Stand: 09.11.2019 07:06 Uhr

Tschentscher unterstützt Synagogenneubau

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) unterstützt die Bemühungen für einen Wiederaufbau der von den Nationalsozialisten zerstörten Bornplatzsynagoge im Grindelviertel. "Das wäre ein starkes Zeichen für das jüdische Leben in Hamburg", sagte Tschentscher dem "Spiegel".

Machbarkeitsstudie zur Gestaltung und Nutzung

Zunächst solle es eine Machbarkeitsstudie zur Gestaltung der Synagoge und ihrer Nutzung als künftiges jüdisches Zentrum geben. Dafür stellte Tschentscher auch finanzielle Unterstützung in Aussicht: "Wir sprechen derzeit darüber, wie die weitere Förderung der jüdischen Gemeinde gestaltet wird, dabei geht es auch um den Neubau einer Synagoge." Zuvor hatte Tschentscher mit dem Landesrabbiner Shlomo Bistritzky über die Machbarkeitsstudie gesprochen, wie NDR 90,3 berichtete.

"Wir begrüßen es sehr, dass sich nun auch Hamburgs Erster Bürgermeister, Peter Tschentscher, für den Bau einer Synagoge am Bornplatz ausspricht und eine Machbarkeitsstudie dazu anregt", erklärte Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks. Er wies darauf hin, dass die Grünen die Diskussion vor gut zwei Wochen in der Bürgerschaft angestoßen hätten. Ähnlich zustimmend äußerte sich die FDP. "Die Ankündigung, finanzielle Mittel für eine Machbarkeitsstudie zur Verfügung zu stellen, ist ein erstes Signal für einen Wiederaufbau", erklärte die Fraktionsvorsitzende Anna von Treuenfels.

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Die Bornplatzsynagoge in Hamburg wurde in der NS-Zeit zerstört.
Jüdische Gemeinde für sichtbares Zentrum

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Hamburg, Philipp Stricharz, sagte zu NDR 90,3, es bestehe Konsens über den Synagogenbau. Jetzt gehe es um das Wie. Zudem sei auch die Erweiterung der benachbarten Joseph-Carlebach-Schule nötig. Diese zähle 170 Schüler, die Kita nebenan besuchten um die 70 Kinder. Die 2.500 Mitglieder starke Jüdische Gemeinde wünsche sich, dass das Gelände der ehemaligen Synagoge wieder zum sichtbaren Zentrum des jüdischen Lebens in Hamburg werde.

Auch die evangelische Bischöfin Kirsten Fehrs und der katholische Erzbischof Stefan Heße unterstützen die Pläne.

Synagoge in NS-Zeit verwüstet und abgerissen

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Der Grundriss der ehemaligen Synagoge auf dem Joseph-Carlebach-Platz.

Die ehemalige Bornplatzsynagoge wurde 1906 fertiggestellt und galt als Wahrzeichen des einst reichen jüdischen Lebens in Hamburg. Sie war die größte Synagoge Norddeutschlands mit Platz für 1.200 Menschen. Im Zuge der Pogrome des 9. November 1938 wurde sie von NS-Schergen verwüstet. 1939 ließ die Stadt die Synagoge abreißen. Die Kosten musste die Gemeinde tragen und das Grundstück unter Wert verkaufen.

Der einstige Bornplatz heißt heute Joseph-Carlebach-Platz und erinnert an den Hamburger Rabbiner Joseph Carlebach (1883-1942). Auf dem Platz sind die Grundrisse der ehemaligen Synagoge zu sehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 08.11.2019 | 18:00 Uhr

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