Aiman Mazyek © picture alliance / AA Foto: Abdulhamid Hosbas

Mazyek verurteilt Anschlag von Nizza: "Prophet hätte Milde gezeigt"

Stand: 30.10.2020 14:00 Uhr

Der Zentraltrat der Muslime in Deutschland hat die Messerattacke in einer Kirche im französischen Nizza verurteilt. Dort hatte ein 21-jähriger Tunesier am Donnerstag drei Menschen getötet und mehrere verletzt.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach von einem islamistischen Anschlag. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, sagte im Interview auf NDR Info, wer Mord und Terror über Menschen bringe, der habe sich an der Menschheit, der Zivilisation und auch an Gott vergangen. Ein solcher Anschlag stehe gegen alle Werte des Islam, so Mazyek am Freitag.

"Prophet hätte mit Milde auf Karikaturen reagiert"

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD). © dpa Foto: Oliver Berg
Aiman Mazyek sagte, die Empörung über den Terrorakt müsste in der muslimischen Gemeinschaft "Lichtjahre größer sein als die Empörung über die Karikaturen".

"Wir als Muslime haben eine besondere Verantwortung auch in der muslimischen Community genau für diese Aufklärung zu sorgen", sagte der Vorsitzende des Zentralrats. "Unsere Empörung über diese bestialischen Morde muss Lichtjahre größer sein als eine Empörung über Karikaturen von unserem Propheten." Das sei auch die Haltung des Propheten selbst. "Er wurde zu Lebzeiten geschmäht und karikiert. Aber er hat Milde, Barmherzigkeit, Vernunft und Würde entgegengebracht und keine bestialischen Morde."

Es habe sich seit den Anschlägen auf das Satire-Magazin "Charlie Hebdo" vor sechs Jahren leider nur wenig geändert, stellt Mazyek fest. Auch damals habe er wie jetzt zusammen vielen Menschen in Berlin der Opfer gedacht und gegen Terror protestiert.

"Islamismus mit Islam bekämpfen"

Laut Mazyek war der Angriff von Nizza ein Angriff auf uns, auf die Gesellschaft, auf Europa. Die Frage nach der Schuld gehe in eine falsche Richtung. "Wir Muslime sind die Gruppe, die noch eine Möglichkeit hat, Zugänge zu haben in bestimmte Milieus. Wir können Islamismus nur mit dem Islam bekämpfen." Das sei vielen nicht klar, weil sie Islam und Islamismus in einen Topf würfen und es keine Trennschärfe gäbe zwischen Extremismus und friedlichen Muslimen.

Mazyek kritisiert Erdogans Äußerungen

Der Tat in Nizza war ein Mord an einem französischen Lehrer bei Paris vorangegangen. Die Ermittler gehen davon aus, dass er zum Ziel für den Attentäter wurde, da er in einer Unterrichtsstunde über Meinungsfreiheit Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte. Nachdem sich Frankreichs Präsident Macron hinter diese Position gestellt hatte, gab es einen Aufschrei, etwa in der Türkei. Staatspräsident Erdogan rief unter anderem zum Boykott französischer Waren auf. Mazyek verurteilt das Vorgehen Erdogans. "Es steht außer Frage, dass muslimische Ideologen versuchen, Muslime aufzustacheln, um abzulenken von eigentlichen Problemen."

Für Mazyek ist es beschämend und traurig, "dass unsere christlichen Geschwister in ihrer Kirche abgeschlachtet werden". Das müsse die Haltung der Muslime sein. Sie hätten eine besondere Verantwortung. "Deshalb können wir es uns nicht mehr erlauben, in der Diskussion alles in einen Topf zu werfen: Extremisten und Muslime." Denn das sei genau das, was die Terroristen wollten, eine Spaltung in der Gesellschaft.  

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 30.10.2020 | 07:50 Uhr

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