Die Traditionssendung auf Platt feiert Geburtstag: Ein Kuchen zeigt den Schriftzug "30 Jahre Plappermoehl im NDR". © NDR
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Die Traditionssendung auf Platt feiert Geburtstag: Ein Kuchen zeigt den Schriftzug "30 Jahre Plappermoehl im NDR". © NDR
AUDIO: Die Geschichte der Plappermoehl (8 Min)

Die Traditionssendung auf Platt: 30 Jahre Plappermoehl im NDR

Stand: 24.09.2022 16:36 Uhr

Mehr als 430 Sendungen: Die Plappermoehl wird 1983 zum ersten Mal ausgestrahlt und ist damit die älteste Talkshow auf Plattdeutsch im Norden. Seit dreißig Jahren gehört sie zum Norddeutschen Rundfunk.

von Thomas Naedler

Die Mühle steht noch. Eine Windmühle. An einer Anhöhe in Dabel. Adresse: "Roter Strumpf 1" Hier wird sie erfunden - die Plappermoehl. Hier treffen sich schon Anfang der 80er Jahre Leute, reden Platt, singen gemeinsam mit Müller Fritz Döscher, mit Freunden und Kollegen. Horst-Dieter Hofmann vom Sender Schwerin macht daraus eine Radiosendung. Als Moderatoren der ersten Sendung 1983 treten Horst Roggenbau und Fritz Döscher aus Dabel auf. Als Musiker sind Barbara Wagner und Klaus-Jürgen Schlettwein dabei. Aufgezeichnet allerdings wird die Dabeler Plappermoehl nicht in der Dabeler Mühle, die ist schlicht zu klein. Stattdessen stehen Mikrone und Aufzeichnungstechnik in einer Gaststätte ganz in der Nähe am Holzendorfer See, erzählt Klaus-Jürgen Schlettwein. Die erste Sendung übrigens kommt noch ohne das einprägsame Plappermoehlenlied aus. Das schreiben die Dabeler Müllerburschen - damals ein sehr populäres Musikanten-Trio - der Plappermoehl zur dritten Sendung auf den Leib.

Sendung wird auch nach der Wende fortgeführt

Noch in den 80er Jahren zieht die Sendung um ins frisch erbaute Ferienheim "Fritz Reuter" in Schwerin, aus der Dabeler wird die Schweriner Plappermoehl. Die überlebt tatsächlich die friedliche Revolution und auch die zwei Jahre, in denen im Rundfunk der DDR alles geprüft, erneuert und vieles eingestampft wurde. Zum 1. Januar 1992 übernimmt der Norddeutsche Rundfunk im Nordosten Radio und Fernsehprogramm und am 19. Januar schon wird die erste Plappermoehl unter der Fahne des NDR gesendet. Mit neuer, extra angepasster Erkennungsmelodie, Blasmusik erklingt nun am Anfang der Sendung, und im Text heißt es "...der NDR ist hier zu Gast".

Erste NDR-Plappermoehl mit ernstem Thema

Für diese erste NDR-Plappermoehl stehen die Übertragungswagen in Schwerin und dem Moderator Klaus-Jürgen Schlettwein ist anzuhören, dass es um den Fortbestand der Plappermoehl hinter den Kulissen doch ein paar Diskussionen gegeben hatte. "Vielen Dank an unsere treuen Zuhörer", sagt er damals, "das Daumendrücken hat gelohnt, die Plappermoehl geht weiter." Applaus und Jubel im Saal. Gast am Mühlentisch in dieser Ausgabe: Karl Heinz Möller. Er ist damals Vorsitzender des Behindertenvereins Schwerin e.V. und er ist zugleich Gastgeber. Im Haus der Behinderten und Senioren, wie es damals hieß, im Schweriner Plattenbaugebiet Großen Dreesch, wird die Sendung aufgezeichnet. Die Situation behinderter Menschen verändert sich ja mit der Wende deutlich zum Besseren, das, aber auch wo es noch viel zu tun gibt, sind große Themen dieser ersten Plappermoehl im Norddeutschen Rundfunk.

