Stand: 10.06.2020 09:35 Uhr

Rassismus bei Polizei? Mehr Wachsamkeit gefordert

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Um gegen Rassismus vorzugehen, müsste die Polizeiführung aufmerksamer dafür sein, was in den eigenen Reihen los ist, meint Kriminologe Kersten.

Der Kriminologe und Soziologe an der deutschen Hochschule der Polizei in Münster, Joachim Kersten, hat den Vorwurf eines strukturellen Rassismus unter den Sicherheitskräften in Deutschland zurückgewiesen. Kersten sagte auf NDR Info, es sei immer schwierig, von Fällen auf eine Struktur zu schließen. Er räumte aber ein: "Die deutsche Gesellschaft hat einen Prozentsatz von 10 bis 15 Prozent, der menschenfeindlich, ausländerfeindlich, rassistisch, frauenfeindlich, schwulenfeindlich und so weiter ist. Von dieser Zahl müssen wir auch in der Polizei ausgehen."

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Datenlage veraltet

Die deutsche Polizei sei aber aufgrund ihrer Geschichte, wo sie an organisiertem Massenmord und Genozid beteiligt gewesen sei, besonders sensibel und entsprechend müsste es eine besondere Aufmerksamkeit geben. "Die gibt es, aber nicht organisiert und strukturell genug", so Kersten. Auch gebe es nur veraltete, unzuverlässige Daten. Das sei ein Problem und müsse sich ebenfalls ändern.

"Mund aufmachen"

Für Kersten muss vor allem die mittlere Entscheidungsebene - die Kommissarinnen und Kommissare - sensibler dafür werden, was in den eigenen Reihen vor sich geht. Dazu gehöre auch das Thema Rassismus. "Zu kennen, was in der Truppe los ist und dieses zu benennen, darüber zu sprechen, dazu gehört Mut und dazu gehört auch die Sicherheit, dass ich von der Führung gedeckt werde", sagte der Soziologe.

Kersten verwies auch darauf, dass es Fälle gebe, bei denen Polizisten Vorgesetzte wegen rassistischer Äußerungen gemeldet hätten. "Diese Haltung muss gestärkt werden. Den Mund aufzumachen: 'Das geht so nicht', oder: 'Wenn du das weitermachst, zeige ich dich an'".

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 10.06.2020 | 07:50 Uhr