Stand: 13.07.2020 20:50 Uhr  - NDR 90,3

Trauer um Thalia-Schauspieler Peter Maertens

von Daniel Kaiser
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Schauspieler Peter Maertens starb im Alter von 88 Jahren.

Die Hamburger Theaterwelt trauert um einen großen Schauspieler. Peter Maertens ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Mehr als 60 Jahre - fast sein ganzes Schauspielerleben - stand er im Thalia Theater auf der Bühne. Hier war schon sein Vater nach dem Krieg Intendant. Heute sind seine Kinder hier immer wieder zu erleben. Peter Maertens war das Oberhaupt einer echten Hamburger Theater-Dynastie. Ein Nachruf von Daniel Kaiser.

"Ich habe einen Sohn gequält!" Das "t" explodiert in seinem Mund. Sein Auftritt als Graf von Moor in Schillers "Die Räuber" in der starken Version von Nicolas Stemann ist ein besonderer Peter-Maertens-Moment. Er spielte König Lear, Edward II., den Tod im "Jedermann" – Maertens war ein echter Charakterdarsteller - und das meistens auf der Bühne des Thalia Theaters.

Thalia-Schauspieler Peter Maertens ist tot

Hamburg Journal -

Der Hamburger Schauspieler Peter Maertens ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Er gehörte lange zum Ensemble des Thalia Theaters - und war Teil einer echten Schauspieler-Dynastie.

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Thalia bei den Maertens Familientradition

Schon als ganz junger Mann spielte er hier. Das Thalia war und ist bei den Maertens Familientradition. "Seit 1927 war immer mindestens ein Maertens am Thalia Theater, und einmal waren es sogar vier. Das ist doch eigentlich ganz schön", freute er sich. Maertens Vater Willy wurde gleich nach dem Krieg Thalia-Intendant. Die britische Militärregierung entschied, dass er das Amt für zunächst nur sechs Wochen übernehmen durfte. "Und aus den 'six weeks' wurden 18 Jahre Intendanz. Das zeigt, dass improvisierte Sachen in Hamburg manchmal länger halten als die Regeln", lachte Maertens.

Aufgewachsen in einer Welt des Theaters

Die Beziehung zum Vater und die Theaterwelt wurden prägend für den jungen Peter. "Die Schauspieler kamen zu uns in unsere kleine Wohnung - sei es Inge Meysel oder Hans Lothar. Zu mir war mein Vater immer besonders streng. Er wollte, dass sein Sohn besonders gut ist, so dass schon einige Kollegen sagten, er solle mich in Ruhe lassen", erinnerte sich Maertens im Februar dieses Jahres bei einer Matinee mit der Theaterfamilie Maertens auf der Thalia-Bühne.

Auftritte auch im Tatort

Anfang der 1950er Jahre besucht Maertens in Hamburg die Schauspielschule, spielte dann in Oldenburg, Hannover und Göttingen, bis ihn sein Vater zurück nach Hamburg holte. Maertens war ein Theatermann durch und durch. Nur selten sah man ihn mal am Sonntagabend im Tatort. Schon als Kind hatte er eine große Leidenschaft für Fußball. Die blieb sein Leben lang. Vom HSV wechselte er über die Jahre allerdings in die St.-Pauli-Fankurve.

Erfolgserlebnisse mit Augenzwinkern

Mit Augenzwinkern nannte er es seinen größten Erfolg, zweimal mit der Thalia-Mannschaft deutscher Theater-Fußballmeister geworden zu sein. "Unvergesslich ist, wie Papi sich danach am Telefon mit den Worten 'Mertens - deutscher Meister' gemeldet hat", lachte sein Sohn Kai bei dem gemeinsamen Auftritt im Februar.

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Rollen in "Kaufmann von Venedig" oder "Der arme Vetter"

Unter Intendant Jürgen Flimm spielte Maertens nicht nur Fußball, sondern auch erfolgreich in Inszenierungen wie "Heißes Geld", "Der Kaufmann von Venedig" oder in Ernst Barlachs "Der arme Vetter". 1990 und 1991 war er als der Tod bei den Berliner Jedermann-Festspielen zu sehen. Gemeinsam mit seinen Kindern Michael, Kai und Miriam stand er zu seinem 50-jährigen Bühnenjubiläum 2004 auf der Bühne des Thalia Theaters.

Ehrenmitglied des Thalia-Ensembles

Peter Maertens blickte beglückt auf seine Theaterfamilie: "Wir fahren immer gegenseitig zu unseren Premieren, zittern mit und geben uns Tipps - das ist schon toll!" Auch in den letzten Jahren war er immer wieder Gast am Thalia Theater - zuletzt als Ehrenmitglied des Ensembles. "Wenn ich reinkomme, kenne ich jeden Techniker, insofern ist es für mich neben meiner Familie immer noch ganz wichtig und gehört zu meinem Leben."

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 13.07.2020 | 19:00 Uhr

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