"CheckNow"-Funktion der Schufa © NDR/ARD Foto: Screenshot

Kommentar: Schufa-Pläne müssen verhindert werden

Stand: 27.11.2020 13:58 Uhr

Deutschlands größte Wirtschaftsauskunftei Schufa plant offenbar, Verbraucher in Zukunft auch anhand ihrer Kontoauszüge zu bewerten. Nach Recherchen von NDR, WDR und SZ gab es bereits einen ersten Praxistest.

von Peter Hornung, NDR Info

Peter Hornung. © NDR Foto: Christian Spielmann
NDR Info-Reporter und -Redakteur Peter Hornung meint, dass das Ansinnen der Schufa verhindert werden muss.

Was ist bloß in die Schufa gefahren, dass sie auf solche Ideen kommt? Kontoauszüge zu analysieren und daraus Rückschlüsse auf Verbraucherinnen und Verbraucher zu ziehen. Es geht doch um das Bankkonto, den heiligen Gral der Deutschen. Wie kann ein Unternehmen, das eine so wichtige Funktion hat in unserem Land, sich so verirren? Geht da keiner mal auf die Straße und fragt den Nächstbesten, ob er sich das vorstellen könnte? Die Antwort darauf kann man sich schon denken. Niemand, wage ich mal zu behaupten, gibt seine Kontoauszüge freiwillig heraus - vor allem wenn er - wie im Fall Schufa - überhaupt nichts dafür bekommt.

Perfidie zeigt sich in den Details

Dieser Fall Schufa zeigt seine ganze Perfidie, wenn man mal in die Details schaut. Das Unternehmen wirbt nicht offen für die Kontoauswertung, sie kommt eher beiläufig daher. Es scheint, als spekuliere man darauf, dass Verbraucherinnen und Verbraucher irrtümlich ein Häkchen setzen. Dass sie damit eine Lawine in Gang setzen könnten, die auf sie selbst zurollt, wird ihnen nicht gesagt. Klar, sonst würden sie es auch nicht tun. Still und heimlich also versucht Deutschlands wichtigste Wirtschaftsauskunftei an höchstsensible Daten zu kommen. Sie will sie offenbar auswerten nach allen Regeln der Kunst - so steht es jedenfalls im Kleingedruckten. Was denn jemandem passieren kann, der eine solche Einwilligung gibt - auf diese Frage wollte die Schufa bisher nicht antworten. Das Schweigen aber lässt nichts Gutes ahnen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Schufa eine solche Idee hat, die einen Entrüstungssturm auslöst. Vor acht Jahren ließ sie auskundschaften, ob man bei Facebook & Co. Nützliches für die eigene Datenbank finden könnte. Die Pläne landeten noch am Tag, als sie öffentlich wurden, im Papierkorb.

Es ist an den Datenschützern, das Schufa-Vorhaben zu prüfen

Es ist zu hoffen, dass dies auch hier so passieren wird. Jetzt ist es an den Datenschützern zu prüfen, ob die Schufa etwa einen Graubereich nutzt, um ihre Geschäftsmodelle als Privatunternehmen auszubauen, um zum mächtigsten Datendienstleister des Landes zu werden. Und wenn die Gesetzgebung tatsächlich solche Lücken aufweist, dann müssen wir öffentlich diskutieren, ob wir eine Gesellschaft wollen, in der man sich künftig komplett gläsern machen muss, wenn man einen Vertrag haben will. Das genau scheint nämlich ein Ziel der Schufa zu sein, dass der Blick aufs Konto künftig nicht die Ausnahme ist, sondern die Regel. Das müssen wir verhindern - und sei es durch bessere Gesetze.

Anmerkung der Redaktion: Liebe Leserin, lieber Leser, die Trennung von Meinung und Information ist uns besonders wichtig. Meinungsbeiträge wie dieser Kommentar geben die persönliche Sicht der Autorin / des Autors wieder. Kommentare können und sollen eine klare Position beziehen. Sie können Zustimmung oder Widerspruch auslösen und auf diese Weise zur Diskussion anregen. Damit unterscheiden sich Kommentare bewusst von Berichten, die über einen Sachverhalt informieren und unterschiedliche Blickwinkel möglichst ausgewogen darstellen sollen.

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NDR Info | Kommentar | 27.11.2020 | 17:06 Uhr