Stand: 05.03.2020 09:40 Uhr

EKD: "Wir brauchen mehr legale Wege nach Europa"

Seitdem der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Grenzen geöffnet hat, hoffen Tausende Migranten auf Einlass in die EU - doch Griechenland hält seine Grenzen geschlossen. In der großen Koalition in Berlin herrscht Uneinigkeit, wie Deutschland auf die Situation an der türkisch-griechischen Grenze reagieren sollte. Der Bevollmächtigte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Martin Dutzmann, hat nun Kritik an der europäischen Flüchtlingspolitik geübt. Im NDR Info Interview sagte er am Donnerstag, die Zustände in den Flüchtlingslagern auf Lesbos und den anderen griechischen Inseln seien katastrophal und nicht zu akzeptieren.

Die Europäische Union habe Griechenland mit der Frage der Geflüchteten zu lang alleine gelassen. Sie habe auf der einen Seite die Aufgabe, die Außengrenzen zu sichern, auf der anderen Seite müssten dabei aber auch die Menschenrechte beachtet werden, sagte Martin Dutzmann. " Es kann nicht sein, dass Schutzsuchende und Hilfsbedürftige daran gehindert werden, einen Asylantrag zu stellen. Das ist europäisches Recht und das muss möglich sein."

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Das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist völlig überfüllt.
"Mehr legale Fluchtwege in die EU"

Was im Moment passiere, sei eine Instrumentalisierung von Menschen durch die Türkei. Die evangelische Kirche habe den Flüchtlingspakt mit der Türkei immer kritisiert, weil es dabei um eine Auslagerung der Flüchtlingspolitik aus der EU gehe, so der EKD-Bevollmächtigte. "Und die Konsequenzen sehen wir ja jetzt gerade."

Deshalb forderten die evangelische und die katholische Kirche seit vielen Jahren, mehr sichere Wege für Flüchtlinge nach Europa. "Auf jeden Fall sollten jetzt die zahlreichen unbegleiteten Minderjährigen in der EU aufgenommen werden", sagte Dutzmann. Es gebe einige Staaten, die dazu bereit seien. Und Deutschland müsste es eben auch sein.

Die evangelische Kirche und die Diakonie hätten sehr viel getan, um die Flüchtlinge, die 2015 nach Deutschland gekommen sind, zu integrieren. "Und Auftrag ist es, auch weiterhin für Geflüchtete da zu sein."

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NDR Info | Infoprogramm | 05.03.2020 | 07:12 Uhr