Stand: 11.03.2013 15:00 Uhr  | Archiv

Mülltrennung: Der Unsinn mit dem gelben Sack

von Johannes Edelhoff & Nils Naber
Professioneller Mülltrenner
Nachsortieren, was die Bewohner nicht getrennt haqen: So manche Hausverwaltung beschäftigt professionelle Mülltrenner.

Wenn André Schaar im Hinterhof einer Wohnanlage im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld in die Mülltonne guckt, sieht er keinen Abfall, sondern wertvolle Rohstoffe. Die Hausverwaltung hat ihn eingestellt, um Plastikverpackungen aus dem Restmüll zu fischen und so etwas gegen die stetig wachsenden Müllgebühren zu tun.

Denn anstatt ihre leeren Verpackungen in den Gelben Sack zu entsorgen, schmeißen die meisten Bewohner einfach alles in die Restmülltonne. Kaum einer macht sich die Mühe zu sortieren. In Hamburg ist es mit der Mülltrennung insgesamt nicht weit her. Pro Kopf produzieren die Hamburger so viel Restmüll wie nirgendwo sonst in Deutschland. Auch zwanzig Jahre nach Einführung von Gelbem Sack und Gelber Tonne gibt es in Hamburg noch rund 12.000 Haushalte, die überhaupt keinen Müll trennen.

 

VIDEO: Mülltrennung: Der Unsinn mit dem gelben Sack (8 Min)

Umweltschutz in Reinkultur?

Mülltrennung - für die meisten Deutschen ist das Umweltschutz in Reinform. Zwei Drittel geben in einer Umfrage an, Müll zu trennen sei ihr größter Beitrag zum Umweltschutz. Das Recycling von Glas, Papier oder Plastik soll helfen, wertvolle Ressourcen zu sparen. Schon Kindergartenkinder lernen im frühpädagogischen Mülltrennunterricht das Einmaleins des deutschen Kreislaufwirtschaftsgesetzes und der Verpackungsverordnung.

Zwei Drittel des Plastikmülls werden verbrannt

Doch wie gut funktioniert unser Mülltrennsystem wirklich? Das ernüchternde Ergebnis: Kaum mehr als 30 Prozent des gesamten Plastikmülls kommen überhaupt in die Sammlung. Insbesondere beim Gelben Sack und der Gelben Tonne ist ein geradezu absurdes System entstanden. Denn in die Gelbe Tonne dürfen ausschließlich Verpackungen geworfen werden. Plastikzahnbürsten hingegen oder Plastikstrohhalme - alles was aus Plastik ist, aber keine Verpackung - gehört in den Restmüll und wird damit verbrannt.

Merkwürdige Mülltrennung: was darf in den Gelben Sack
"Thermische Verwertung": Hier werden auch die zuvor sorgfältig sortierten Joghurtbecher verbrannt.

Experten fordern schon lange, dass diese ökologisch unsinnige Unterscheidung zwischen Verpackung und sogenannter Nicht-Verpackung aufhört - und man alles recyceln sollte. Doch selbst die sorgfältig sortierten Joghurtbecher und Schokoladenverpackungen aus dem Gelben Sack werden am Ende oft verbrannt. Bis zu zwei Drittel dieses Plastikmülls landet nämlich in der sogenannten "thermischen Verwertung". Und das völlig legal.

"Wir könnten doppelt so viel recyceln"

Die Recycling-Bestimmungen für die Verwertungsunternehmen sind seit den Anfangsjahren des Trennens in den 90er-Jahren kaum verschärft worden. Auch hier fordern Experten wie der Umweltingenieur Prof. Karl-Heinz Scheffold: "Wir könnten doppelt so viel recyceln." Technisch sind wir längst dazu in der Lage. Der Politik sind alle Probleme bekannt, seit Langem verspricht sie ein besseres System. Doch nichts passiert. Die verschiedenen Parteien schieben sich die Schuld daran gegenseitig zu. Und so wird weiterhin wertvoller Plastikmüll verbrannt - statt recycelt zu werden.

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 12.03.2013 | 21:15 Uhr

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