Stand: 03.04.2019 16:58 Uhr

Spielen Islamisten in Hamburger Fußballclub?

Der Hamburger Verfassungsschutz warnt vor einem Fußballverein, der offenbar von Islamisten gegründet worden ist. Die Hintermänner des Clubs sind demnach einer verbotenen islamistischen Vereinigung zuzurechnen. Dem Verein droht nun der Ausschluss aus dem Hamburger Fußball-Verband.

Der Club hört auf den Namen Adil e.V. und hat am 7. April 2017 die Mitgliedschaft im Hamburger Fußball-Verband (HFV) beantragt. Seine erste Herrenmannschaft nimmt am Spielbetrieb der Hamburger Kreisklasse B1 teil.

Nach Informationen des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz sind die Hintermänner des Vereins aus dem Stadtteil Wilhelmsburg einer seit 2003 verbotenen islamistischen Vereinigung zuzurechnen: Sie hört auf den Namen "Hizb ut-Tahrir" (HuT), zu Deutsch "Partei der Befreiung". Sie war verboten worden, weil sie "sich gegen den Gedanken der Völkerverständigung richtet und Gewaltanwendung zur Durchsetzung politischer Ziele befürwortet", schrieb das Bundesinnenministerium damals in seiner Verbotsverfügung.

Verein ist noch als gemeinnützig anerkannt

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Der Verein Adil spielt in Hamburg in der Kreisklasse B1.

Trotz des Verbots zählt der Hamburger Verfassungsschutz in der Hansestadt rund 220 Personen, die der Vereinigung zuzurechnen seien. Ein Schwerpunkt ihrer Aktivitäten liege im Stadtteil Wilhelmsburg.

Die Gründung des Fußballclubs verfolge ein klares Ziel: Es gehe darum "neue Mitglieder für die 'HuT' anzuwerben", zitiert der Verfassungsschutz aus einem internen Strategiepapier aus dem Jahr 2016. Im selben Jahr wurde der Verein gegründet.

Sowohl die drei aktuellen Vorstandsmitglieder, als auch die Mehrzahl der Gründungsmitglieder seien der islamistischen Organisation zuzurechnen, schreibt der Verfassungsschutz. Auch der weit überwiegende Teil der Herrenmannschaft gehöre demnach der "HuT" an. Kinder- und Jugendmannschaften gebe es derzeit nicht. Der Verein sei derzeit noch als gemeinnützig anerkannt.

Verfassungsschutz: "HuT" will mehr Akzeptanz bei Muslimen erreichen

Ein Ball liegt auf einem Fußballfeld, dahinter ein Torwart. © picture alliance/Beyond Foto: Bernd Eberle

Verfassungsschutz warnt vor Adil e.V.

NDR Info - Aktuell -

Der Fußballverein Adil e.V. spielt in der Hamburger Kreisklasse B1. Die Hintermänner des Clubs sind laut Verfassungsschutz einer verbotenen islamistischen Vereinigung zuzurechnen.

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Aus Sicht des Verfassungsschutzes versucht die "HuT" mit der Vereinsgründung nicht nur neue Mitglieder zu gewinnen, sondern auch die eigene Akzeptanz in der muslimischen Gemeinschaft zu erhöhen. Diese Strategie bezeichnet der Verfassungsschutz als "Entgrenzung".

Maßgebende Mitglieder des Vereins Adil e.V. sind schon mehrfach durch öffentliche Aktionen in der Hansestadt aufgefallen. So habe der Vereinsvorsitzende im Dezember vergangenen Jahres versucht, eine größere "HuT"-Veranstaltung zum Thema Kopftuchverbot durchzuführen.

Islamisten und Gemeinnützigkeit

Dass der Verein seine Gemeinnützigkeit behält und damit die Fähigkeit, Steuerquittungen auszustellen, ist nach den jetzt bekannt gewordenen Fakten zumindest zweifelhaft. Die Finanzbehörde der Hansestadt wollte sich auf Nachfrage von NDR Info unter Hinweis auf geltende Vorschriften ausdrücklich nicht dazu äußern.

Fakt ist aber: Die Steuergesetze sehen vor, dass ein Verein mindestens alle drei Jahre seine Bücher offenlegen muss, um sich als gemeinnützig erweisen zu können. Diese Überprüfung kann allerdings auch "anlassbezogen" vorgenommen werden. Und ein solcher Anlass zur Überprüfung dürfte nun vorliegen.

Der Bundesfinanzhof als höchste Gerichtsinstanz in Steuerfragen hat im Mai vergangenen Jahres eine klare Richtung vorgegeben: Ein Verein, der im Verfassungsschutzbericht ausdrücklich als extremistisch eingestuft werde, könne sich nicht mit dem Siegel der Gemeinnützigkeit schmücken. Genau das ist in Hamburg geschehen: Die Mitteilung des Nachrichtendienstes am Mittwoch war eine Art Ausblick auf den jährlichen Verfassungsschutzbericht, der im späteren Frühling erscheinen wird. Ali E. vom Fußballverein Adil, bezeichnet das Vorgehen des Verfassungsschutzes als rufschädigend. Es gehe um Integration. Mit Religiösität habe der Verein nichts zu tun, sagte Ali E. im NDR Hamburg Journal.

Adil e.V. droht Ausschluss aus HFV und HSB

Nach Informationen von NDR 90,3 will sich das HFV-Präsidium bereits am Donnerstag mit dem Fall Adil e.V. befassen. Bisher sei beim Hamburger Fußball-Verband und beim Hamburger Sportbund (HSB) von den Verbindungen des Vereins zu der islamistischen Vereinigung nichts bekannt gewesen, heißt es.

Aufgrund der Informationen vom Verfassungsschutz wird der Verein Adil e.V. nun aber wohl bald nicht mehr in der untersten Hamburger Fußball-Spielklasse antreten dürfen. Rassistische, verfassungs- und fremdenfeindliche Bestrebungen stehen nicht im Einklang mit unserer Satzung, heißt es beim HSB.

Ohne Gemeinnützigkeit ist eine Mitgliedschaft des Fußballvereins weder im Hamburger Fußball-Verband noch im Hamburger Sportbund möglich.

"Hizb ut-Tahrir" lehnt parlamentarische Demokratien ab

Die "HuT" wurde 1952 gegründet und ist eine international aktive islamistische Organisation. Sie lehnt parlamentarische Demokratien ab und wirbt für die Einführung des Kalifats.

Der Staat Israel und die Juden werden von der "HuT" als "die zu bekämpfenden Grundübel" bezeichnet. Die "HuT" soll in den 1960er- und 1970er-Jahren auch an Putschversuchen beteiligt gewesen sein und ist in nahezu allen arabischen Staaten verboten.

Weitere Informationen

Zuwachs in der Hamburger Islamistenszene

Zwei islamistische Organisationen stehen im Fokus des Hamburger Verfassungsschutzes: "Hizb ut-Tahrir" und "Realität Islam" versuchen Menschen für ihre Ideologie zu gewinnen - mit Erfolg. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 03.04.2019 | 12:11 Uhr

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