Anmeldeplätze im Impfzentrum Hamburg.

Pro und Kontra: Sollen "Impfschwänzer" bestraft werden?

Stand: 05.07.2021 16:07 Uhr

Wenn Menschen zu ihren Impfterminen nicht erscheinen, kann es sein, dass der Impfstoff schließlich im Müll landet. Einige Politiker fordern daher Geldbußen für "Impfschwänzer". Was sind die Argumente dafür und dagegen?

Ein Pro- und Kontra-Kommentar aus dem ARD-Hauptstadtstudio

Nina Barth: "Bußgeld wäre der richtige Schritt"

Porträtfoto von Nina Barth, Korrespondentin im ARD-Hauptstadtstudio. © ARD-Hauptstadtstudio Foto: Tanja Schnitzler
Nina Barth ist für eine Strafe für "Impfschwänzer".

Es ist noch immer so, dass zurzeit nicht jeder, der möchte, einen Impftermin bekommt. Der Impfstoff ist nicht mehr so knapp wie vor ein paar Wochen, aber knapp ist er immer noch. Wer in dieser Zeit einen Impftermin verstreichen lässt, ohne ihn abzusagen, der handelt egoistisch und unsolidarisch. Ein Bußgeld wäre der richtige Schritt. Es ist schlicht nicht akzeptabel, dass sogar Impfstoff entsorgt werden muss, weil Leute einfach nicht zum vereinbarten Termin kommen. Es sollte ja wohl für niemanden ein Problem sein, zum Hörer zu greifen und einen Termin abzusagen – oder das mit ein paar Klicks online zu tun. Gegner des Bußgeldes für "Impfschwänzer" sagen, lieber auf Impfanreize setzen als auf Strafen. Das eine schließt das andere aber doch nicht aus. Denn Impfanreize sind das eine - ein verantwortungsvoller Umgang mit einem vereinbarten Termin ist das andere. Es ist doch wirklich nicht zu viel verlangt, einen Termin abzusagen.

Uwe Lueb : "Bußgeld ist der falsche Weg"

Porträtbild des ARD-Korrespondenten Uwe Lueb. © ARD-Hauptstadtstudio Foto: Jens Müller
Uwe Lueb lehnt ein Bußgeld für "Impfschwänzer" ab.

Mir kommt das typisch Deutsch vor: Wer sich nicht korrekt verhält, bekommt eine Strafe aufgebrummt. Klar ist es nicht gut, wenn womöglich sogar Impfstoff verfällt, weil jemand ohne abzusagen nicht zu seinem gebuchten Termin erscheint. Aber Bußgeld ist der falsche Weg - hat etwas von Zucht und Tadel, von kleinlicher Rache. Ob dann mehr ihren Termin wahrnehmen als bislang, ist zudem nicht ausgemacht. Dazu kommt: Bußgeld einzutreiben ist ein Verwaltungsakt - erfordert Personal und beschäftigte vermutlich auch noch Gerichte. Sinnvoller wäre ein anderer Umgang mit den Terminen. Warum nutzt man nicht eine digitale Warteschlange, in die sich jede und jeder Impfwillige eintragen kann. Bleibt ein Termin unbesetzt, rückt jemand von der Liste nach. Solche Systeme gibt es längst. Statt Zwang und Bußgeld also bitte etwas mehr Fantasie - und Aufklärung. Je geschärfter das Bewusstsein für diesen beispiellosen Kampf gegen die Pandemie, desto größer vermutlich auch die eigene Verantwortung.

Anmerkung der Redaktion: Liebe Leserin, lieber Leser, die Trennung von Meinung und Information ist uns besonders wichtig. Meinungsbeiträge wie dieser Kommentar geben die persönliche Sicht der Autorin/des Autors wieder. Kommentare können und sollen eine klare Position beziehen. Sie können Zustimmung oder Widerspruch auslösen und auf diese Weise zur Diskussion anregen. Damit unterscheiden sich Kommentare bewusst von Berichten, die über einen Sachverhalt informieren und unterschiedliche Blickwinkel möglichst ausgewogen darstellen sollen.

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NDR Info | Kommentar | 05.07.2021 | 17:12 Uhr