Die Moderatoren wechseln - die Plappermoehl bleibt

Die 90er Jahre: Moderator Horst Dethloff geht, Klaus-Jürgen Schlettwein bleibt bis 1997 die markante Stimme der Sendung. Auch seine Tochter Susanne ist in den 90er Jahren dabei, in der Rolle der Plappermoehlen-Putzperle "Fru Kruse". Die Plappermoehl am Mikrofon geprägt haben außerdem: Norbert Bosse, Marianne Meier, Hannes Ossenkopp, Manfred Brümmer und Tom Roloff. 2002 kommt Susanne Bliemel als Moderatorin dazu, 2014 steigt Thomas Lenz bei der Plappermoehl ein. Susanne Bliemel und Thomas Lenz sind bis heute gemeinsam die Gastgeber der Sendung, Christian Peplow aus Greifswald verstärkt das Team, wann immer es nötig ist.

Geschichten der Leute von nebenan

Kontinuität prägt die Redaktion, die Arbeit hinter den Kulissen. 1994 übernimmt Rainer Schobeß die Leitung. Gut 27 Jahre lang hält er Mühlenflügel und Mühlstein in Bewegung, bis in die 2000er Jahre gemeinsam mit Redakteurin Brigitte Hüpeden, danach allein. Die Vorbereitung jeder Sendung führt Redakteure und Moderatoren nun durch den gesamten Nordosten, vor jeder Sendung steht ein Gespräch mit den Plattdeutsch sprechenden Leuten vor Ort, um die besten Geschichten auszuwählen. Immer sind es Geschichten, wie sie im Freundes- und Bekanntenkreis oder unter Nachbarn erzählt werden. Nicht Politiker oder Prominente sind in der Plappermoehl gefragt, sondern alle, die etwas zu berichten haben - aus ihrem Leben, aus ihrem Dorf, von der Arbeit. Aus den Witzen, die in jeder Plappermoehl erzählt werden, entstehen vier CDs und neun Bücher - "De Mallbüdel" bleibt Kult.

Die Plappermoehl reist durchs Land

Schon Anfang der 1990er Jahre beginnt die Plappermoehl zu reisen. Von Demmin bis Dömitz, von Anklam bis Barnin, kein Ort ist zu klein, denn gerade in den Dörfern wird jede Plappermoehl zu einem kleinen Fest. Die Orte, in denen die Plappermoehl aufgezeichnet wird, werden am Anfang der Sendung in Reimen porträtiert. Manfred Brümmer, Autor, Übersetzer und Dramaturg, etabliert diese Tradition der gereimten Ortsporträts, Susanne Bliemel setzt sie fort. Später kommt das "Hörbild" in die Sendung, ein Moderator oder Reporter macht sich dafür vorher auf in den jeweiligen Ort, fängt Geräusche und Stimmen ein, und nimmt sich vor, was in einer wie Live aufgezeichneten Sendung sonst so lebendig nicht abzubilden wäre.

Eine Radioshow der Superlative

Die Grundlagen der Plappermoehl bleiben: Menschen, Mallbüdel und Musik. Oder anders gesagt, keine Sendung ohne: ohne Leute die gute Geschichten erzählen, Witze und Live-Musik auf der Bühne. Und obwohl Zahlen Schall und Rauch sind, ganz zum Schluss doch ein paar: mehr als 1.200 Gäste, mehr als 250 Städte und Dörfer, mehr als 100.000 Zuschauer, rund 6.000 Witze... Das ist die Plappermoehl-Statistik. Und immer wenn eine Sendung zu Ende geht, steht die nächste schon bevor.

Dieses Thema im Programm:

De Plappermoehl | 23.09.2022 | 19:10 Uhr

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Plattdeutsch

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