Stand: 14.01.2020 10:39 Uhr  - NDR 90,3

Wasserstoff-Anlage im Hafen: Noch kein Investor

Bild vergrößern
"Ich will einen solchen Leuchtturm hier in Hamburg und in Norddeutschland sehen", hatte Wirtschaftssenator Westhagemann gesagt.

Die Planungen einer riesigen Anlage zur Wasserstofferzeugung im Hamburger Hafen verzögern sich. Anders als von der Wirtschaftsbehörde angekündigt, gibt es für das 150-Millionen-Euro-Projekt offenbar noch keinen Investorenvertrag.

Finale Entscheidung hätte schon fallen sollen

Als Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) das Leuchtturmprojekt im September vorgestellt hatte, war noch von "weit vorangeschrittenen Gesprächen" zwischen Stadt und Investoren die Rede gewesen. Bis Ende 2019 solle "eine finale Entscheidung über den Bau fallen", hieß es. Diese blieb allerdings bislang aus. Eine Behördensprecherin teilte auf Anfrage von NDR 90,3 mit, der Bau der Anlage sei unstrittig, man könne aber erst in den nächsten vier Wochen konkreter werden.

Werner Beba vom Netzwerk Norddeutsche EnergieWende 4.0 kritisierte, der Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur gehe zu langsam voran. Verantwortlich dafür sei zwar in erster Linie der Bund, der grünen Strom mit zu hohen Abgaben belege. Aber auch Hamburg hätte die Wichtigkeit von Wasserstoff im neuen Klimaschutzgesetz stärker herausstellen sollen, sagte Beba.

Speicher für bislang ungenutzten Strom

Videos
01:56
Hamburg Journal

Wie kann Hamburg Wasserstoff-Hauptstadt werden?

Hamburg Journal

Viele Experten sehen Wasserstoff als wichtigen Baustein für die Energiewende. Bei einer Podiumsdiskussion wurde nun debattiert, wie Hamburg zum Vorreiter werden könnte. Video (01:56 min)

Mit der geplanten Anlage könnte ein grundlegendes Problem der Energiewende teilweise gelöst werden: Überflüssiger Strom - beispielsweise aus Windkraft - wird dazu verwendet, Wasserstoff herzustellen. Power-to-Gas heißt diese Technologie. Wasserstoff kann unter Druck in großen Tanks gelagert - und später wieder zurück in Strom verwandelt werden. Er könnte regenerativ mit Offshore-Windstrom auf See oder an Land erzeugt und anschließend in Kavernen gespeichert oder unmittelbar verwendet werden. Damit könnten die auf der Nordsee erzeugten Strommengen effektiver genutzt werden.

Der Wasserstoff könnte zum Beispiel in der Grundstoff-Produktion eingesetzt werden: In Hamburg arbeiten unweit des Hafens große Fabriken für Stahl, Aluminium und Kupfer. Der Energieträger könnte aber ebenso in schweren Lkw Verwendung finden, der Schifffahrt und im Hamburger öffentlichen Nahverkehr sowie in der Versorgung des Stadtgebietes mit Fernwärme.

"Grüner" Energiespeicher Wasserstoff

Wasserstoff ist keine Energiequelle wie Erdöl, Wind oder Sonnenenergie, sondern ein Energiespeicher. Von Natur aus kommt Wasserstoff nur in gebundener Form vor, etwa in Wasser oder Erdgas. Um das farblose chemische Element aus dieser Bindung abzuspalten, ist Energie notwendig. Um umweltfreundlichen Wasserstoff zu erzeugen, werden regenerative Energien wie Solar­ oder Windenergie verwendet, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten (Elektrolyse).

Regenerativ erzeugter "grüner" Wasserstoff ist ein Schlüsselenergieträger der Energiewende. Er kann nach Darstellung von Experten auch zeitliche und räumliche Schwankungen der Stromgewinnung aus Solar- oder Windenergie ausgleichen.

Ein Großteil des in Deutschland produzierten Wasserstoffs ist allerdings "grauer Wasserstoff": Er entsteht als Nebenprodukt in der Chemieindustrie oder wird aus fossilen Energieträgern erzeugt. Bei dem Verfahren wird das Treibhausgas Kohlendioxid ausgestoßen. (Quelle: dpa)

Weitere Informationen

Hamburg bekommt Wasserstoff-Hafenfähren

Hamburgs Fährunternehmen HADAG plant den Bau von drei abgasfreien Hafenfähren. Sie sollen optisch an die jetzigen Schiffe erinnern, aber mit Wasserstofftechnologie ausgestattet sein. (20.12.2019) mehr

Forschung in Hamburg: Heizen mit Wasserstoff

In Hamburg-Bergedorf forschen junge Ingenieure an einer Heizung, die weniger CO2 ausstoßen soll. Dafür setzen sie Wasserstoff ein. Das Projekt wird auch von der EU gefördert. (20.12.2019) mehr

Westhagemann will bei Wasserstoff Druck machen

Hamburgs Verkehrssenator Westhagemann kritisiert die deutsche Automobilindustrie. Bei der Entwicklung von Wasserstoffantrieben drohe sie international den Anschluss zu verlieren. (07.11.2019) mehr

Hamburg plant weltgrößte Wasserstoff-Anlage

Im Hamburger Hafen soll die weltweit größte Anlage für die Herstellung von Wasserstoff entstehen. Wirtschaftssenator Westhagemann verhandelt darüber derzeit mit Investoren. (05.09.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 14.01.2020 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

02:17
Hamburg Journal
03:07
Hamburg Journal
03:11
Hamburg Journal