Stand: 06.02.2018 19:00 Uhr

Zahl der Organspenden in Hamburg soll steigen

Hamburg will die Zahl der Organspenden deutlich erhöhen. Dafür will die Stadt jetzt die Krankenhäuser in die Pflicht nehmen. Das kündigte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Dienstag im Rathaus an. Den großen Hamburger Kliniken wird künftig vorgeschrieben, wie viele Transplantationsbeauftragte sie haben müssen. Ärzte also, die darauf achten, ob ein Patient auf der Intensiv-Station möglicherweise für eine Organspende in Frage kommt und die dann mit den Angehörigen sprechen. Für eine große Klinik wie das Universitätsklinikum Eppendorf bedeutet die Neuregelung, dass dort mindestens ein Arzt von allen anderen Aufgaben freigestellt wird.

Wie wichtig die Aufgabe des Transplantationsbeauftragten aus ihrer Sicht ist, machte Prüfer-Storcks mit einem Vergleich deutlich: Im vergangenen Jahr wurden in Hamburger Kliniken nur 24 hirntoten Patienten Organe entnommen. Nach offiziellen Schätzungen wäre das aber bei rund 2.000 Patienten möglich gewesen. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse warteten Ende vergangenen Jahres 183 Menschen in Hamburg auf ein lebensrettendes Organ.

Höchste Zeit, den Negativtrend umzukehren

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Gesundheitssenatorin Prüfer-Storcks erhofft sich mehr Organspenden.

Mit dem neuen Gesetz will die Gesundheitsbehörde jetzt Abläufe in den Krankenhäusern verbessern, damit potenzielle Spender dort nicht mehr durchs System rutschen. "Täglich sterben in Deutschland Menschen, weil sie vergebens auf ein Spenderorgan gewartet haben", sagte die Gesundheitssenatorin. Es sei höchste Zeit, diesen Negativtrend umzukehren.

Die Kliniken stehen deshalb auch unter einer Art von Erfolgsdruck: Das neue Landesgesetz, das noch die Bürgerschaft verabschieden muss, sieht vor, dass sie Rechenschaft darüber ablegen müssen, wie viele Organe sie entnommen haben - oder warum sie es nicht taten.

Bundesweit historisches Tief

Die Zahl der Organspender liegt in Hamburg auf dem niedrigsten Wert seit neun Jahren. Im Vergleich zu 2016 mit 40 Organspendern hat sich die Zahl 2017 fast halbiert. Hamburg folgt mit dem Rückgang bei Organspenden dem bundesweiten Trend: Laut der DSO erreichte die Zahl der Organspender in Deutschland mit lediglich 797 den geringsten Wert seit 20 Jahren.

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Fragen und Antworten zur Organspende

Wie funktioniert die Verteilung von Spenderorganen? Wie wird sie kontrolliert? Wie groß ist die Gefahr von Missbrauch und Manipulation? tagesschau.de gibt einen Überblick. (22.10.2015 ) extern

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 06.02.2018 | 19:00 Uhr

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