Stand: 22.08.2017 16:27 Uhr

Eierskandal: Suche nach belastetem Essen

von Leonie Puscher & Barbara Schmickler

Eigentlich wird es bei Haustieren gegen Läuse und Milben eingesetzt. Bei Tieren, die zur Lebensmittelproduktion eingesetzt werden, ist das Insektizid grundsätzlich verboten. Wie es dennoch in Lebensmittel in deutschen Supermärkten gelangen konnte, beschäftigt nun seit einigen Wochen auch die norddeutschen Behörden. Mittlerweile wurden allein in Niedersachsen 440 amtliche Proben genommen, vier Betriebe wurden auf unbefristete Zeit gesperrt.

VIDEO: Eierskandal: Suche nach belastetem Essen (5 Min)

Einen dieser Betriebe haben Panorama 3-Reporter besucht. Die "Eier Tankstelle", in der die Kunden sonst 24 Stunden Eier kaufen können, ist außer Betrieb. Die Regale sind leer, auf dem Automaten klebt ein Schild: "Aufgrund der aktuellen Eier Situation - kein Automaten-Verkauf!".

Auch sonst ist es ruhig um den Legehennenbetrieb. Denn der Landwirt muss seine Hennen einer Art Kur unterziehen: Er simuliert den Winter, hat die Ernährung der Tiere umgestellt. Die Tiere haben vermutlich das giftige Insektizid Fipronil im Brustfett abgelagert. Bevor hier wieder Eier verkauft werden dürfen, werden noch Monate vergehen, schätzt der Landwirt.

Mittel im Februar eingesetzt

Monate, in denen der Landwirt, der seinen Namen nicht öffentlich machen will, auch einen existentiellen Schaden nimmt. Obwohl er seine Hennen eigentlich nur von der schädlichen Roten Vogelmilbe befreien wollte. Das vermeintliche Wundermittel war unter Landwirten in Deutschland bekannt. Man erzählte sich von Erfolgen, die es mit anderen Mitteln bisher bei einem solchen Befall nicht gab. Der Landwirt aus Niedersachsen setzte das Mittel nach eigenen Angaben bereits im Februar ein. Erst knapp sechs Monate später wurde bekannt, dass hier gefährliche Inhaltsstoffe beigemischt waren.

In einem Legehennenbetrieb werden Eier vernichtet. © NDR
In einem Legehennenbetrieb werden Eier vernichtet.

Seit Bekanntwerden der Belastung durfte auch der niedersächsische Landwirt seine Eier nicht mehr verkaufen. Er berichtet, er habe 420.000 Eier vernichten müssen. Eine ganze Woche habe er täglich Tausende davon in einen Container gekippt. Wie hoch der Verlust genau ist, das kann er noch nicht abschätzen. Auch die Kosten für die Entsorgung trägt der Landwirt selbst. Ob der Schaden von der Versicherung oder dem Staat aufgefangen wird, ist noch unklar. Gegen den Landwirt läuft erstmal ein Ermittlungsverfahren - wegen "Verdachts des Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz". 

Betroffene Eier aus dem Verkehr gezogen

Betroffene Eier sind mittlerweile bundesweit aus dem Verkehr gezogen worden. Doch in welcher Form Fipronil in verarbeitete Produkte gelangt ist, ist noch nicht geklärt. Nachdem in den letzten Wochen vor allem die Eier im Fokus der Ermittlungen standen, wird nun auch auf eihaltige Produkte geschaut. Hierzu gibt es ein bundesweites Überwachungsprogramm. Dieses wird vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit initiiert und dann auf Landesebene durchgeführt.

Laut Niedersächsischem Landwirtschaftsministerium stehen folgende Produktgruppen nun im Fokus: "stärkehaltige Produkte, feine Backwaren und Teige/Massen, Feinkost und Saucen sowie Eierlikör."

Der Hamburger Verbraucherschützer Armin Valet betont gegenüber Panorama 3, dass keine akute Gesundheitsgefahr von mit Fipronil belasteten Eiern ausgeht. Besonders bei verarbeiteten Produkten sei die Konzentration dementsprechend geringer. Trotzdem kritisiert er, dass die Verbraucher viel zu lange im Unklaren gewesen seien. Sie seien vermutlich über Monate einem Stoff ausgesetzt gewesen, der in Lebensmitteln verboten ist.

 

VIDEO: Fipronil-Skandal: Welche Eier kann man essen? (3 Min)

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 22.08.2017 | 21:15 Uhr

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