeutschland mit jährlich bis zu 5,2 Milliarden Kubikmeter Erdgas versorgen. Das erste importierte Flüssiggas in Lubmin kommt aus Ägypten.

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Scholz und Schwesig in Lubmin

Zum offiziellen Start kamen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und Umweltminister Till Backhaus (SPD) nach Lubmin. Bundeskanzler Scholz sagte, vom Antrag bis zur Fertigstellung habe es etwa ein halbes Jahr gedauert. Er sprach von einem ganz neuen "Deutschlandtempo" und kündigte weitere Terminals an. Auch die Anlandemöglichkeiten in Lubmin sollen noch erweitert werden. Beim Bund ist ein zweites Terminal bereits in Planung. Es soll von Schiffen über eine Pipeline durch den Bodden versorgt werden.

Schwesig: Lubmin als "Drehscheibe" der Energieversorgung

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin machte vor Ort deutlich, dass die Nutzung von Flüssiggas nur eine Übergangslösung sein könne. Sie sagte, Lubmin solle zur " Drehscheibe" der Energieversorgung werden. "Unser Ziel ist, dass dieser Standort in naher Zukunft komplett aus erneuerbaren Energien viele Teile von Deutschland und Europa versorgt, aber wir brauchen bis dahin auch Gas", so Schwesig. Deshalb sei es wichtig und gut, dass hier ab ab sofort Flüssiggas eingespeist werde.

Probebetrieb seit Anfang Januar

Mit Hilfe von per Schiff geliefertem Flüssiggas will Deutschland schnellstmöglich unabhängig von russischem Gas werden. Dafür wurde das Genehmigungsverfahren für das Lubminer Terminal beschleunigt. Anfang Januar ist erstmals Erdgas im Rahmen eines Probebetriebs in das Gasnetz eingeleitet worden. Das als Regasifizierungs-Einheit dienende Schiff "Neptune", der LNG-Tanker "Seapeak Hispania" sowie der LNG-Shuttle-Tanker "Coral Furcata" waren in den vergangenen Wochen in Lubmin eingetroffen.

Kritik von Bürgern und Verbänden

Gegen den Start des Regelbetriebes gibt es aber auch viel Kritik. Rund 300 Menschen versammelten sich am Sonnabend in Lubmin. Am Rande der feierlichen Eröffnung protestieren die Bürger und Umweltverbände. Nach deren Auffassung würden durch das beschleunigte Genehmigungsverfahren die Auswirkungen auf den geschützten Greifswalder Bodden nicht ausreichend berücksichtigt. Außerdem kritisieren sie, dass keine angemessene Sicherheits- und Umweltversorgung existiere. Zudem gebe es in den Unterlagen eine ganze Reihe von Nachforderungen, die nicht vorab, sondern während des Betriebs bearbeitet werden sollen.

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Lärmstörungen durch den Betrieb des LNG-Terminals moniert

Die Kritiker sehen auch die Betriebsgenehmigung für das schwimmende LNG-Terminal für einen Zeitraum von neun Jahren kritisch. Außerdem seien die Lärmbelastungen sowie die Gefahren durch den Shuttleschiffsverkehr nicht gemäß den Vorgaben des Umweltrechts geprüft worden. Allerdings gibt es kaum Möglichkeiten, jetzt noch gegen das Projekt vorzugehen. Rechtsmittel hätten keine aufschiebende Wirkung, so sieht es das LNG-Beschleunigungsgesetz vor. Trotzdem drohen die Umweltverbände mit Widerspruch, wenn die Umweltbelange nicht eingehalten werden. So kündigte die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die unter anderem Lücken beim Brandschutz moniert, am Sonntag gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung" an, Widerspruch gegen die Genehmigungen der LNG-Terminals in Lubmin und Wilhelmshaven einzulegen und notfalls bis vor das Bundesverwaltungsgericht zu ziehen.

Umweltminister Backhaus betont Gründlichkeit

Trotz aller Geschwindigkeit sei gründlich gearbeitet worden, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Backhaus im Industriehafen Lubmin. Er hatte den Genehmigungsbescheid für das LNG-Terminal am Sonnabend übergeben. Die Einwendungen von Bürgern und Verbänden seien ernst genommen und eingehend geprüft worden. Es würden auch keine Biozide ins Gewässer eingeleitet und das angrenzende Naturschutz- und Vogelschutzgebiet werde nicht beeinträchtigt. Derzeit liefen Schallmessungen wegen der Beschwerden über Lärmbelästigungen. Sollte die Regasifizierungsanlage ursächlich für die Belästigung der Menschen sein, würden schallmindernde Auflagen folgen, so der Minister.

Shuttleschiffe zwischen Ostsee und Bodden

In Lubmin muss das Terminal wegen der niedrigen Wasserstände im Greifswalder Bodden über kleinere Shuttleschiffe versorgt werden. Sie holen das LNG von einem größeren Tanklagerschiff auf der Ostsee. Ein Spezialschiff dafür ist die "Neptune", die seit Mitte Dezember vor Lubmin liegt. Die "Neptune" kann das Flüssigerdgas erwärmen und wieder gasförmig machen. Anschließend kann das Gas ins Netz eingespeist werden. Die Infrastruktur in Lubmin ist auch für die Einspeisung von Wasserstoff nutzbar.

Mehrere LNG-Terminals in Deutschland

Das Lubminer Terminal gehört zu den ersten betriebsbereiten LNG-Terminals Deutschlands. Im niedersächsischen Wilhelmshaven wurde Ende des Jahres das erste deutsche Importterminal für Flüssigerdgas eröffnet. Ein Terminal in Brunsbüttel in Schleswig-Holstein ist für die Belieferung bereit.

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