Stand: 30.08.2018 18:01 Uhr

Streit über Abitur: Arbeitsgruppen vereinbart

Im Streit über die Qualität des Hamburger Abiturs haben sich Schulsenator Ties Rabe (SPD) und die 61 Leiter der staatlichen Gymnasien auf die Bildung von Arbeitsgruppen verständigt. "Der Austausch mit den Schulleitungen war spannend, anregend und gut. Ich bin zuversichtlich, dass wir vernünftige Lösungen finden werden", erklärte Rabe nach einem zweistündigen Gespräch am Donnerstag. An den Arbeitsgruppen sollen auch die Leiter der Stadtteilschulen beteiligt werden. Ein wichtiges Thema werde auch die Digitalisierung sein, hieß es.

In einem am Mittwoch bekannt gewordenen Positionspapier hatten die Schulleiter der Gymnasien die Qualität des Hamburger Abiturs kritisiert. "Die Abiturregelungen tolerieren zu viele schwache Leistungen und unterlaufen so den Anspruch an allgemeine Bildung", schrieben die Direktoren. Zwar zeige sich, dass sich die Leistungen durch das Zentralabitur eher verbessert hätten, sie beschränkten sich jedoch auf einen schmalen Korridor aus Deutsch, Englisch und Mathematik. Es gebe die Tendenz zur Drei-Fächer-Schule. Andere Angebote wie eine zweite Fremdsprache, Musik oder Chemie/Physik würden von den Schülern kaum gewählt, die Kurse kämen oft nicht zustande.

"Können die Breite nicht mehr so leisten"

Christian Gefert von der Vereinigung der Leitungen der Hamburger Gymnasien sagte im Gespräch mit NDR 90,3: "Wir machen uns Sorgen, dass wir die Breite, die wir als Gymnasien vermitteln wollen, im Hinblick auf Wissen und Kompetenzen nicht mehr so leisten können, wie wir es leisten wollen." Die Schüler würden sich in Hamburg zwangsläufig zu sehr auf die Prüfungen konzentrieren. Durch die Abitur-Regelungen hier finde eine Verengung statt. Als Konsequenz fordern die Schulleiter der Gymnasien mehr Selbstverantwortung für ihre Schulen, mehr unterrichtsfreie Zeit für die Lehrkräfte, um den Unterricht weiterzuentwickeln und eine bessere Ausstattung der Schulen - auch für die Digitalisierung. Und sie fordern eine breite Diskussion ihres Positionspapiers.

Rabe: Kein Hamburger Sonderweg

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Schulsenator Rabe: "Grundsätzlich werde ich darauf achten, dass das Abitur keinen Millimeter leichter wird."

Rabe hatte bereits am Mittwoch in einer ersten Reaktion betont, dass die Zeit der Sonderwege einzelner Bundesländer vorbei sei. "Es wäre keine gute Idee, wenn Hamburg ein anderes Abitur und andere Bildungsanforderungen erfindet als die anderen Bundesländer", sagte der Senator. Er betonte: "Grundsätzlich werde ich darauf achten, dass das Abitur keinen Millimeter leichter wird." Die Anforderungen an Hamburgs Schüler seien mit den neuen bundesweiten Abituraufgaben eher verschärft worden.

Opposition: Digitalisierung wird verschlafen

Die Opposition in der Bürgerschaft unterstützte die Schulleiter. Rot-Grün verschlafe die Digitalisierung, erklärte FDP-Fraktionschefin Anna von Treuenfels-Frowein. Der Senat müsse dieses "zukunftsentscheidende Thema" endlich ganz oben auf die Agenda setzen. Sie warf Rabe vor, das Abitur über Jahre konsequent entwertet zu haben. "Seine Bildungspolitik hat zu einer Verflachung des Unterrichts und viel zu einfachen Prüfungen geführt." Die CDU-Bildungsexpertin Birgit Stöver meinte: "Dass nun selbst die eigenen Schulleiter gegen Rabe aufbegehren, zeigt schonungslos die verkorkste Bildungspolitik des Senators auf." Die in Hamburg analog zur Einführung des Zentralabiturs getroffenen Bestimmungen produzierten zwar auf dem Papier gute Noten, führten in der Folge aber zu einer Schwächung anderer Fächer wie Chemie oder Physik.

Auch die Fraktionschefin der Linken, Sabine Boeddinghaus, begrüßte das Positionspapier der Schulleiter. "Die Kritik am stagnierenden Lehrerarbeitszeitmodell ist absolut berechtigt", erklärte sie. In dem Papier der Schulleiter steht, dass der Ganztagsunterricht und die Inklusion von Schülern mit Behinderungen mehr Personal erforderten. Die neuen Aufgaben mit Honorarkräften zu bewältigen, sei aber schwierig. Das Lehrerarbeitszeitmodell von 2008 berücksichtige die neuen Anforderungen nicht.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 30.08.2018 | 19:30 Uhr

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