Thomas Drach sitzt 2013 nach seiner Entlassung aus Justizvollzugsanstalt Hamburg-Fuhlsbüttel in einem Auto. © picture alliance / dpa / TV News Kontor

Thomas Drach bleibt in den Niederlanden in Untersuchungshaft

Stand: 24.02.2021 17:26 Uhr

Für die Entführung des Hamburger Zigarettenkonzern-Erben Jan Philipp Reemtsma hatte er fast 15 Jahre im Gefängnis gesessen. Jetzt droht Thomas Drach wieder eine lange Haftstrafe.

Der mit in den Niederlanden festgenommene einstige Reemtsma-Entführer Thomas Drach wird nicht kurzfristig nach Deutschland überstellt. Die Untersuchungshaft des 60-Jährigen in Amsterdam sei verlängert worden, teilte ein Sprecher der dortigen Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Eine schnelle Überstellung an die deutschen Behörden schloss die Justiz in den Niederlanden daher aus. Am kommenden Freitag werde sich ein Richter mit dem Auslieferungsgesuch der Kölner Justiz befassen. Das Verfahren werde bis zu 90 Tage dauern, erklärte der Sprecher. Bei der ersten Vorführung Drachs war der europäische Haftbefehl geprüft worden. Der 60-Jährige war am Dienstag in Amsterdam festgenommen worden.

Drach soll an Überfällen auf Geldtransporter beteiligt gewesen sein

Polizei und Staatsanwaltschaft in Köln werfen Drach die Beteiligung an drei Überfälle auf Geldtransporter in den Jahren 2018 und 2019 vor. Er ist dringend verdächtig, an Überfällen in Köln im März 2018, am Flughafen Köln/Bonn im März 2019 und in Frankfurt am Main im November 2019 beteiligt gewesen zu sein. Ihm wird auch ein Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen, da er bei einem Überfall am Flughafen Köln/Bonn ein Maschinengewehr eingesetzt haben soll. Drach wird im aktuellen Verfahren offenkundig auch vorgeworfen, mit einem Sturmgewehr in Köln einen Wachmann angeschossen und schwer verletzt zu haben. Die Staatsanwaltschaft bestätigte der Nachrichtenagentur dpa den Vorwurf, ohne Drachs Namen zu nennen.

Fluchtautos gefilmt

Die Ermittler hatten Drach Medienberichten zufolge bereits seit langer Zeit im Visier. Die bei den Überfällen auf die Geldtransporter eingesetzten Fluchtwagen stammten aus den Niederlanden. Sie wurden meist ausgebrannt zurückgelassen - ohne Spuren. Doch bei einem Coup am Flughafen Köln/Bonn im März 2019 galt das nur für eines der Autos, es war zusammen mit der Tatwaffe, einer Kalaschnikow, angezündet worden. Doch ein Augenzeuge hatte den Überfall gefilmt - und auch ein zweites Fluchtauto. Unter erheblichem Aufwand und mit verdeckten Ermittlungen gelang es den Kölner Fahndern, den Wagen ausfindig zu machen - und so auch Drachs Aufenthaltsort. Er habe sich widerstandslos festnehmen lassen, meldete der "Spiegel". Laut "Bild"-Zeitung sucht die Polizei noch nach zwei Komplizen. Die Höhe der Beute ist unklar.

Reemstma-Entführer in Hamburg verurteilt

Im März 1996 hatte Drach mit Komplizen den Hamburger Tabak-Erben Jan Philipp Reemtsma entführt. Danach tauchte er unter. Erst zwei Jahre später wurde er in Argentinien festgenommen. Er verbüßte eine Haftstrafe von vierzehneinhalb Jahren und kam 2013 wieder auf freien Fuß.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 24.02.2021 | 06:30 Uhr

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