Stand: 24.02.2015 21:04 Uhr  | Archiv

Update, bitte: Frauen mischen die IT-Szene auf

Geek [giːk]: Das ist laut Wikipedia ein leicht sonderbarer Computerfreak. Was das Onlinelexikon nicht verrät - Geeks gibt es auch in weiblich. Die Geekettes zeigen in Hamburg, wie viele Chancen weibliche Computerfreaks haben. Das Netzwerk bringt Frauen aus der Tech- und Start-up-Szene in der Hansestadt zusammen. Gegründet hat es die Informatikerin Diana Knodel. "Wir wollen Frauen für die Möglichkeiten des Internets begeistern", sagt die 33-Jährige. Dafür engagiert sie sich auch bei der Social Media Week, die gerade in Hamburg stattfindet.

Denn Frauen fehlen in der Branche. Von über 700 Hamburger Gründern sind nur knapp 100 weiblich. Das zeigt der Hamburg Startup Monitor. Auch in der IT-Welt ist der Anteil von Frauen dramatisch klein: Deutschlandweit arbeiten hier laut Branchendienst Bitkom nur 14 Prozent Frauen. Auf Treffen der Szene sind fast ausschließlich Männer. Veranstaltungen, wie sie Knodel als Informatikerin nur zu gut kennt: "Ich fühle mich da meist nicht so wohl. Und ich weiß, dass das vielen anderen Frauen genauso geht." Zudem seien Frauen einfach nicht so stark vernetzt wie Männer.

Programmier-Marathon für Frauen

Den Anstoß für eine eigene Organisation bekam Knodel in Berlin, wo die Geekettes 2012 gestartet waren. "So ein Frauen-Netzwerk hat in Hamburg gefehlt - gerade weil die Stadt für die IT- und Start-up-Branche so interessant ist." Kurzerhand gründete sie ein Jahr später eine Schwester-Gruppe in der Hansestadt.

Auf dem Hackathon der Geekettes © Geekettes Facebook Foto: Geekettes
Wer denkt, braucht gutes Essen, meinen die Geekettes. Darum gibt es beim Hackathon eben auch Smoothies.

Seitdem organisiert Knodel mit den Geekettes selbst Events. Beim jährlichen Hackathon - einem 24-stündigen Programmier-Wettbewerb - gibt es vegetarische Gerichte statt kalter Pizza, Smoothies statt Softdrinks, Yoga statt Rumsitzen. "Wir haben uns ganz bewusst für eine etwas andere Aufmachung entschieden - um Frauen anzusprechen", sagt Knodel.

Diskussion mit Wohlfühlfaktor

Alle zwei Monate kommen die Geekettes zum "Dine & Discuss" zusammen - einer Vortragsreihe in den Räumen von Hamburger IT-Firmen. Zehn bis zwölf Frauen halten kurze Präsentationen, in entspannter Atmosphäre wird gegessen und diskutiert. Es sei wichtig, dass der Rahmen stimme, sagt Knodel. "Wir versuchen, Frauen zu ermutigen, Vorträge zu halten. Das fällt leichter, wenn man sich wohl fühlt." Ein Konzept, das ankommt: Auf Facebook erreichen die Geekettes knapp 850 Leute, aktiv mit dabei sind nach Knodels Angaben etwa 300.

Auf der Suche nach Vorbildern

Das Porträt einer Frau © Zara Gebru
Gebru geht besonders gern zu "Drink & Discuss" der Hamburger Geekettes.

Die 23-jährige Zara Gebru versucht, zu jeder Veranstaltung der Geekettes zu kommen. Sie studiert Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Wedel - ihre Kommilitonen und Professoren sind zum größten Teil Männer. "Ich komme da prinzipiell gut mit klar", sagt sie. Aber manchmal fehle ihr der Austausch mit Frauen. "Bei den Geekettes hab ich weibliche Vorbilder gefunden, die so wie ich in der IT-Branche arbeiten", sagt sie. Neben ihrem Studium arbeitet Gebru als Software-Entwicklerin. Anderen Studentinnen und Schülerinnen würde sie definitiv zu einer Karriere in der Tech-Branche raten. "Man kann gar nicht früh genug damit anfangen."

Das meint auch die Gründerin der Hamburger Geekettes Knodel: "Es ist unheimlich schade, dass sich nur so wenige Mädchen in der Schule für Technik begeistern." Das will sie ändern. Sie hat ihren Job bei Xing an den Nagel gehängt und ein eigenes Start-up gegründet. Jetzt entwickelt sie Unterlagen für Schulen, damit Programmieren Teil des Unterrichts wird. "Wer programmieren kann, kann eigene Produkte entwickeln und Menschen erreichen", sagt Knodel.

Nicht nur was für Frauen

Auch einen Hackathon wird sie in diesem Jahr wieder in Hamburg organisieren. Die Kombination aus Programmieren, Pausen-Yoga und gesundem Essen scheint nicht nur bei Frauen gut anzukommen. 40 Prozent der Teilnehmer des letzten Hackathons waren Männer. "Und manchmal", verrät Knodel, "bestellen wir auch 'ne Pizza."

Dieses Thema im Programm:

Aktuell | 24.02.2015 | 06:38 Uhr

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