Stand: 06.02.2018 16:58 Uhr

Multiresistente Keime müssen bekämpft werden!

Eine bakterielle Infektion lässt sich meistens mit Antibiotika gut bekämpfen. Meistens, denn immer wieder sterben Menschen an multiresistenten Keimen. Die Vereinten Nationen warnen vor dieser Gefahr. Der NDR hat nun in Niedersachsen einmal etwas genauer nachgeschaut: An zwölf Gewässer-Standorten sind bei den Untersuchungen von Proben antibiotikaresistente Keime entdeckt worden.

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Parallel zur Intensivierung der Forschung muss jetzt gehandelt werden, meint Christian Baars.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Vereinten Nationen (UN) und auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) warnen immer wieder: Antibiotika-Resistenzen sind eine schleichende Epidemie - ähnlich wie der Klimawandel. Wir bemerken sie nicht, ehe es möglicherweise für viele zu spät ist. Schon jetzt sterben weltweit jedes Jahr Hunderttausende Menschen, weil Antibiotika versagen. Und die Zahl der Infektionen mit resistenten Erregern steigt.

Wenn es so weitergeht, werden die Resistenzen sich wohl zu einer der häufigsten Todesursachen in den kommenden Jahrzehnten entwickeln. Das ist ziemlich unbestritten. Doch gleichzeitig ist auch vieles noch unbekannt - etwa über die Verbreitungswege dieser gefährlichen Keime. Oft wissen Ärzte nicht, wo sich ihre Patienten infiziert haben; woher die Erreger stammen.

Komplexes Problem mit vielen ungelösten Fragen

Hier besteht tatsächlich noch enormer Forschungsbedarf. Wir müssen dringend mehr darüber erfahren, wie solche Bakterien zu den Menschen gelangen. Doch klar ist auch: Wir dürfen nicht warten, bis alle offenen Fragen dieses komplexen Problems gelöst sind. Bereits jetzt muss gehandelt werden. Bislang wird noch immer zu wenig getan. Und das zeigen jetzt auch die Stichproben aus niedersächsischen Gewässern. Anscheinend finden sich viel mehr multiresistente Erreger in der Umwelt als gedacht.

Antibiotika-Einsatz muss reduziert werden

Ärzte und Wissenschaftler sind angesichts der Ergebnisse der Proben alarmiert. Das Problem wurde offenbar bislang unterschätzt. Zuständig sind die Bundesländer. Sie sollten die Gewässer stärker darauf kontrollieren, wo solche Erreger zu finden sind. Eine weitere Maßnahme wäre es, die Kläranlagen nachzurüsten. Technisch ist das möglich und auch finanzierbar.

Aber der wichtigste Schritt wäre, noch stärker als bislang darauf zu drängen, den Antibiotika-Einsatz zu reduzieren - in den Arztpraxen, in den Kliniken, und auch in der Tiermast. Denn von dort können multiresistente Erreger - etwa über Fliegen oder Gülle und Mist - in die Umwelt gelangen. Und das trägt dazu bei, dass immer mehr Menschen schwer erkranken oder gar sterben.

Bedingungen in der Tierhaltung verbessern

Voraussetzung für einen geringeren Einsatz von Antibiotika sind indes bessere Haltungsbedingungen in den Ställen. Dies wäre nicht nur aus Tierschutzgründen wünschenswert, sondern auch, um uns selbst zu schützen. Denn klar ist: Multiresistente Erreger können aus den Ställen über das Fleisch und anscheinend auch über die Umwelt zurück zum Menschen gelangen.

Wenn wir nicht entschlossen genug handeln, werden die Erkrankungen und Todesfälle weiter steigen.

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